Alle Franzosen tragen die Baskenmütze auf dem Kopf und das Baguette unter dem Arm. "Ich werde von den Schülern tatsächlich immer wieder gefragt, ob dieses Klischee stimmt", sagt Marie-Claire Viseux und lacht. Aber die 24-Jährige wird nicht müde zu erklären, dass es nicht so ist.

Von Lisa Welzhofer
Türkheim - Alle Franzosen tragen die Baskenmütze auf dem Kopf und das Baguette unter dem Arm. "Ich werde von den Schülern tatsächlich immer wieder gefragt, ob dieses Klischee stimmt", sagt Marie-Claire Viseux und lacht. Aber die 24-Jährige wird nicht müde zu erklären, dass es nicht so ist, dass ihr Heimatland viel mehr ist, vielseitig und spannend, modern, voller Kultur und Leben.
Die junge Französin ist eine von zwölf France-Mobil-Referentinnen in Deutschland. In einem "französischen Kulturinstitut auf Rädern" - natürlich ein Renault - tourt sie quer durch Bayern, besucht jährlich rund 100 Schulen. Das France Mobil (siehe Infokasten) ist eine Antwort auf die stagnierenden Schülerzahlen im Fach Französisch.
An diesem Tag steht Marie-Claire Viseux im Mehrzweckraum des Türkheimer Joseph-Bernhart-Gymnasiums. Jeweils eine Schulstunde lang hat sie Zeit, die Schüler verschiedener Klassen für ihre Sprache und ihr Land zu begeistern. Bei den Elftklässlern, die bereits drei oder fünf Jahre Französisch lernen, probiert sie es mit einem Quiz. "Wie viele Länder grenzen an Frankreich?" "Wo wohnt der französische Präsident?" "Wie heißen die Schlümpfe auf Französisch?" "Welcher literarische Held stammt aus Frankreich?" Die Fragen sind mal schwer, mal leicht und selbstredend immer auf Französisch gestellt. Die Schüler sind bei der Sache, die Zeit vergeht "en passant".
In diesem Fall muss Viseux niemanden mehr überzeugen, Französisch zu lernen. Bei den Älteren gehe es vielmehr darum, sie eventuell für einen Deutsch-Französisch-Studiengang oder ein späteres Auslandssemester zu motivieren. Und so gibt die Französin, die seit vier Jahren in Ingolstadt lebt, am Ende Tipps, wie man für ein Studium oder einen Job nach Frankreich kommen kann.
Der Hauptzweck der France-Mobil-Initiative ist allerdings ein anderer: "Wir wollen die Kinder motivieren, überhaupt Französisch als Fach zu wählen", sagt Viseux. So geht sie auch in Grundschulen oder in die unteren Klassen des Gymnasiums.
Dort versucht sie, die Kinder spielerisch, mit Sketchen oder auch mal kleinen Theater-Stücken, Zeichnungen und Musik an die Sprache heranzuführen. "Ich will zeigen, dass Französisch gar nicht so schwer zu lernen ist wie viele denken", sagt sie.
Dr. Doris Studeny, Fachbetreuerin für Französisch am JBG, freut sich über den Besuch des France Mobil. Sie beobachtet an ihrer Schule einen Rückgang der Schülerzahlen im Französischen. "Als zweite Fremdsprache wählen etwa 40 Prozent Französisch, von den Lateinschülern wählen es dann noch einmal etwa 40 Prozent als dritte Fremdsprache", erklärt Studeny. Eine Ursache sieht sie im G8. Denn mittlerweile müssen sich die Schüler bereits in der fünften Klasse für eine zweite Fremdsprache entscheiden. Mit Französisch sind sie am JBG dann sofort auf den naturwissenschaftlich-technologischen Zweig festgelegt. Viele wollten sich aber noch nicht so früh binden, meint Studeny. Die Lehrerin versucht ihren Schülern zu vermitteln, dass Französisch nicht nur im Urlaub hilfreich sein kann: "Gerade in technischen Berufen sind Leute mit Französischkenntnissen immer gesucht", weiß sie.
Mit seinen Zahlen liegt das JBG im bayernweiten Durchschnitt. Laut Kultusministerium lernten rund 37 Prozent aller Gymnasiasten im Schuljahr 2006/07 Französisch, in den Jahren zuvor waren es ähnliche Prozentsätze, weiter zurückliegende Zahlen sind nicht verfügbar. "Man kann durchaus sagen, dass Spanisch zunehmend eine Konkurrenz des Französischen wird ", sagt Ministeriumssprecher Günther Schuster. Auch Latein erlebe eine Wiedergeburt. Weitaus schlechter als um das Französische ist es allerdings um die deutsche Sprache in Frankreich bestellt. Dort lernten im Jahr 2000 rund 28 Prozent der französischen Schüler auf den höheren Schulen Deutsch. Deshalb tourt dort ein DeutschMobil durch die Lande und kämpft gegen ähnliche Vorurteile wie Marie-Claire Viseux hier: "Viele Franzosen denken natürlich, dass alle Deutschen Dirndl und Lederhosen tragen", verrät sie.
www.kultur-frankreich.de/francemobil
Wissenswertes über Frankreich:
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