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08. Dezember 2011 06:00 Uhr

Gedankenaustausch

Unterallgäuer Themen sollen in Brüssel Gehör finden

Europa-Abgeordnete Barbara Lochbihler unterhielt sich im Landratsamt über zahlreiche Themen

Mindelheim Die Atmosphäre war locker, das Gespräch offen: Die aus Ronsberg (Ostallgäu) stammende Europa Abgeordnete Barbara Lochbihler (Grüne) hat sich im Landratsamt mit Landrat Hans-Joachim Weirather, der Gleichstellungsbeauftragten Ulrike Klotz, Michael Stoiber und Erwin Marschall von der Unterallgäu Aktiv GmbH sowie Kreisheimatpfleger Peter Kern zum Gedankenaustausch getroffen. Vermittelt hatte den Besuch Lochbihlers Parteikollegin, Kreisrätin Doris Kienle. Die Themen im Überblick:

Gleichstellung: Lochbihler erkundigte sich nach der Zahl der Frauen in der Kommunalpolitik und empfahl der Gleichstellungsbeauftragten Ulrike Klotz die Progress-Förderinitiative. Sie soll zusätzlich zum europäischen Sozialfonds dazu beitragen, dass Frauen für gleiche Arbeit auch das gleiche Gehalt bekommen wir ihre männlichen Kollegen. Daneben warb die Vorsitzende des europäischen Menschenrechtsausschusses darum, bei Ausländerfragen die menschlichen Spielräume in der Gesetzgebung zu nutzen. Es gelte zu schützen und zu stützen.

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Leader+: Lochbihler glaubt, dass die Leute vor Ort das Förderprogramm „Leader+“ am meisten mit Europa verbinden. Um sich auf das Gespräch vorzubereiten, hatte sie sich an die entsprechenden Fachstellen gewandt. Dort hatte sie, wie sie mit einem Schmunzeln erzählte, unter anderem die Auskunft bekommen: „Soweit ersichtlich sind die Unterallgäuer sehr aktiv in der Beantragung von Fördermitteln.“

Eine Einschätzung, die der Geschäftsführer der Unterallgäu Aktiv GmbH, Michael Stoiber, bestätigte. Demnach seien rund 3,6 Millionen Euro über Leader+ ins Unterallgäu geflossen. Wichtiger als diese Summe seien aber freilich die Projekte, die dahinterstehen. Als Beispiele nannte er die Naturtherme Bedernau, den Verein ProNah sowie die Freiwilligenagentur Schaffenslust.

Landrat Hans-Joachim Weirather betonte die Nachhaltigkeit der Projekte: Schaffenslust etwa sei mit der Förderung auf die Füße gekommen und laufe nun, unterstützt vom Landkreis und der Stadt Memmingen, erfolgreich weiter. Gleichzeitig warnte er davor, die Förderung mit Anträgen und Kontrollen zu überfrachten, die viele Ehrenamtliche abschreckten. Denn: „Leader steht und fällt mit dem ehrenamtlichen Engagement.“

Dorferneuerung/regionale Dorfentwicklung: Als Thema, „das uns die nächsten Jahrzehnte im ganzen ländlichen Raum begleiten wird“, bezeichnete Weirather die Dorferneuerung. Der Wettbewerb mit den Ballungsräumen gehe mit einem Strukturwandel einher, der sich nicht zuletzt darin äußere, dass sich die Landwirtschaft zunehmend aus den Dörfern verabschiede. Es stelle sich die Frage, was mit den leerstehenden Höfen geschehen könnte, wenn der Dorfkern nicht zusehends entvölkert werden soll.

Kreisheimatpfleger Peter Kern sprach in diesem Zusammenhang von einem „Kultur- und Kunstdefizit“ auf dem Land. Dieses liefere nur noch die Ressourcen für die Stadt – Lebensmittel, Erholungsräume oder Energie –, Kultur sei dort aber nicht erlebbar. Wenngleich die Museen in Mindelheim sehr gut seien, entsprächen sie doch nicht dem, „was ein 21-Jährigers für seine Entwicklung braucht“. Es reiche demzufolge nicht aus, im Zuge von Dorferneuerungen schöne Straßen und Plätze zu gestalten. Stattdessen müsse mehr in die kulturelle und intellektuelle Entwicklung investiert werden. „Wir müssen nicht schneller nach München kommen“, so Kern, „sondern lieber hier sein.“ Es gelte, die Identitätskraft auf das Land zurückzubringen.

Lochbihler versprach, das Thema im Ausschuss für Kulturpolitik einzubringen: „Leben im ländlichen Raum ist nicht nur Agrarsubvention“, sagte sie.

Energiewende: Ebenfalls zu ihren Kollegen mitnehmen will die Europa-Parlamentarierin das Thema „Biogasanlagen“. Deren Verbreitung würde Lochbihler gerne politisch eingrenzen. Auch Weirather glaubt, dass „lenkende Instrumente“ dringend gebraucht würden. Auf einem Viertel der 1200 Quadratkilometer des Landkreises wachse Wald, auf einem achtel mittlerweile Mais. Das sei „eine sehr zwiespältige Sache“. Wie Weirather betonte, wolle er keine Diskussion für oder gegen Biogasanlagen führen, die durchaus „einige gewaltige Vorteile hätten“. Der „Mais-Tourismus“ ins Ostallgäu gefalle ihm jedoch nicht so gut. „Das ist für mich nicht nachhaltig und nicht energetisch sinnvoll.“ (baus)

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