Kirchdorf Der große Eselmarkt, der alljährlich am Tag der offenen Mühle in Kirchdorf stattfindet bedarf nicht mehr der ausführlichen Beschreibung. Die etwa 6000 Besucher, mit denen Veranstalterin Gudrun Marquardt inzwischen rechnen kann, sind ein Gradmesser der Popularität des Events über regionale Grenzen hinaus.
Das ist umso erstaunlicher, als es mit der Begegnung von Menschen und Eseln einer aus der Mode gekommenen Tierart gewidmet ist. Ein neuer veränderter Blick auf den guten alten Packesel hat in den zurückliegenden Jahren zunehmend Anhänger gefunden und der in moderner Zeit mit Ignoranz gestraften Tierart eine ungeahnte Welle der Aufmerksamkeit und Sympathie beschert. Der Schlüssel für den veränderten Blickwinkel liegt nicht zuletzt auch in Kirchdorf.
"Vorsichtig und überlegt" aber nicht "störrisch und dumm"
Inzwischen gibt es bekennende Esel-Fans, wie die im Verein organisierten "Bavarian Donkey Freaks", die nicht müde werden, Individualität und Einzigartigkeit ihrer lange verkannten vierbeinigen Freunde unter Beweis zu stellen.
Dass der Esel grundsätzlich nicht stur, störrisch und dumm ist, sondern eher "vorsichtig und überlegt agiert" und sich durchaus lernfähig zeigt, ist beim Publikum bereits angekommen.
Die "Donkey Freaks" zeigen überdies, dass sich der Esel auch für allerlei Freizeitaktivitäten in Dienst nehmen lässt, so etwa als Zugtier für spezielle Inline-Skates, für die Kutsche oder auch den Nachwuchs auf dem Bobbycar.
Einen Schritt weiter noch sind Erika und Hannes Heider gegangen, bei denen die Esel Lady Sirena und Lord Sandor zur Familie gehören. Entsprechend viel Menschliches haben diese nicht mehr ganz jugendlichen Vierbeiner von ihren "Eltern" gelernt: Teppichausrollen und Bürsteholen gehört dazu, nicht zu vergessen: Biertrinken aus einem Krug.
Esel sind nicht nur Sympathieträger, sondern sie verstehen es auch offenkundig zu begeistern - das ist die Erkenntnis, die auch der noch nicht infizierte Zaungast spätestens am frühen Nachmittag gewinnt - und nicht nur verschrobene Außenseiter, sondern auch junge Leute, insbesondere anmutige junge Damen, wie sie im Umfeld von Pferden die Blicke auf sich ziehen.
Ein Beleg dafür ist die Geschichte der gerade sechzehnjährigen Theresa Wölfle aus Mindelheim. "Mir hat der Reitunterricht sehr viel Spaß gemacht, und daher hätte ich gerne ein Pferd gehabt", erzählt sie. Aber ihre Eltern lehnten ab. Der Kompromiss hieß schließlich Esel, und Theresa ist im Nachhinein sehr glücklich damit. Denn sie stellte fest, dass man auch auf Eseln reiten kann und lernte den eigenwilligen Charakter ihrer Grautiere zu schätzen.
Zusammen mit ihrer Freundin Jessica baut sie im elterlichen "Eselgarten" bisweilen Hindernisse auf und trainiert dort ihre auf fünf Tiere angewachsenen Eselschar.
Die Dritte im Bunde der Eselfreundinnen, zu denen sich häufig weitere gesellen, ist Anika Fleschutz. Sie macht sich bei der Pflege von Gudrun Marquardts Eseln nützlich, und kommt im Gegenzug in den Genuss von Reitstunden auf Großeseln.
Der "Große Preis" auf dem Parcours von Kirchdorf endete mit einem weiteren Triumph von Seriensiegerin Theresa Wölfle, die nach den beiden Vorjahren erneut gewann und diesmal mit ihren beiden Wettbewerbs-Eseln gar Platz eins und zwei belegte.
Bei uns im Internet
Ein Video vom Eselmarkt gibt es unter
www.mindelheimer-zeitung.de/lokales
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