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16. Oktober 2007 19:45 Uhr

Nahost-Konflikt hautnah

Bereits zum zweiten Mal besuchte die palästinensische Friedensaktivistin Prof. Dr. Sumaya Farhat-Naser auf Einladung des Eine-Welt-Arbeitskreises die Bad Wörishofener Erlösergemeinde. Kämpferisch, mutig und ihre Zuhörer begeisternd trat sie vor drei Jahren auf. Seitdem hat sich die Situation im Nahost-Konflikt tiefgreifend verändert, begingt durch den Wahlsieg der Terror- und Wohlfahrtsorganisation Hamas.

Haben Sie Schwierigkeiten, aus Israel auszureisen?

Farhat-Naser: Die Kunst ist es, die Grenze zu erreichen. Israel will uns das Leben schwer machen. Wir werden im Land schikaniert. Manchmal warte ich stundenlang an Grenzposten. Israel will, dass möglichst viele Palästinenser auswandern. Das kann als "humane Vertreibung" bezeichnet werden. Israel will sich nicht zurückziehen, es will Land für einen rein jüdischen Staat.

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Wie wollen Sie Frieden schaffen?

Farhat-Naser: Wer Frieden will, muss Frieden ermöglichen. Wir müssen die Israelis als Partner ansehen und uns in die Augen schauen. Verstehen ist möglich. Aber die Ideologie trennt uns. Die Menschen sollen sich gar nicht begegnen. Ich habe früher Vorträge in Israel gehalten. Wegen der Mauer komme ich nicht mehr nach Israel.

Sprechen Sie mit westlichen Politikern über Ihre Vorschläge für ein friedliches Zusammenleben in Israel?

Farhat-Naser: Ich habe zu den Bundespräsidenten Herzog und Rau sowie deren Frauen gute Kontakte gepflegt. Aber ich bin keine offizielle Person. Mir ist es wichtig, mit den Menschen in Europa zu sprechen. Außerdem gebe ich oft Radiointerviews wie zum Beispiel bei Deutschlandradio. Ich kann Tabuthemen ansprechen. Das können Diplomaten nicht.

Was sagen Sie Ihren palästinensischen Volksvertretern?

Farhat-Naser: Viele Politiker waren meine Studenten. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas habe ich zwei Mal gesprochen. Da ich keiner Partei angehöre, kann ich vermitteln. An Abbas appelliere ich, sofort damit aufzuhören, zu sagen, wir sprechen nicht mit Hamas. Beide Gruppierungen, Hamas und Fatah, haben Fehler gemacht. Beide müssen die Situation retten. Wenn wir uns nicht mit Hamas zusammensetzen, kommen noch radikalere Gruppierungen an die Macht.

Kann man mit Hamas Friedenspolitik machen?

Farhat-Naser: Ich bin mir sicher. Wir müssen auch bei Hamas das Gute suchen. Es geht darum, positiven Eigenschaften mehr Gewicht zu geben. Langsam verschwinden dann negative Eigenschaften. Man kann mit allen sprechen. Fanatiker sind meine Zielgruppe. Ich gehe beispielsweise zu Familienfeiern oder Beerdigungen und rede mit den Menschen über den gewaltfreien Widerstand.

Warum reisen Sie durch Deutschland, Österreich und die Schweiz?

Farhat-Naser: Ich will aufklären. Es ist ein Appell, dass man nicht schweigt angesichts des Unrechts. Der Friede bei uns hat Auswirkungen auf den Frieden in der Welt. Außerdem tut es mir gut, von unserer Situation zu reden. Meine Gedanken ermutigen Politiker, Journalisten oder auch Touristen, die nach Israel reisen.

Wie reagiert Israel auf Ihre Bücher?

Farhat-Naser: Ich wollte meine Bücher ins Hebräische übersetzen lassen. Leider findet sich kein hebräischsprachiger Verlag, der meine Bücher drucken würde.

Ihre Vision für Israel und Palästina?

Farhat-Naser: Ich würde mir ein Land wünschen, in dem Israelis und Palästinenser friedlich nebeneinander leben. Das wird in 500 Jahren kommen. Vorher müssen wir, Israelis und Palästinenser, unseren Nationalismus austoben. Deswegen brauchen wir zunächst zwei unabhängige Staaten.

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