Türkheim Die 15-Jährige, die daheim früher vertrauensvoll alles erzählt hat, ist plötzlich nur noch muffig, schweigsam und schlecht gelaunt. Der 14-Jährige sperrt die Tür ab, sobald er sein Zimmer betreten hat.
Kinder in der Pubertät: Sie weigern sich, den Tisch zu decken oder die Spülmaschine auszuräumen; ihre Zimmer gleichen miefenden, vermüllten Höhlen; abends wollen sie ewig vor der Glotze hocken, schaffen es aber nicht, ihre Zeit richtig einzuteilen.
Solche und ähnliche Probleme kamen beim "Elterntalk" in Türkheim zur Sprache, denn die Beteiligten hatten sich gewünscht, die Pubertät ihrer Kinder zum Gesprächsgegenstand zu machen. Derzeit geht es bei "Elterntalk" um das übergreifende Thema "Gesund aufwachsen - Suchtvorbeugung im Erziehungsalltag"; im weitesten Sinn also zum Beispiel darum, sich selbst kennen und mögen zu lernen, erfolgreich Probleme zu lösen, Freundschaften zu pflegen, Begabungen zu fördern.
Den sechs Müttern und Vätern, die sich in Türkheim zusammenfanden, brennt das Thema Pubertät auf der Seele. Sie alle haben bereits Erfahrungen mit "Elterntalk" und halten die Initiative für hilfreich.
Raymund Ball und Ursula Hiller (zwei Kinder, 10 und 13), die an diesem Abend Gastgeber sind, gefällt es, dass "Elterntalk" so familien- und praxisnah ist. Monika Eidloth (vier Kinder zwischen vier und 15 Jahren) schätzt die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und ist froh, dass sie von den anderen Eltern gute Ratschläge mit nach Hause nehmen kann.
Iris Schmidt (vier Kinder zwischen neun und 18) geben die Gesprächsrunden mehr Sicherheit in der Erziehung. Und das Ehepaar Schilling (drei Kinder zwischen elf und 16) stellt fest: "Es hilft zu hören, wie andere Eltern mit den Problemen umgehen. Man ist gezwungen, das, was man im Kopf hat, zu formulieren, und sieht es dadurch selber klarer und mit mehr Abstand."
Immer interessant
Auch Moderatorin Andrea Link hat drei Kinder im kritischen Alter. Sie hat dieses Ehrenamt bei "Elterntalk" seit sechs Jahren inne und empfindet es als sinnvolle Zwischenlösung zwischen Familienphase und Wiedereinstieg in den Beruf. Die Gesprächsrunden seien immer wieder spannend und interessant - so auch diesmal.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde entsteht schnell ein entspannter, offener und vertrauensvoller Gedankenaustausch. Die Eltern erinnern sich an die eigene Pubertät. Sie sammeln auf Anregung der Moderatorin Stichworte, die typisch sind für diese Lebensphase, wie Verletzlichkeit, Wandlung, Rückzug oder Unsicherheit.
Immer eine Gratwanderung
Sie stellen fest: Erziehung ist oft ein anstrengender Kampf, immer eine Gratwanderung. Aber auch: "Die Pubertät ist, muss sein, sie ist ein unerlässlicher Entwicklungsschritt. Aber ebenso eine Phase, die irgendwann vorbei geht."
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