Freitag, 28. Juli 2017

11. Juli 2017 09:00 Uhr

Vortrag

„Solidarität ist keine Einbahnstraße“

Beim Besuch des Abgeordneten Markus Ferber bekommen die Elftklässler des Maristenkollegs einen Crashkurs zum Thema Europa. Doch was sind wir denn nun: Unterallgäuer, Bayern, Deutsche oder Europäer?

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Markus Ferber war zu Gast im Mindel–heimer Maristenkolleg.
Foto: Reitlinger

Als er im Jahre 1984 sein Abiturzeugnis in Händen hielt, dachte er, die Welt stünde ihm offen. „Tatsächlich traf das zunächst nur auf Bayern und den Rest von Deutschland zu“, sagt der EU-Parlamentarier Markus Ferber zu den Schülerinnen und Schülern der elften Jahrgangsstufe am Mindelheimer Maristenkolleg. Heute ist das anders. Das deutsche Abitur ist in Europa anerkannt und eröffnet jungen Menschen weit mehr Türen als noch vor 30 Jahren. Laut Ferber findet sich darin einer der vielen Vorteile, den die Europäische Union mit sich bringt.

Um den Abschlussjahrgang des kommenden Schuljahres mit seiner Begeisterung für den europäischen Gedanken anzustecken, ist der gebürtige Augsburger der Einladung der stellvertretenden Schulleiterin Brigitte Luther und dem Fachbetreuer für Geschichte Peter Sobczyk gefolgt und nach Mindelheim gekommen. In seinem eineinhalbstündigen Vortrag umriss er das geschichtliche Fundament, auf dem die EU aufgebaut ist. Aus einem Bündnis, das ursprünglich den fragilen Frieden auf dem Kontinent sichern und die deutsch-französische Feindschaft beenden sollte, sei inzwischen viel mehr geworden: „Wir verabschieden europäische Gesetze, treffen Entscheidungen und pflegen einen Binnenmarkt, der durch eine gemeinsame Währung gekrönt wird“, sagt Ferber.

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Grundsätzlich dürfe man die Europäische Union als Schicksalsgemeinschaft bezeichnen, die auf gemeinsamen Werten basiert. Daher könne laut Ferber die Türkei derzeit nicht in das Bündnis aufgenommen werden. „Verstöße wie die Verletzung von Menschenrechten und der Pressefreiheit sind mit unserem Recht unvereinbar“, erläutert Ferber. So sei auch der Walfang, wie er in Island betrieben wird, momentan das Hauptargument gegen eine Aufnahme des Landes. Ebenso alternativlos sei die finanzielle Rettung Griechenlands gewesen, wie Ferber auf Nachfrage eines Schülers betont. Denn: „Solidarität ist keine Einbahnstraße, die Partner müssen füreinander da sein.“ In wirtschaftlicher Sicht hätte der Rauswurf Griechenlands laut Ferber eine Kettenreaktion verursacht, die die verbleibenden Mitgliedsstaaten in noch größere Bedrängnis gebracht hätte.

Auf die Frage einer Schülerin, ob er auch Nachteile an der EU sehe, verneint Ferber. „Hin und wieder gehen manche Dinge etwas mühsam voran, doch ich bin und bleibe ein begeisterter Europäer.“ Das schließe jedoch nicht aus, dass er sich auch als Deutscher und als Bayer fühlt. Das hänge von der Situation ab. „Bei der Fußball-WM bin ich natürlich Deutscher, genauso wie ich mich mit meiner bayerischen Heimat und meiner Heimatstadt Augsburg verbunden fühle.“ Im übergeordneten Sinne könne man sich aber durchaus mit Europa identifizieren, denn: „Wir alle sind Europa“, sagte Markus Ferber den Schülern im Maristenkolleg.

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Ein Artikel von
Jens Reitlinger

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontär


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