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24. Januar 2008 18:20 Uhr

Öffentlicher Druck soll Lang Papier zum Umdenken bringen

Als gut informiert, unaufgeregt und im Wesentlichen sachlich zeigten sich die Initiatoren der Bürgerinitiative "Gesundes Wertachtal" beim Infoabend in Siebnach. Um mehr über das geplante Heizkraftwerk von Lang Papier und die dort vorgesehene Müllverbrennung zu erfahren, hatten sich interessierte und besorgte Bürger in so großer Zahl eingefunden, dass einige mit Stehplätzen vorlieb nehmen mussten. Von Eva-Maria Frieder

Die Initiative aus Siebnacher, Ettringer und Gennacher Bürgern ist innerhalb kürzester Zeit entstanden, scheinbar aus dem Nichts. Der hohe Informationsstand der Frontmänner Armin Weh, Richard Nicka und Martin Kleint erklärt sich daraus, dass alle drei bereits vor 20 Jahren gegen eine geplante kommunale Müllverbrennungsanlage in Ettringen mobil gemacht haben - damals mit Erfolg. Sie wissen also, wie man so etwas angeht.

Die jetzt geplante Anlage soll allerdings ein Vielfaches an Haus- und Gewerbemüll verbrennen und wäre, käme sie wie geplant zustande, laut Bürgerinitiative dann die zweitgrößte Müllverbrennung Bayerns.

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Zurzeit liegen die Planunterlagen für das Kraftwerk öffentlich aus. Die Auslegungsfrist endet am 12. Februar, Einsprüche können bis 25. Februar im Landratsamt oder bei den Gemeinden vorgebracht werden. Die Zeit für den Widerstand drängt also.

Gekommen waren auch Bürger aus Orten wie Langenneufnach, Hiltenfingen, Amberg, Lamerdingen oder Langerringen. Sie bekannten, dass sie sich von den Ereignissen überrollt fühlten, da sie bisher nichts von den Planungen gewusst hätten und in den meisten Fällen auch ihre Bürgermeister bisher ahnungslos gewesen seien. Von den Auswirkungen des Projekts seien jedoch auch ihre Dörfer betroffen.

Eugen Mayer aus Gennach stellte den Zuhörern das Projekt aus der Sicht der Bürgerinitiative dar. Demnach gelange trotz hoher gesetzlicher Auflagen und moderner Filteranlagen noch immer jede Menge an belastetem Staub in die Luft und auf den Boden. Unter anderem Dioxine, Chlorverbindungen, Schwefel- und Stickstoffoxide, Quecksilber und Kohlenmonoxid.

Diese könnten Allergien und Atemwegserkrankungen auslösen. Über das Gras, das die Kühe fressen, gelange es in die Milch, und es belaste Gemüse und Obst in den Hausgärten.

Der Haus- und Gewerbemüll, den das Kraftwerk benötigt, müsse von weither angekarrt werden. Das habe einen umweltschädlichen Mülltourismus zur Folge. Der Wert der Immobilien im Umkreis werde sinken.

Armin Weh ließ keinen Zweifel daran, dass das Landratsamt, sollten sich die Antragsteller an die gesetzlichen Vorgaben halten, das Projekt genehmigen müsse. Er hoffe aber auf einen Umdenkprozess bei der Geschäftsführung von Lang Papier, wenn kontinuierlicher Gegenwind aus der Bevölkerung komme und auch die politischen Vertreter sich der Sache annähmen.

Werkleiter Thomas Krauthauf wolle keine Konfrontation und scheine verhandlungsbereit. Allerdings wisse Weh nicht, inwieweit auch Krauthauf von den Weisungen der Konzernspitze des Myllykoski-Konzerns, zu dem Lang Papier gehört, abhängig sei.

Weh erklärte: "Wir wollen die Arbeitsplätze und die Entwicklungsmöglichkeiten von Lang Papier erhalten, aber wir sind gegen die Verbrennung von schadstoffhaltigem Müll. Warum muss Lang unbedingt ins Müllgeschäft einsteigen? Die Energieversorgung der Firma lässt sich auch anders sicher stellen."

Im Genehmigungsverfahren halte sich Lang Papier alle Wege offen, lasse sich eine riesige Bandbreite an Eventualitäten genehmigen: "Wir wollen aber konkret wissen, was auf uns zukommt."

Weh zeigte sich erfreut, dass die Gemeinde Ettringen die gleiche Linie vertrete und für ein Heizkraftwerk, aber gegen die Verbrennung von Müll sei. MdL Adi Sprinkart von den Grünen, der unter den Zuhörern war, lobte die konstruktive Position von Gemeinde und Bürgerinitiative und meinte, diese Art des Protests sei Erfolg versprechend.

Die Bürger wollen nun möglichst viele Einwendungen machen und Unterschriften sammeln. Es soll versucht werden, Politiker an einen runden Tisch zu bringen. Nächste Aktion ist die am Samstag um 10 Uhr geplante Demo vor der Fabrik.

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