Mittwoch, 17. Januar 2018

03. Januar 2018 12:27 Uhr

Mein Jahr

Vom Polizisten zum Bürgermeister

Franz Renftle hat nach seiner Wahl umgesattelt und viel Neues gelernt. So manche Fähigkeit aus seinem alten Leben kann er aber auch in seinem neuen Beruf noch brauchen.

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Nach den Umbauarbeiten im VG-Gebäude hat Bürgermeister Franz Renftle vor Kurzem sein neues Büro bezogen. Viel eingerichtet hat er noch nicht – und auch die Schränke sind noch leer. Renftle sagt, er will die Chance des „Umzugs“ nutzen, und alles aussortieren, was nicht regelmäßig gebraucht wird.
Foto: Lippl

Herr Renftle, Sie sind nun seit knapp einem Jahr Bürgermeister in Pfaffenhausen. Bereuen Sie’s?

Franz Renftle: Nein, nein.

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Keine Sekunde?

Renftle: Nein. Es gibt natürlich wie in jedem Beruf schon so Tage, an denen du dir denkst: „Du lieber Gott!“, aber die waren eher selten. Und Bereuen wäre ja etwas ganz was anderes!

Wie verlief Ihr Einstieg?

Renftle: Eigentlich ganz gut. Alle Mitarbeiter in der Verwaltung sind absolut hilfsbereit, offen und unterstützen mich. Ich könnt’s mir nicht besser vorstellen. Und auch mit den Bürgern: Sicher gibt’s mal Entscheidungen, wo der eine oder andere nicht so begeistert ist. Aber es war noch keiner hier und hat geschimpft oder sich beschwert. Also: Der Start war schon gut.

Was war das bislang schönste Erlebnis als Bürgermeister?

Renftle: Das schönste? (überlegt lange)Wie definiert man das? ... Also, was ganz toll war, wo ich mich richtig gefreut habe auf die Sitzung, das war die Zusage für die Radwegfinanzierung ins Gewerbegebiet. Auf der Tagesordnung stand: „Radweg, Entscheidung über den Neubau – Beschlussfassung“ und schon vor Sitzungsbeginn haben die Markträte gesagt: „Wir entscheiden da gar nichts heut.“ Bis ich sie damit überrascht habe, dass das Straßenbauamt alle Kosten übernimmt – da waren ruckzuck die Hände oben.

Was auch schön ist, sind diese Geburtstagstermine. Ganz früher habe ich mir gedacht: Was redest du mit den Leuten? Beziehungsweise: Was redet „der Bürgermeister“ mit den Leuten? Und an meinem ersten Arbeitstag war gleich ein 75er. Abends um sechs habe ich mir noch gedacht: Komm, da fährst jetzt hin! Unbekannte Leute. Dann sind wir eine halbe Stunde, 45 Minuten zusammen gehockt und es war ein ganz nettes Gespräch. Die Menschen freuen sich, wenn du kommst. Es ist echt interessant, viele Leute kennzulernen und andere Blickwinkel – das ist eine tolle Facette.

Gibt es auch Facetten, die weniger schön sind?

Renftle: Bislang hat mich noch niemand geschimpft, auch nicht auf den Bürgerversammlungen. Das liegt vielleicht auch daran, dass im ersten Jahr Aufarbeiten Tagesgeschäft war – es war noch keine richtig unpopuläre Maßnahme dabei.

Sie genießen noch Welpenschutz?

Renftle: Ja, so ungefähr. Aber man muss sich immer vor Augen halten: Das ist nicht meine Entscheidung. Sicher kannst du als Bürgermeister sagen: In welche Richtung wollen wir? Aber wenn der Marktrat anders entscheidet, ist man gebunden und muss den Beschluss vollziehen.

Worin haben Sie inzwischen Routine bekommen?

Renftle: Im Rechnungen und Kassenanweisungen unterschreiben. Und natürlich in der Sitzungsleitung. Als Polizist steht man auch vorne dran, muss sich behaupten und argumentieren, aber es ist was anderes, ob man einen oder zwei Gegenüber hat oder ob man eine förmliche Sitzung leitet oder in der Aula eine Rede hält.

Gibt es Dinge, die Sie sich einfacher vorgestellt hätten?

Renftle: Der ganze Ablauf, bis es zu einer Entscheidung kommt, vor allem in Bauangelegenheiten. Informationen, Beschluss, Gutachten, verschiedene Ämter dazu, das zieht sich. Ich habe mir gedacht, dass das einfacher geht. Wobei es schon viel hilft, wenn man die Leute im Amt kennt und telefonieren kann. Das beschleunigt manches zwar nicht, aber vereinfacht den Umgang miteinander.

Was haben Sie 2017 gelernt?

Renftle: Reden! (lacht) Ich red’ ja schon seit 30 Jahren. Bei der Polizei ist Reden das A und O. Das ist als Bürgermeister genauso: Kommunikation und Information sind wichtig.

Zum Beispiel?

