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15. März 2009 17:35 Uhr

"Leute, lasst es bleiben, ihr wisst nicht, was auf euch zukommt!"

Ettringen Rund 180 Zuhörer - darunter eine ganze Reihe von Gemeinderatsmitgliedern sowie führende Mitarbeiter von Lang Papier - hatten sich Freitagabend im Saal des Gasthauses Rauch in Ettringen eingefunden, um zu hören, was ein Experte des Bund Naturschutz zum geplanten Heizkraftwerk von Lang Papier zu sagen hatte. Der Abend verlief ruhig und sachlich. Von eva-maria frieder

Der Chemiker Dr. Hartmut Hoffmann, Sprecher des Arbeitskreises Abfall des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), sprach die Schwierigkeiten beim Betrieb einer solchen Anlage ebenso an wie die Energieverschwendung und Rohstoffvernichtung durch die Verbrennung von Ersatzbrennstoffen (EBS) und die entstehenden unwägbaren Gefahren.

Veranstalter waren der BN (Bund Naturschutz in Bayern) und die Bürgerinitiative (BI) "Gesundes Wertachtal". Zu Beginn erläuterte der Vorsitzende der BI, Dr. Hermann Fischer, nochmals deren Position. Armin Weh, der sowohl dem BN als auch dem Vorstand der Bürgerinitiative und auch dem Gemeinderat Ettringen angehört, erklärte Einzelheiten im Zusammenhang mit dem von der BI initiierten Bürgerbegehren (siehe weiteren Bericht auf dieser Seite).

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Was der Chemiker Dr. Hoffmann zu sagen hatte, hatte mit Panikmache nichts zu tun, war aber auch keineswegs dazu angetan, Befürchtungen auszuräumen.

Hoffmann stellte fest, die derzeitige Abfallpolitik sei ein Weg in die Sackgasse. Verbrennung sei nicht Gewinnung, sondern Vernichtung von Energie: "Die gesamte Produktionsenergie geht dabei verloren." Das einzig Sinnvolle sei es, auf Vermeidung oder Recycling zu setzen.

Versiegender Nachschub an EBS prognostiziert

Er wolle, so Hoffmann, Lang Papier nicht schaden, sondern die Firma warnen:

"Leute, lasst es bleiben, ihr wisst nicht, was in ein paar Jahren auf euch zukommt", sagte er. Eine ganze Reihe ähnlicher Projekte seien bereits gescheitert, denn es sei abzusehen, wann es keinen ausreichenden Nachschub an Ersatzbrennstoffen mehr geben werde.

Thema waren auch die Gefahren einer Anlage, die mit so vielen, extrem unterschiedlichen Stoffen befeuert werde, die auf hochkomplexe Weise miteinander reagierten und bei der Verbrennung wieder neue chemische Verbindungen bildeten. Es sei extrem schwierig, einen solchen Prozess zu steuern. Für absolut unerlässlich hält er eine Nass-Stufe in der Filteranlage.

Die Schadstoffgrenzwerte, betonte Hoffmann, gelten nur für Normalbetrieb. Störfälle seien aber vorprogrammiert und würden vernachlässigt: "Da redet keiner drüber. Man muss aber auch die Nachteile einer solchen Anlage benennen, sonst ist das unredlich."

Er nannte als Beispiel die erst im Sommer 2008 in Betrieb gegangene Müllverbrennungsanlage im hessischen Korbach, die aufgrund von Bedien-, Installations- und Wartungsfehlern bereits mit einer ganzen Reihe ernsthafter Störfälle kämpfe. Die BI hatte ergänzend Infoblätter verteilt, die 23 Beispiele für Bunkerbrände in deutschen Anlagen seit 2006 enthielten.

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