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09. Mai 2008 18:00 Uhr

Lang Papier will Heizkraftwerk neu planen

Ettringen (emf/mz/liwe) - Überraschende Entwicklung in Sachen Heizkraftwerk: Der für Mitte Juni geplante Erörterungstermin im Zusammenhang mit dem Genehmigungsverfahren für das Projekt der Ettringer Firma Lang Papier wird auf Ende des Jahres verschoben.

Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung erklärte, will man die Leistung des Reststoffkessels von ursprünglich geplanten 80 Megawatt auf jetzt nur noch circa 55 Megawatt (MW) reduzieren.

Lang Papier hat mit dem Landratsamt abgestimmt, dass das Genehmigungsverfahren mit dieser veränderten Planung fortgeführt wird. Die überarbeiteten Antragsunterlagen werden voraussichtlich nach der Sommerpause neu ausgelegt, alle bisherigen Einwendungen werden übernommen und mit den zusätzlichen Einwendungen zur überarbeiteten Planung dann insgesamt behandelt. Der Erörterungstermin verschiebt sich somit auf Ende 2008, heißt es in dem Schreiben. Das Landratsamt hat diese Angaben in einer eigenen Pressemitteilung bestätigt.

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Nach intensiven Gesprächen mit verschiedenen potenziellen Lieferanten ergibt sich laut Firmenleitung die Möglichkeit, die Verbrennungstechnik des Reststoffkessels von zirkulierender auf stationäre Wirbelschicht zu ändern. Daher sei die Festlegung auf eine Mindest-Feuerungswärmeleistung von 80 MW nicht mehr erforderlich, die bisher von Lieferantenseite vorgegeben war.

Reststoffkessel soll kleiner werden und weniger emittieren

"Somit", so Lang Papier, "ist es möglich, den Reststoffkessel kleiner zu bauen , was sich insgesamt positiv auf die Wirtschaftlichkeit auswirken wird. Dies reduziert die Emissionsfracht des Reststoffkessels um voraussichtlich bis zu 25 Prozent. Der Brennstoffmix selbst bleibt unverändert, der Gasanteil wird prozentual steigen. Der deutlich kleinere Reststoffkessel erfordert jetzt nicht mehr den Rückbau der Deponie - der geplante neue Standort liegt neben der Deponie, weiter östlich im Bereich neben der Altpapierhalle."

Dr. Thomas Krauthauf, General Manager und Werkleiter Lang Papier, dazu: "Von Anfang an haben wir uns zum Ziel gesetzt, die höchstmögliche Energieeffizienz für das neue Heizkraftwerk zu erreichen - im Sinne der Standortsicherung von Lang Papier in Ettringen, im Sinne unser Nachbarn und unserer Umwelt. Energieeffizienz ist in hohem Maße an die verfügbare Technik gebunden. Wir haben daher die Entwicklungen insbesondere in der Feuerungstechnik sorgsam verfolgt.

Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass eine stationäre Wirbelschicht-Feuerung mit circa 55 MW Leistung unseren Anforderungen an Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit besser erfüllt. Reststoffkessel und Gasheizkraftwerk werden in Kombination die Energie erzeugen, die wir für unsere Papierproduktion brauchen. Natürlich ist uns diese Entscheidung nicht leicht gefallen, schließlich befinden wir uns mitten im Verfahren. Aber wir sind davon überzeugt, dass das Endergebnis diese zusätzlichen Monate der Planung, Auslegung und Erörterung wert sein wird."

Lang Papier wird verfahrensbegleitend mit der TU München ein Projekt beginnen, das sich der effizienten Versorgung der Papierfabrik mit Dampf und Strom durch das geplante Heizkraftwerk widmet.

Dr. Thomas Krauthauf: "Wir erwarten uns von der Forschung weitere Impulse, die unserem Heizkraftwerk auch im laufenden Betrieb ein Maximum an Energieeffizienz garantieren werden."

Lang Papier hat außerdem entschieden, die Zusammenarbeit mit dem Dienstleister B+T Umwelt GmbH zu vertiefen. Lang Papier wird mit dem Unternehmen, das bereits seit mehreren Jahren die Reststoffverwertung von Lang Papier übernommen hat, in Zukunft auch bei der thermischen Verwertung von Reststoffen und Ersatzbrennstoffen zusammenarbeiten.

Die Bürgerinitiativen, die sich im Verein "Gesundes Wertachtal" zusammen geschlossen haben, feiern diese Meldung mit dem Foto eines knallenden Sektkorken auf ihrer Internetseite (www.gesundes-wertachtal.de). Für Martin Kleint, Sprecher der BIs, ist die Umplanung der Firma einer klarer Sieg der Bürgerproteste. "Lang Papier hat erkannt, dass ihr Genehmigungsantrag juristisch auf tönernen Füßen steht und unsere Einwendungen berechtigt sind", sagt der Ettringer. Um einen Gesichtsverlust beim geplanten Erörterungstermin zu vermeiden, sei in letzter Minute die Notbremse gezogen worden. Die alte Deponie sei wohl auch nicht so unproblematisch wie behauptet.

Für die Kraftwerks-Gegner gehe der Kampf nun weiter: "Wir sind nach wie vor gegen den Einsatz von Ersatzbrennstoffen egal in welcher Größenordnung", betont Kleint. Außerdem fordere man weiterhin eine bessere Filtertechnik für die Anlage. Man werde die neuen Planungen deshalb ebenso kritisch verfolgen wie bisher.

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