Freitag, 20. Oktober 2017

04. März 2008 19:20 Uhr

Sie entwirft alles, was Frauen anzieht

Es gehört schon eine gehörige Portion Mut dazu, in wirtschaftlich nicht gerade rosigen Zeiten mitten in der Provinz ein Modeatelier zu eröffnen. Patricia Honold hat diesen mutigen Schritt gewagt und ihn keine Sekunde bereut. Vor einem Jahr trat die 33-jährige Designerin aus dem Schatten ihrer in Insiderkreisen gut bekannten Mutter heraus und gründete in Schlingen bei Bad Wörishofen, nur einen Katzensprung vom elterlichen Betrieb entfernt, einen eigenen Laden. Von Franz Issing

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Nicht mehr im Schneidersitz, aber nach traditioneller Handwerksart mit Nähmaschine, Nadel und Faden kreiert sie dort Mode nach Maß, die elegant ist und der Figur ihrer anspruchsvollen Kunden schmeichelt. Einziges Zugeständnis an das Roboter-Zeitalter ist eine vollautomatische Knopflochmaschine. Auch Perlenstickereien, Spitzenbesatz und Applikationen an edlen Stoffen tragen die Handschrift der jungen Schneiderin. Patricia Honold pflegt ihren eigenen Stil. Sie hält wenig von steifer, unbequemer Fashion, mag es lieber pfiffig. Mode aus Schlingen ist kaum Couture, eher lässig und vor allem tragbar. Bei Festlichkeiten ebenso wie im grauen beruflichen Alltag. "Ich arbeite nicht gerne für die Kleiderschränke meiner Kunden, genieße es, freie Hand zu haben und mein eigener Chef zu sein", verrät sie.

Mit viel Liebe zum Detail - Honold hält nichts von Abkupfern bei berühmten Kollegen - entwirft sie vom Cocktailkleid über Blazer, Jeans, Hosen, Shorts und Blusen bis zu Brautmoden alles, was Frauen anziehend macht. Neuerdings werden auch Herren "angemessen" bedient. Und wer aktuelle Mode von der Stange bevorzugt - kein Problem. Um Trends aufzuspüren - im Frühjahr und Sommer 2008 dominieren Schockfarben, auch Pool-Blau und vor allem Gelb in allen Variationen - schaut Patricia Honold schon mal ins Internet oder blättert in Zeitschriften und Kollektionen bekannter Designer. Doch ihr Stöbern in fremden Revieren dient lediglich der Orientierung im oft undurchsichtigen Modedschungel.

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Die junge Schneiderin aus dem Unterallgäu hat ihn drauf, den neuen Business-Chic. Hut ab, was da kürzlich bei einer Trendshow in Schlingen über den Laufsteg ging. Für ihre Kreationen hat die Nobelschneiderin schon zahlreiche Preise kassiert. Beim Bundeskongress der Maßschneider hat sie Gold und Silber abgeräumt und beim Designer-Cup in Frankfurt unter 500 Bewerbern den dritten Platz belegt. Erfolge auf Schritt und Tritt. Auch beim Weltkongress 2007 des Schneiderhandwerks in Taiwan konnte Honold mit "zart und smart" punkten. Glänzende Auftritte kommen bei ihr nicht von ungefähr. Ihre beruflichen Erfolge hat sie mit Sicherheit dem Besuch der Münchner Modeschule und ihrer Arbeit in den Maßateliers von Willi Bogner und Rena Lange und nicht zuletzt Praktika im ABST-Institut der Schnitt-Direktrice Annegret Brinkmann-Stiehler zu verdanken. "Dort habe ich ganz tolle Tricks und auch Know-how gelernt."

"Das Maßschneiderhandwerk ist kein Wachstumsmarkt", beschreibt Gottfried Voigt, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mindelheim-Memmingen, die wirtschaftliche Situation der Branche. Voigt spricht von einem Nischenhandwerk mit guter Existenzgrundlage für Könner. "Weil es immer wieder Leute gibt, die sich modisch von der Masse abheben wollen und sich dies auch was kosten lassen."

Noch hängt die Zukunft der Branche nicht am seidenen Faden. Aber an guten Lehrstellen herrscht Mangel. Sie sind rar. Viele Betriebe - "Trittbrettfahrer" wie Änderungsschneider nicht mitgerechnet - geben auf und bilden nicht mehr aus, weil kein Nachfolger in Sicht ist. Patricia Honold fällt hier positiv aus der Reihe. Sie hat bereits drei Lehrlinge ausgebildet - mit großem Erfolg. Alle gehörten im Unterallgäu zu den besten Absolventen bei der Gesellenprüfung. Und auch jetzt hat Patricia Honold wieder einen Lehrling. Anna Faßnacht kann sich schon im zweiten Lehrjahr voll entfalten und lobt ihre junge Chefin über den grünen Klee. "Es macht einfach Spaß, mit ihr zu arbeiten, ihre Masche zieht." Faßnacht lernt ihren Beruf von der Pike auf. Auch sie will sich einmal selbstständig machen in einem Handwerk, das derzeit für Otto Normalverbraucher ein verwaschenes Bild abgibt. "Jeder, der sich berufen fühlt, Mode zu machen, darf sich in der Branche tummeln", schimpft Landesinnungsmeisterin Uschi Rothaug aus Nördlingen und schiebt die Schuld dafür auf die Liberalisierung der Handwerksordnung, die in vielen Gewerken die Meisterprüfung nicht mehr vorschreibt. Ihren Kollegen und auch Patricia Honold macht die oberste bayerische Schneiderin mit einem Seitenhieb auf die "maßlüsterne" Bekleidungsindustrie Mut für die Zukunft: "Nicht alles, was 'angemessen' wird, entspricht auch dem Wohlfühlgefühl des Einzelnen."

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