Renftle: Wenn Straßenlaternen aufgestellt werden, dann sagt der Anwohner: „Wieso weiß ich nichts davon? Werde ich da nicht gefragt?“ Da denke ich mir zuerst: „Ich stelle eine Laterne auf Gemeindegrund, da muss ich ja nicht fragen.“ Aber letztendlich geht es dem Bürger darum, die Information zu bekommen, dass eine Laterne errichtet wird. Dann kann man sich ja eventuell noch in Feinheiten abstimmen. Soweit möglich, viel Informationen rauslassen und offen sein, das habe ich als Lehre für mich daraus gezogen. Ich habe immer eine offene Tür. Es gibt keine Bürgersprechstunde. Wenn ich da bin, bin ich da, und wenn ich keine Zeit habe, machen wir einen Termin aus.

Nach der langen Krankheit von Roland Krieger haben Sie so manche „offene Baustelle“ geerbt. Konnten Sie schon einige beenden?

Renftle: Ja, ja, ja! Wichtig für mich: das Wasserrechtsverfahren im Julius-Sesar-Ring in Pfaffenhausen, das zwischen Markt, Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt verfahren war. Durch Kommunikation war es möglich, das Verfahren abzuschließen. Oder die Kanalisation in Schöneberg. Da war ich der Vermittler. Man hat festgestellt, dass man erfolgreich aneinander vorbeigeredet hat. Jetzt ist die Akte nach Jahren geschlossen. Das Feuerwehrhaus ist auch so eine alte Baustelle. Wir sind an Lösungen dran, die zeitnah realisierbar und sehr gut sind.

Ist schon etwas fix?

Renftle: Nein, das noch nicht. Da brauchen wir noch ein bisschen. Da werde ich den Marktrat auch erst im Januar oder Februar informieren. Aber wir sind auf einem sehr guten Weg – aber daran habe ich jetzt auch schon ein Jahr gearbeitet! Verschiedene Pläne sind gescheitert, aber jetzt sind wir auf einem guten Weg.

Welche „Baustellen“ müssen Sie noch angehen?

Renftle: Den Kanal und die Abwasserproblematik in Pfaffenhausen. Versickerung geht schlecht, weil das Grundwasser so hoch ist. Das wird mich auf jeden Fall noch beschäftigen, das wird ein langer Weg, aber wichtig ist, dass man ihn angeht.

Was hat sich im Alltag verändert?

Renftle: Das Privatleben ist eingeschränkter, weil ich bei der Polizei mehr Freizeit hatte. Natürlich war die Freizeit damals „erkauft“ durch Samstags-, Sonntags- und Nachtdienste. Aber wenn man gewohnt war, einfach mal drei Tage unter der Woche freimachen zu können, das merkt man. Früher bin ich daheim zu mehr gekommen. Aber ich denke und hoffe, dass es besser wird, wenn mehr Routine einkehrt.

Wie steht Ihre Familie zu Ihrem Job?

Renftle: Die Kinder haben sich schon mal beklagt, weil ich so viel weg bin. Aber das ist vermutlich nur subjektiv. Früher war ich eine ganze Nacht beim Dienst, während die Kinder geschlafen haben. Jetzt bin ich tagsüber öfter weg und verbringe so weniger Zeit mit der Familie. Aber sonst passt alles.

Sie hatten ja die Angst, nicht „Nein“ sagen zu können ...

Renftle: Ich hab’s schon ein paarmal durchgezogen und „Nein“ gesagt! Ich hinterfrage, ob man das guten Gewissens machen kann, und fühle mich auch nicht ausgenutzt. Ich bin im vergangenen Jahr genau zwei Mal beim Einkaufen angesprochen worden: „Weil ich dich grad sehe...“ Daheim angerufen wurde ich nur wenige Male. Das hält sich absolut in Grenzen.

Wie schaffen Sie es, abzuschalten?

Renftle: Das geht eigentlich noch ganz gut. Wobei einem manchmal vorm Schlafengehen – zack – ein Gedankenblitz kommt. Dann schreibe ich einen Stichpunkt auf einen Zettel oder eine E-Mail an mich oder meine Sekretärin mit nur einem Wort, damit man es nicht vergisst.

Vermissen Sie eigentlich Ihre Arbeit bei der Polizei?

Renftle: Nein. Ich würd’s wieder machen, den Beruf als Polizist. Dinge wie Streitigkeiten zu schlichten, vermisse ich aber nicht. Nur die Kollegen, mit denen man 25 Jahre zusammengearbeitet hat, vermisst man und die Arbeit auch teilweise. Im Grunde, finde ich, ist es ein schöner Beruf.

Welche Fähigkeiten, die Ihnen als Polizist geholfen haben, können Sie auch als Bürgermeister gebrauchen?

Renftle: Ich versuche, objektiv an was ranzugehen. Jeder erzählt seine Version. Bei einem Unfall zum Beispiel, ist natürlich nie einer schuld. Als neuer Bürgermeister bin ich unverbraucht, ich hab keine Leichen im Keller und kann objektiv nach Lösungen suchen. Interview: Melanie Lippl

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