Mindelheim/Ettringen "Auch wieder da," lautete der Kommentar eines "Dauerbesuchers" zum Erörterungstermin - die Fünfte am gestrigen Freitag. Die Reihen sind mittlerweile gelichtet. Selbst die beiden "Kontrahenten", die Vertreter der Papierfabrik Lang (Ettringen), die ein Heizkraftwerk errichten will sowie die Vertreter der Bürgerinitiative "Gesundes Wertachtal", die das verhindern wollen, zeigen "Auflösungserscheinungen". Dessen ungeachtet geht es "zur Sache". Und da stand gestern die "Anlagentechnik" auf der Tagesordnung.
Verhandlungsleiterin Doris Back hatte zunächst einen weiteren Befangenheitsantrag zu "überstehen" bevor Lang-Werkleiter Dr. Thomas Krauthauf als Ausfluss auf die Erörterung vom Donnerstag eine weitere Selbstverpflichtung seines Unternehmens vorlegte: Um das Verfahren zu beschleunigen, machte er das Angebot, neben den Stickoxiden auch den Grenzwert für die Gesamtstäube im Jahresmittel zu halbieren, also von zehn auf fünf Milligramm pro Kubikmeter. Krauthauf: "Schließlich ist Hauptziel unserer Anlage, die Kosten für Strom und Dampf zu begrenzen. Und wir haben verstanden: Die Bürger wollen, dass es unsere Firma weiter gibt sowie die Arbeitsplätze in Ettringen. Und wir wollen der Mehrheit der Bevölkerung mehr Sicherheit geben. Deshalb wollen wir besser sein, als es das Gesetz vorschreibt."
Dieser "große Schritt" in Augen Krauthaufs ist für Vertreter der BI und Einwender aus Ettringen allerdings so groß nicht. Denn bereits zuvor war angedeutet worden, dass Lang mit der Anlage wohl gar einen Grenzwert von einem Milligramm einhalten könne, eine Halbierung auf fünf Milligramm sei also kein Zugeständnis.
Eine Ettringer Bürgerin meinte: "Niemand unterstellt der Firma, dass sie keine Sicherheit geben will. Nur muss sie das lückenlos beweisen können. Und das kann sie nicht. Das irritiert und erzeugt ein Gefühl der Unsicherheit und des Unvermögens." Lang-Rechtsanwalt Wolf-Friedrich Spieth darauf: "Wir hoffen, dass wir auf diesem Weg weiterkommen."
Umweltingenieur Peter Gebhardt schränkte für die BI ein, dass nicht unbedingt der Staub selbst sondern die Staubinhaltsstoffe, vor allem die Schwermetalle, das Problem darstellen. Deshalb nütze die Halbierung nichts: "An der Belastung ändert sich nichts, und deshalb auch nichts in puncto Sicherheit." Er forderte eine mehrstufige Reinigungsanlage mit einem zusätzlichen Wäscher: "Nur das wäre eine massive Änderung und ein erhebliches Mehr an Sicherheit für die Menschen. Alles andere ist Augenwischerei und wird an der tatsächlichen Situation nichts ändern." Gebhardt kritisierte ebenfalls, dass ein Geruchsgutachten verwehrt werde: "Das ist kein Beitrag zum Vertrauen."
Ist das die beste Anlage?
Ein Einwender wollte wissen, ob auch die beste Anlage gebaut werde - "mindestens so gut wie in Augsburg". Antwort von Krauthauf: "Für den Standort ist es die beste Anlage, die es gibt."
Und auch die Emotionen bleiben: Der Einwender kritisierte, dass er bereits zweimal von Lang-Mitarbeitern im Rahmen der Erörterung "angegriffen" worden sei und forderte Krauthauf auf, weitere Aggressionen seiner Mitarbeiter zu unterbinden: "Hören Sie auf, Angst zu schüren mit den Arbeitsplätzen. Der Bürgerentscheid ist ein demokratisches Grundrecht. In Ettringen bestimmen die Bürger und nicht die Firma Lang!" Von Aggressionen sei ihm nichts bekannt, meinte Krauthof. Sollte es dennoch welche geben, bitte er seine Mitarbeiter, diese zu unterlassen.
Schließlich ging es auch um die Höhe des Schornsteines von 75 Metern. Lang-Vertreter sehen darin die Gewährleistung der freien Abströme. Kritiker dagegen, wie Wilhelm März, Zeichen eines Immissionsproblems: "Er ist so hoch, damit der Dreck auch bis nach Bad Wörishofen kommt. Die Firma Lang hat ein Problem mit Stäuben."
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