Siebnach Es war eine Versammlung der Rekorde: Erst 40 Minuten vor Mitternacht schloss Bürgermeister Robert Sturm die Bürgerversammlung in Siebnach. 810 Siebnacher Bürger hatten sich in die Anwesenheitsliste eingetragen.


Grund für das ungewöhnlich große Interesse war jenes Thema, das seit Monaten die Gemüter bewegt: das geplante Heizkraftwerk von Lang Papier und das damit zusammenhängende, bevorstehende Bürgerbegehren.
Statt, wie sonst üblich, den Abend mit einem Vortrag über aktuelle gemeindliche Belange zu beginnen, überließ Sturm das erste Wort Heike Weiß, Sprecherin der "Aktiven Unterstützer des Bürgerbegehrens".
Weiß äußerte ihr Bedauern darüber, dass die Gemeinde die Anregung ihrer Aktionsgruppe, einen Bebauungsplan für das Areal des geplanten Kraftwerks zu erstellen, nicht gleich aufgegriffen habe. Weil dies nun im Rahmen eines Bürgerbegehrens entschieden werde, seien massive Verzögerungen die Folge.
Weiß begründete nochmals, warum ihre Seite einen Bebauungsplan für unerlässlich hält. Sturm stellte im Anschluss die Sicht der Gemeinde dar, die unter keinen Umständen einen solchen wünscht. (Die MZ berichtete.) Beide versuchten, die Argumente der Gegenseite zu entkräften.
Sturm hatte in den gemeindlichen Archiven geforscht und herausgefunden, dass 1986, nach dem Konkurs der Firma Lang, der Rat bereits einmal die Festsetzung des Firmenareals als Industriegebiet beschlossen hatte. Nach massiven Bürgerprotesten wurde dieser Beschluss wieder aufgehoben; die Bürger befürchteten, ein Industriegebiet könnte die Errichtung einer Müllverbrennungsanlage begünstigen.
Rederecht erhielten anschließend - von der Versammlung einstimmig so beschlossen - die Gutachter des von der Gemeinde beauftragten bifa-Umweltinstituts, Markus Hertel und Hermann Nordsieck. Die Glaubwürdigkeit des Instituts war von BI-Mitgliedern mehrfach in Frage gestellt worden.
Ausführlicher als vorgesehen stellten sie ihr Unternehmen vor und zeigten dessen Unabhängigkeit auf. Nordsieck ging nochmals auf den Inhalt des Gutachtens ein und erklärte, warum aus dem Zusammenhang gerissene Zitate ein falsches Bild vermittelten.
Die folgende, ruhig geführte Diskussion beschränkte sich streckenweise auf einen Dialog zwischen Nordsieck und Sprechern der BI. Nicht zu überhören war aber auch, dass sich die nicht organisierten Siebnacher Bürger Sorgen machen. Es gab Fragen aus der Versammlung, die ernste Befürchtungen offenbarten, die geplante Anlage könnte Gesundheits- und Umweltschädigungen zur Folge haben.
In seinen Antworten holte der Wissenschaftler jeweils weit aus und ging intensiv ins Detail. Er drückte sich überaus vorsichtig aus und hütete sich vor Beschwichtigungen. Ob es ihm gelang, vorhandene Ängste zu zerstreuen, blieb unklar.
Eine Bürgerin warf Sturm vor, er habe sich seit seinem mit vielen Hoffnungen verbundenen Amtsantritt niemals für die Umweltschäden interessiert, die das alte Schwerölkraftwerk verursache.
Ein Bürger stellte fest, er sei vom Gemeinderat enttäuscht, weil dieser die Sache auf die leichte Schulter nehme. Sein Vertrauen sei geschwunden. Dagegen verwahrte sich Sturm "aufs Schärfste". Der Rat habe immer fleißig und gründlich gearbeitet, um seiner Verantwortung gegenüber der Bürgerschaft gerecht zu werden.
Einige wenige Fragen gab es dann noch zu Themen wie Straßenbau, Grüngutkompostierung und die Aufstellung von Ruhebänken.
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