Beim 26. Internationalen Schachfestival in Bad Wörishofen gab es einen kuriosen Betrugsversuch. Den Veranstaltern fiel ein älterer Herr auf, der häufig zur Toilette musste. Von Axel Schmidt

Bei den 26. Internationalen Schachmeisterschaften im Bad Wörishofener Kurhaus gab es am Samstag einen kuriosen Betrugsversuch.
Die Szenerie mutet filmreif an: Immer wieder steht ein älterer Herr von seiner Schachpartie auf, verlässt den Kursaal in Bad Wörishofen und verschwindet auf die Toilette. Irgendwann fällt diese Prozedur den Organisatoren des 26. Internationalen Schachfestivals auf. Sie folgen bei der nächsten vermeintlichen Pinkelpause dem Spieler auf die Toilette.
Und siehe da, der Verdacht, dass es sich um mehr als einen regelmäßigen Harndrang handelte, bestätigt sich: Der Seniorenspieler geht in eine Kabine, zieht sein Handy aus der Tasche und überprüft dank eines digitalen Schachprogramms die eben getätigten Spielzüge - in der Hoffnung, das Programm spuckt die Züge für den Sieg aus. Sein Pech: Er wird dabei von einem Verantwortlichen von der Nachbarkabine aus beobachtet.
Was dann geschah, schilderte Hauptschiedsrichter Christian Krause: "Als sich der Spieler wieder auf seinen Platz begeben hatte, bin ich zu ihm und habe ihn nach seinem Handy gefragt." Der ältere Spieler zog es aus der Tasche und übergab es Krause. Weil das Handy noch angeschaltet war, verstieß er ohnehin schon gegen ein ehernes Schachgesetz, das keine elektronischen Geräte an den Tischen erlaubt. "Die Partie war damit schon einmal verloren", sagte Krause. Als er das Mobiltelefon genauer unter die Lupe nehmen und das Schachprogramm inspizieren wollte, riss es ihm der Beschuldigte aus der Hand und rannte aus dem Kurhaus. Das Turnier war damit für den Spieler, dessen Name den Organisatoren bekannt ist, beendet. Ein weiteres Mal wird er wohl kaum in Bad Wörishofen antreten dürfen. "Der wird beim nächsten Turnier sicher nicht mehr zugelassen", sagte Turnierorganisator Jürgen Wempe.
Neu ist diese Masche nicht, doch kurioserweise wurde in Bad Wörishofen ein Spieler ertappt, der am Seniorenturnier und nicht in der offenen Klasse teilgenommen hatte. Denn nur da geht es um Preisgelder. "Es war wohl der überzogene Ehrgeiz, der diesen Herrn zum elektronischen Doping getrieben hat", vermutete Krause. Axel Schmidt
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