Bad Wörishofen Vera Kloeter, Ingrid Theimer, Regine Glöckner, Ursula Kutter und Marie-Luise Ludl waren "Virus". Doch der wirkte nur auf Leute ansteckend, die gerne über sich und andere lachen, wie bei der ersten "Frühjahrskur mit Josefibock" im Saal des Gasthauses "Rössle". Dort zündete das kulturell engagierte Damen-Quintett, unterstützt von dem "Harthentaler Urgestein" Willi Schüll ein Feuerwerk der guten Laune. Lustige Sketche, Musik, Gesang und freche Texte wechselten in bunter Folge. Den Besuchern wurde schnell klar "Ganz ohne Weiber geht so eine "Josefs-Chose" nicht. Und weil der Heilige Josef gerade Namenstag hatte, ließ man alle Jupp's, Joe's, Seppl und Beppis wie auch zweiten Bürgermeister Josef Fischer hochleben.
Andächtig lauschte das Publikum einer modernen Josefsgeschichte, bei der die Heilige Familie hohe bürokratische Hürden nehmen musste. Tränen lachten die Leute über den Sketch "Der Heftling" von Heinz Erhardt. Wenn der dunkle Gerstensaft aus dem Zapfhahn läuft, wird nicht nur gekostet, sondern meist auch viel gelästert. Wird das lokale Geschehen auf die Schippe genommen, fallen schon mal starke Worte. Spielverderber haben da keine guten Karten. Regine Glöckner hatte sie recht bunt gemischt, als sie Bad Wörishofen den Spiegel vorhielt.
Kochen und pflegen im Kräuterbad
Im Rollator - "solche Renner kann man nur im Sanitätshaus kaufen" - sah sie das Fortbewegungsmittel der Zukunft. Nach einem Blick in das neue Buch der Kneippbotschafterin Michaela Mertens, kann Glöckner es kaum erwarten, deren Geheimtipp auszuprobieren: "Kochen und sich pflegen in einem Kräuterbad". Gerne hätte die Fastenpredigerin auch politisch engagierte Damen im Heilbad derbleckt. "Doch ich habe keine gefunden, die es wert gewesen waren, auf die Schippe genommen zu werden" höhnte sie und bemerkte hintergründig: "Fünf Frauen im Stadtrat, da fragt man sich scho, ob a'Quote nit recht gut tat". Den Wasserdoktor nahm Glöckner vor falschen Propheten und Wunderheilern in Schutz. "Den Heiligen Sebastian haben sie durchbohrt, die Lehre von Pfarrer Kneipp durchlöchert", frotzelte sie.
Hätten Sie es gewusst? Gerstensaft steigert die Liebeslust. Dies wurde bei einem Ausflug in die Welt des Bieres deutlich. Bei dieser Exkursion lernte das Publikum: In Tschechien und Polen gibt es "flüssiges Brot" auf Rezept und in Mexiko kann man Bier in der Apotheke kaufen. Weiter ging es Schlag auf Schlag. Während im Untergeschoss des "Rössle" die "Blechspatzen" die Gäste aufmischten, ließen ein Stockwerk höher fünf "Bierengel" sie an duftenden Kräutern schnuppern. Einen Duft von Kultur versprühte schließlich die Memminger Schauspielerin Anke Siefken mit Gedichten von Eugen Roth und die Bäuerin Petra Kutter aus Probstried empfahl ihre selbst gemachten Maultäschle als "geniale Fastenspeis".
Gesundheit und l' amour in der Kneippstadt
Erfrischend dann die Spitzen von Regine Glöckner zu "Theaterkur und Kurtheater". Zur Neueröffnung empfahl sie das Stück "Theater (auf) Probe mit dem Untertitel "Viel Lärm um nichts". Hintersinnig ihre Vorschläge für das übrige Programm. Mittwochs - wenn die Metzger zu haben - spielt Pfundtners Bühne "Kneippen bis die Schwarte kracht und in den Kurhotels wird passend zur Wiedereinführung des spanischen Mantels das Stück gespielt: "Ein Bulle sieht rot". Alles in allem, ein vergnüglicher Abend, bei dem elegant gekleidete Damen sich im Weltbad aufhielten und des Wasserdoktors Lehre Wirkung zeigte. Wie hieß es doch in dem Lied "Oh Boulevard Kneipp"? "Nach der Kur verspürt man Gesundheit aber auch l' amour".
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