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28. Oktober 2009 18:30 Uhr

Sechs Jungs und ihr "Baby"

Was diese Jungs in den vergangenen zwei Jahren durchgemacht haben, erleben nicht sehr viele: ein Top-Ten-Album, das sich fast 100 000 Mal verkauft, zwei Echo-Nominierungen und Single-Erfolge wie "Revolution", "Vorbei" und "Neustart". Die sechs Musiker von "Panik!" (früher Nevada Tan) haben Fans in ganz Europa. Nach dem Streit mit ihren Produzenten versuchen es die Musiker nun mit einem selbst produzierten Album. Von Nicola Beckers

Sechs Jungs und ihr "Baby"
Foto: ALFA

Anfang 2008 habt ihr euch von Euren Produzenten und vom Bandnamen "Nevada Tan" getrennt. Warum?

Franky: Wir haben schnell gemerkt, dass das alles nicht so lief, wie wir es gerne gehabt hätten. Es wurde versucht, mit der Plattenfirma hinter unserem Rücken Absprachen zu treffen. Unser Anwalt sagte uns dann, dass die Verträge nicht haltbar und sogar sittenwidrig sind.

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Hattet ihr Bedenken, dass diese Entscheidung das Ende eurer Musikkarriere sein könnte?

Franky: Definitiv. Der Name "Nevada Tan" war eine Art Marke. Den einfach einzutauschen gegen einen Namen, den eigentlich niemand kennt, war für uns ein großes Problem. Wir hatten große Angst, diesen Schritt zu wagen. David: Es war definitiv ein schwerer Schritt, der uns allerdings erleichtert wurde durch das Angebot unserer Ex-Produzenten, die uns den Namen Nevada Tan für den "Spottpreis" von einer Million Euro verkaufen wollten.

Jetzt seid ihr unter eurem früheren Namen "Panik" auferstanden. Ihr habt euer neues Album selbst produziert - sozusagen euer "Baby". Wie fühlt sich das an?

David: Super. Seit 2008 haben wir viel Zeit damit verbracht, in verschiedenen Studios Sachen auszutesten, Songs zu schreiben, Produzenten zu suchen. Währenddessen sind wir draufgekommen, dass wir das gar nicht brauchen. Die Songs sind super entstanden und wir sind um einiges stolzer darauf als auf das erste Album. Es steckt noch mehr eigene Arbeit und mehr Herzblut in dem Album und wir sind sehr gespannt, wie es die Leute annehmen.

Ihr habt bei dieser Platte nicht nur wie bisher Rap und lauten Rock durch den Soundwolf gedreht, sondern man hört auch völlig neue Töne: Trompeten, Geigen, Klavier, viel mehr instrumentale Klänge. Wollt ihr euch bewusst vom "Nevada Tan"-Sound entfernen?

Linke: Wir haben uns mit diesem Album ein bisschen weiter herausgewagt. Wir verbinden elektronische und klassische Musik. Das hat nichts damit zu tun, dass wir uns vom bisherigen Sound abwenden. Wir haben uns einfach weiter entwickelt.

Ihr wurdet oft als "die deutschen Linkin Park" bezeichnet, jetzt werdet ihr von Mike Shinoda, dem Frontman von Linkin Park, sogar unterstützt, wurdet in seinem Blog sogar auf Platz eins seiner Künstler-Rangliste gewählt. Gibt es gemeinsame Pläne?

Franky/David: Gemeinsame Pläne gibt's leider nicht, aber das wäre schön. Wir werden natürlich lieber mit Linkin Park verglichen als mit irgendeiner 0-8-15-Band.

Ihr habt selbst sehr schlechte Erfahrungen machen müssen: Was würdet ihr jungen Musikern und Bands mit auf ihren Weg geben? Worauf sollten sie achten im Musikgeschäft?

Franky: Es kommen fast täglich Bands auf uns zu und wir haben oft ein ungutes Gefühl, wenn wir Parallelen erkennen. Man sollte schon vorsichtig sein, wenn jeder dritte Satz lautet: "Macht euch keine Sorgen, ich kümmere mich um alles." Junge Bands sollten sich Unterstützung holen. Die Schooljam ist eine gute Adresse, an die man sich wenden kann, aber auch die Musikschule oder erfahrene Musiker im Ort. Juri/Linke: Es kann auch nicht schaden, einen Anwalt zurate zu ziehen. Hätten wir uns damals einen Anwalt leisten können, würden wir zwar heute vielleicht nicht hier sitzen, es wären aber auch viele schlimme Dinge nicht passiert. David: Ich würde darauf achten, so unabhängig wie möglich zu bleiben. Wenn man wirklich gut ist, haben die Plattenfirmen auch Interesse. Versucht, so weit wie möglich auf eigenen Beinen zu stehen und euch die Finger wund zu zocken - dann kommt der Erfolg automatisch.

Könntet ihr euch vorstellen, Nachwuchsbands zu fördern und sie zum Beispiel als Support vor euren Konzerten spielen zu lassen?

Franky: Wir fördern die Jugend ganz extrem: Letztes Jahr waren wir bei "Dein Song" - dem Kika-Song-Contest für Kinder, als Band dabei, dieses Jahr ist David sogar im Produzententeam und ich sitze in der Jury. Damit unterstützen wir die ganz Kleinen und die Großen mit der Schooljam-Aktion. Bei unserer Tour im Dezember werden wir Nachwuchsbands dabei haben - in Zusammenarbeit mit der Schooljam.

Euer Album ist auf dem Markt und eine kleine Tour gibt es im Dezember. Welche Wünsche und Pläne habt ihr für die Zukunft?

David: Wir wollen möglichst engen Kontakt mit unseren Fans haben, ihnen die Musik nahebringen und Konzerte spielen. Die Hauptsache ist aber, dass wir zufrieden und glücklich sind, alles andere kommt danach.

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