Türkheim "Wie lange sind wir sozial? Wann bricht die Gesellschaft auseinander?" Derart philosophische Fragen hat sich Starregisseur Uwe Boll laut eigener Aussage im Entstehungsverlauf seines neuen Films "Rampage" gestellt, der beim 14. Cinemaniacs-Filmfest im Türkheimer Kino in Anwesenheit des Regisseurs Premiere feierte.
Die mangels Jugendfreigabe vermutlich einzige ungekürzte Vorstellung von "Rampage" bringt einige Überraschungen mit sich und regt durchaus zum Nachdenken an. Der neueste Streich des laut eigener Aussage "besten Filmemachers der Welt" handelt, wie der Titel bereits andeutet, von einem Amoklauf und ist, wie Veranstalter Kai Erfurt es ausdrückt, "kein leichter Stoff".
Der Protagonist ist zwar wie von Boll beabsichtigt durchaus auf eine gewisse Weise sympathisch, seine Motive sind jedoch nicht gerade das, was der Zuschauer zunächst erwartet. Auch der Humor kommt trotz des ernsten Themas nicht zu kurz. Wie beispielsweise bei Uwe Bolls Lieblingsszene, als der Amokläufer eine Bingohalle besucht und von den hochkonzentrierten Spielern schlicht ignoriert wird. Laut dem Regisseur entstand diese Szene spontan, nachdem er selbst zufällig eine Bingohalle besucht hatte.
In der nachfolgenden Fragerunde zeigt sich der äußerst unterhaltsame Regisseur sehr kritisch gegenüber der Filmbranche. "Filmemachen ist ein teures Hobby und ich kann nur raten: Geht nicht in die Filmbranche!", sagte er. Bezüglich seines eigenen großen Erfolgs im Filmgeschäft fügt Boll noch bescheiden hinzu: "Ich weiß, wie knapp es war, dass ich gar keine Hollywoodfilme gemacht hätte." Er erklärt auch, dass man besonders zu kämpfen hat, wenn man weder in Deutschland noch in Hollywood so ganz ins Konzept passt.
Genau wie bei "Rampage" waren schließlich auch beim zweiten Hauptfilm des Cinemaniacs-Filmfest gute Englischkenntnisse gefragt. Die ausgesprochen amüsante Actionkomödie "Cop Out" mit Bruce Willis und Regisseur Kevin Smith war nämlich bereits die zweite große Filmpremiere des Abends und kommt erst in einigen Wochen auf Deutsch in die Kinos.
Zusätzlich zu den großen Hauptfilmen hatte Veranstalter Kai Erfurt wieder einen wilden Mix aus diversen Kurzfilmen und Trailershows vorbereitet. Besonders der mehrfach preisgekrönte Animationskurzfilm "Rollygeddon" von Thomas Zeug und der Pixar Kurzfilm "Teilweise wolkig" begeisterten das Publikum. Während bei Ersterem Tollpatsch Rolly versucht, den Weltuntergang durch die Sprengung eines Asteroiden abzuwenden, handelt "Teilweise wolkig" von einem Storch, der die undankbare Aufgabe hat, bissige, stachelige oder anderweitig gefährliche Tierbabys zur Erde zu bringen.
Wer es eher außergewöhnlich mag, kam bei zwei Folgen des sächsischen Polizeikrimis "Recht und Ordnung" auf seine Kosten. Zudem sorgte Kai Erfurt in den Filmpausen wie gewohnt mit der Verlosung zahlreicher DVDs unter den Kinobesuchern für gute Stimmung.
Für abgebrühte Horrorfans gab stand schließlich spätnachts noch die Premiere von Olaf Ittenbachs neuestem Schocker "No Reason" auf dem Programm. Danach endete auch für die letzten Nachtschwärmer ein insgesamt sehr gelungenes Filmfestival, bei dem für jeden Geschmack etwas dabei war.
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