Mindelheim 9. August 2008. Ein verheerendes Feuer zerstört in Salgen einen Reiterhof. Millionenschaden entsteht vor allem auch deshalb, weil das Dach der Halle großflächig mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet ist.
15. Dezember 2011: In der Nacht brennt in Mindelheim die Halle eines Bauernhofes nieder. Auch hier haben die Feuerwehren einen Großeinsatz zu meistern. Der Schaden liegt bei 300 000 Euro. Auch hier war eine Photovoltaikanlage auf dem Dach montiert.
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Geht von diesen Anlagen eine besondere Gefahr aus? Erhöht sich die Brandgefahr für landwirtschaftliche Anwesen generell durch Photovoltaikanlagen? Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten erklärt dazu, es gebe keine konkreten Auffälligkeiten, dass Photovoltaikanlagen Ursache von Bränden seien. Allerdings seien die Fallzahlen im allgäu-schwäbischen Raum sehr gering, um eine verlässliche Aussage treffen zu können, sagt Sprecher Christian Owsinski.
Die Schadenssummen haben sich beträchtlich erhöht
Die Ursache des Großbrandes in Salgen vom August 2008 ist nie vollständig aufgeklärt worden. Die Ermittler gehen von einer technischen Ursache aus. „Das Feuer dürfte im Schaltschrank der Photovoltaikanlage ausgebrochen sein“, sagt Owsinki. Die Ursache des Feuers vor Weihnachten im Norden von Mindelheim ist gleichfalls noch nicht geklärt. Die Untersuchungen laufen noch. Die Ermittler vermuten eine technische Ursache.
Unstrittig ist: Seit auf vielen Hallen Photovoltaikmodule angeschraubt sind, haben sich die Schadenssummen drastisch erhöht. Insgesamt haben Versicherer im Jahr 2010 für 8755 Schäden an Photovoltaikanlagen in Deutschland 37 Millionen Euro gezahlt. Das erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. In Bayern belief sich die Schadenssumme laut Versicherungskammer Bayern im Jahr 2010 auf 7,9 Millionen Euro. Jüngere Zahlen liegen nicht vor.
Nach Angaben der Versicherer sind mehr als ein Drittel der Schäden durch Blitzschlag und Überspannung entstanden. 32,8 Prozent der entstandenen Schäden gehen auf das Konto von Unwettern. Oftmals seien aber feuergefährliche Arbeiten im Gebäude für ein Feuer verantwortlich, Defekte an Maschinen und Elektroinstallationen oder Glut-Asche-Reste. Auch Brandstiftung kommt vor.
Brände machen bei der Anzahl der Schadensfälle lediglich 1,5 Prozent aus. Wenn es allerdings brennt, ist der Schaden jedes Mal immens hoch. 21,9 Prozent der Schäden an Photovoltaikanlagen sind in Bayern durch Feuer verursacht. Sturm, Schneedruck und Elementarschäden machen weitere 17 Prozent der Schadenssummen aus.
Kleinere Photovoltaikanlagen sind nicht über eine PV-Elektronikversicherung abgedeckt, sondern über die Gebäudeversicherung. Hierüber liegen keine separaten Zahlen vor.
Generell empfiehlt die Versicherungswirtschaft Betreibern solcher Anlagen, TÜV-geprüfte Module zu verwenden, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Und selbstverständlich sollten ausschließlich Fachleute die Anlagen montieren, die besonders auf den Brandschutz achten. Letztlich sei der Betreiber einer Photovoltaikanlage verpflichtet, diese regelmäßig warten zu lassen.
Bei Licht führen die Anlagen ständig Strom
Ganz besondere Gefahren bergen die Anlagen für Feuerwehrleute. Sie müssen damit rechnen, dass die Anlagen unter Strom stehen und die Helfer in Gefahr bringen können. Bei Lichteinfall führen die Bauteile der Photovoltaikanlage ständig elektrische Spannung. Weil Löschwasser leitet, ist es besonders wichtig, Abstände einzuhalten, heißt es in einer Empfehlung an die Feuerwehren. Diese übrigens stellen sich vermehrt den neuen Herausforderungen und schulen ihre ehrenamtlich arbeitenden Helfer, um sie vor den besonderen Gefahren zu schützen, die von Photovoltaikanlagen ausgehen.







Johann Stoll













