Samstag, 25. Mai 2013

18. April 2010 18:30 Uhr

Vulkan bestimmt Jazz-Programm

Mindelheim Alles war perfekt geplant, gebucht und vorbereitet. Die ersten zwei von vier Konzerten des 17. Mindelheimer Jazz-Festivals gingen auch noch bestens über die Bühne. Dann kam der Vulkanausbruch in Island, die Lufträume über Nordeuropa wurden gesperrt - und in Mindelheim liefen die Telefone heiß.

Krisenmanagement war angesagt. Denn bald war klar: Die Londoner Band des australischen Trompeters James Morrison, der am Samstag vor ausverkauftem Haus in der Dampfsäg spielen sollte, kam nicht weg von der Insel. Morrison selbst sollte aus Australien einfliegen, das schien noch zu klappen.

Peter Schmid organisierte in einer Nacht- und Nebelaktion die "Klazz-Brothers", drei Musiker, die er für das Festival schon länger im Visier gehabt hatte und die auch früher bereits mit Morrison gespielt hatten. Der Zufall wollte es, dass die Drei Zeit hatten und zusagten.

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Stehend im Nachtzug von Zagreb nach München

Pianist David Gazarov, der sich in Zagreb aufhielt, nahm am Freitagabend den völlig überfüllten Nachtzug nach München und verbrachte die Nacht stehend im Gang. Die anderen beiden kamen aus Dresden.

Im Lauf des Freitags stellte sich aber dann heraus, dass James Morrison zwar in Singapur gestartet war, sein Jet aber nach zwei Stunden wegen der Flugasche wieder umkehren musste. Er saß also in Singapur fest.

Nach hektischen Telefonaten gelang es Peter Schmid, die zwei Musiker von "Cuba Percussion" aufzutreiben, die zufällig grade in Feuchtwangen ein Konzert hatten und ebenfalls nicht in ihre Heimat zurück konnten. Sie sind häufige Begleiter der "Klazz Brothers". Nachts um zwei hatte er die Zusage: Wir kommen! So fügte sich wie durch ein Wunder eins ins andere, und es gelang für den Samstag ein Konzert, das zwar nicht das versprochene war; aber auch kein halbherziger Ersatz, sondern ein gleichwertiges Ereignis. Eine echte Glanzleistung der Veranstalter. (Konzertbericht siehe Seite 28)

Nur die ausgesprochenen Morrison-Fans gaben enttäuscht ihre Tickets zurück, und das waren wenige. Die meisten nahmen das geänderte Programm ohne Murren zur Kenntnis und ließen sich die Laune nicht verderben. Ein Besucher meinte: "Ich bleib da. Das ist auf jeden Fall besser, als vor der Glotze zu hocken."

Ersatzlos gestrichen werden musste dann leider das Konzert gestern Abend mit der norwegischen Sängerin Kristin Asbjornsen und ihrer Band. Samstag um 19.32 Uhr ging die endgültige Absage ein: "Wir kommen aus Oslo definitiv nicht weg."

Peter Schmid und Nicole Pfalzer vom Dampfsäg-Verein blieben gelassen. Schmid am Samstagabend: "Klar, es ist schade. So viel Werbung für nix. Aber wir werden finanziell trotzdem hinkommen. Und dass wir dem Publikum heute trotz allem noch ein so großartiges Konzert bieten können, finde ich sensationell. Morrison und Asbjornsen holen wir bei einem der nächsten Festivals nach."

Auf der Homepage der "Klazz-Brothers" war übrigens nachzulesen: "In der Not steht man zusammen - oder am Flughafen." (emf)

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