Mindelheim (doro) - Das Kultusministerium hat beschlossen, dass der Islamunterricht ab dem kommenden Schuljahr an bayerischen Schulen auf Deutsch gehalten werden soll. Bislang fand dieser Modellversuch nur in München und Erlangen statt. Das Schulfach soll eine Alternative zum Ethikunterricht darstellen. Themen wie die fünf Säulen des Islams und religiöse Traditionen sollen auf dem Lehrplan stehen, aber auch die Werte der bundesdeutschen Verfassung. Die Rektoren aus der Region befürworten diese neue Regelung.
"Ich begrüße es sehr, dass der Unterricht in deutscher Sprache abgehalten werden soll. Allerdings müssen die Lehrkräfte auch dafür qualifiziert sein, sowohl fachlich als auch sprachlich", findet Bertram Hörtensteiner, der Rektor der Hauptschule Mindelheim. Derzeit finde an seiner Schule für die fünften und sechsten Klassen Islamunterricht in türkischer Sprache statt, das seien etwa 25 Schüler. Die Klassen sieben bis zehn besuchten momentan den Ethikunterricht. Bei ihnen stelle sich die Frage, ob sie das Angebot eines deutschsprachigen Islamunterrichts nützen würden. "Viele von ihnen sind eher westlich orientiert. Lohnen würde es sich aber, das wären noch mal ungefähr 30 bis 35 Schüler", so der Rektor.
Der Leiter der Mindelheimer Grundschule, Rudolf Ruf, sieht das Problem eher anderswo. "Es gibt nur sehr wenige Lehrkräfte, die überhaupt solch einen Unterricht erteilen dürfen. Sie müssen im Fach 'Islamischer Religionsunterricht' ausgebildet sein, und das sind hauptsächlich türkischsprachige Lehrer. Muslimische Lehrer mit sehr guten Deutschkenntnissen sind eher selten." Momentan bestehe an der Grundschule noch das Angebot eines islamischen Religionsunterrichts. Der Arbeitsvertrag des entsprechenden Lehrers laufe aber aus, weswegen dieser Unterricht im nächsten Jahr nicht mehr stattfinden könne.
Nicht überall gibt es Bedarf
Oft besteht auch einfach kein Bedarf an so einer Einrichtung. In Pfaffenhausen beispielsweise wären nur drei Schüler betroffen. "Generell finde ich die Regelung aber sehr sinnvoll. Ein gesetzlich festgelegter Lehrplan fördert einen kontrollierten Ablauf", sagt Helmut Pletzer, der Rektor der Volksschule Pfaffenhausen. Wie das Ganze umgesetzt werden soll, ist aber noch offen. Vom Schulamt oder vom Kultusministerium seien bis jetzt noch keine genaueren Informationen gekommen, so der Leiter der Hauptschule Babenhausen, Josef Pfeifer. "An unserer Schule würde es ungefähr zehn bis zwanzig Schüler betreffen, die momentan den Ethikunterricht besuchen."
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