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13. Mai 2008 18:10 Uhr

Sonnenkollektoren für die Ohren

Zu Beginn erzählte Reiner Panitz einen Witz, der schon einen ziemlich langen Bart trägt: "Weißt Du eigentlich, wie klein so ein Atom ist?", fragt einer den anderen, "sooo klein. Und dann spalten sie es noch. Und davor hast Du Angst?!" Von Lisa Welzhofer

Doch wer nun befürchtet hat, die beiden musikalischen Brüder seien witzetechnisch noch auf dem gleichen Stand wie zu Beginn ihrer Karriere - zur Hochzeit der Anti-Atomkraft-Bewegung -, der irrte, glücklicherweise. Denn Reiner und Dietmar Panitz, die seit bald 30 Jahren nicht nur die bayerische Kleinkunstszene beleben, griffen bei ihrem Auftritt im vollbesetzten Türkheimer Rosenbräu ein aktuelles Thema nach dem anderen auf - obwohl sie feststellten, dass ihr Publikum mit ihnen gealtert sei.

Das heißt, eigentlich waren sie damit schon direkt beim Thema der alternden Gesellschaft. In Gedichten und Liedern besingen die Mehlprimeln "Senioren, Senioren" in "kochschinkenfarbenen Radlerhosen", die der Jugend davonfahren und ihr dabei gleichzeitig nachhecheln. In ihrer Zukunfts-Vision kommt aus jedem siebten kein Kinder-Spielzeug, sondern eine Viagra-Pille und die "Senioren, Senioren" haben "der Würde gemeinsam abgeschworen".

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Die beiden virtuosen Musiker, die unter anderem Harfe, Hackbrett, Kindertröte und Gitarre spielen, sind keine beißend-politischen Kabarettisten, sondern eher zurückhaltende Beobachter des Alltäglichen, die sich von einem Sandsack zu einer Huldigung desselben inspirieren lassen, oder als Ghostwriter die letzten Tage einer nordrhein-westfälischen Familie im Stau Richtung Süden schildern. Dem Problem der steigenden Energiepreise setzen die Mehlprimeln die Idee der Selbst-Strom-Versorgung entgegen mit "Sonnekollektoren an den Ohren" und der "Biogasanlage in isolierter Unterwäsche". Dabei geht die Satire durchaus mal eine Liaison mit der Philosophie ein und der Dichter trifft bei der Frühlingsbetrachtung auf den Kleinbürger.

Woher die Schwaben aus Kaisheim (Kreis Donau-Ries) all diese Inspirationen nehmen? "Auf dem Lande kommt man auf gute Gedanken, man kann dort eine ruhige Weltkugel schieben", erklärt Reiner Panitz, aus dessen Feder viele der satirisch-köstlichen Texte stammen, dem Publikum. Da hätte man dann schon gerne noch den ein oder anderen "guten Gedanken" zur aktuellen Diskussion um das in Ettringen geplante Heizkraftwerk gehört - immerhin spielten die Brüder auf Einladung der Bürgerinitiativen und zugunsten deren Vereins "Gesundes Wertachtal". Aber darauf gingen die beiden leider nicht ein.

Dafür hatten sie zum Rauchverbot umso mehr zu sagen und hier wurde Reiner Panitz entgegen seiner sonstigen Kabarettisten-Art dann auch mal anklagend. Er geiselt die Intoleranz und Reglementierungswut der "Nicht-Raucher-Irren" und "Kinderkrippen-Einrichter", die auf ihren Gesetzes-Erfolg und das einsetzende Einraum-Gaststätten-Sterben einen Buttermilch-Cocktail schlürfen. Da fühlte sich mancher im Publikum vielleicht auf den Schlips getreten, übelnehmen kann man den Mehlprimeln, die auch mit reinen Instrumentalstücken der Volksmusik (nicht volkstümlicher Musik!) überzeugen, allerdings ohnehin nichts. Nicht einmal den uralten Atom-Witz, zumal auch dieses Thema ja immer noch ein aktuelles ist.

www.mehlprimeln.de

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