Sonntag, 19. November 2017

29. Januar 2016 04:03 Uhr

Landwirtschaft im Unterallgäu

Wie ein Melkroboter in Apfeltrach arbeitet

Mit dem Einzug der Maschine hat sich auf dem Hof von Markus Hemmerle viel verändert

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„Im Märzen der Bauer“ hieß es zu Beginn unserer Serie. Seitdem begleiten wir Landwirt Markus Hemmerle aus Apfeltrach durchs Jahr.

Am 6. Dezember 2010 hat sich auf dem Hof von Markus Hemmerle alles verändert. Damals kam „Apollo 13“ in sein Leben. „Ein einschneidendes Erlebnis“, sagt der 35-jährige Landwirt. „Der komplette Betrieb ist seitdem nicht mehr das, was er vorher war.“

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Die Maschine, der der Bauer den Spitznamen „Apollo 13“ gegeben hat, heißt eigentlich „Lely Astronaut“ und ist ein Melkroboter. So mancher Laie stellt sich unter einem Melkroboter ein kleines Männchen vor, das von Kuh zu Kuh geht. Genau das Gegenteil ist der Fall: Die mannshohe, rot verkleidete Maschine bleibt stets an derselben Stelle. Die Kühe kommen zu ihr. Erstens, weil sie gemolken werden, und zweitens, weil sie im Roboter eine Ration Kraftfutter bekommen. „Eine gesunde Kuh mit guter Milchleistung geht gerne zum Melken“, sagt Hemmerle.

Die vielen Daten, die der Melkroboter über die Halsbänder der Kühe erhebt und die der Landwirt in Echtzeit an seinem Computer betrachten kann, bestätigen diese Theorie. Gesunde Kühe gehen in der Regel häufig in den Roboter. Der berechnet die zu erwartende Milchmenge: Wie lange ist der letzte Besuch der Kuh her? War sie erst vor Kurzem da, öffnet sich das Tor vor ihr gleich wieder und die Nächste ist dran. „Wir haben Damen, die kommen zehn- bis fünfzehnmal am Tag. Das sind richtige Junkies“, sagt Markus Hemmerle und grinst. „Die schlecken auch noch das Kraftfutter ihrer Vorgängerin heraus.“

Im Durchschnitt wird eine Kuh dreimal am Tag gemolken. Dabei säubert eine sich drehende Bürste erst das Euter, dann scannt ein Lichtstrahl die Zitzen ab, damit die vier Zitzenbecher an der richtigen Stelle angesetzt werden. Je häufiger eine Kuh im Roboter steht, umso genauer und umso schneller funktioniert das. Währenddessen frisst die Kuh ihr Kraftfutter. Kommt aus einer Zitze keine Milch mehr, ist an dieser Schluss – der Roboter nimmt den Becher von der sensiblen Zitze weg. Es kommt zu keinem Blindmelken, was Reizungen verhindert. Und das ist wiederum gut für die Eutergesundheit. „Für die Kuh ist das Robotermelken angenehmer“, glaubt der 35-Jährige, auch, weil die Tiere ihren Tagesablauf selbst bestimmen können. Eine Kuh wisse zudem genau, was sie erwartet: Ein Mensch kann schon mal schlechte Laune haben – die vielleicht das Tier abbekommt. Der Roboter aber melke immer gleich.

Zum Wohlbefinden seiner Kühe trägt seit Kurzem wieder eine Massagebürste bei. „Auch wenn’s der Milchpreis nicht hergibt, bin ich’s den Viechern schuldig“, findet der Landwirt. Seine Damen danken es ihm – kaum war die Bürste angebracht, standen sie schon Schlange.

Der Stromverbrauch sei durch den Roboter zwar höher. „Doch das rechnet sich“, sagt Hemmerle. Erstens sei die Milchleistung dank der Maschine gestiegen, zweitens seien die gemolkenen Mengen, die runtergekühlt werden müssen, kleiner, weil sie nach und nach einlaufen und nicht wie am Melkstand auf einen Schlag. Die Tiere kommen rund um die Uhr, rangniedere häufig dann, wenn es ruhiger am Roboter ist. Nach der Grundreinigung, die mehrmals am Tag stattfindet, gibt es manchmal sogar einen kleinen Stau vor dem Melkroboter.

Auf jeden Melkvorgang folgt die Zwischenreinigung. Die Milch wird abgepumpt und läuft über Milchfilter und Vorkühler in den Tank. Eine störungsfreie Maschine ist das A und O. Regelmäßige Wartung und Kundendienste seien wichtig. Falls „Apollo 13“ ein Problem hat, bekommt Markus Hemmerle sofort eine Info auf sein Handy. „Seit dem 6. Dezember 2010 habe ich permanent Bereitschaft“, sagt der Landwirt. „Ich habe den Roboter nicht, weil ich zu faul bin zum Melken“, betont der Bauer. Die Arbeit mit dem Roboter sei einfach ganz anders als mit einem Melkstand: der Tagesablauf, die Alltagsroutine, die Aufgaben hätten sich verändert.

Mehrmals täglich schaut er sich am Computer an, wie es um seine Kühe steht. Milchtemperatur, Fett- und Eiweißgehalt, Tagesproduktion, Gewicht – dies und mehr erfasst der Roboter. „Ich kann nur mit Daten arbeiten – ich sehe ja nicht alle Kühe beim Melken“, sagt Hemmerle. Nimmt eine Kuh rapide ab, erkennt er das ebenso schnell wie Vorboten von Entzündungen oder wenn eine Kuh brünstig wird, weil sich dann ihr Bewegungsmuster verändert. Die „Achtungskühe“ auf einer extra Liste schaut er sich an. „Tierbeobachtung in Kombination mit dem PC“, nennt Hemmerle das.

Neben den täglichen Arbeiten im Stall steht im Januar noch der Wald auf der To-do-Liste des Landwirts: Nachdem Orkan Niklas im vergangenen Jahr auf dem rund dreieinhalb Hektar großen Gebiet gewütet hat, stand dieses Mal einiges an Arbeit an. Die knapp 40 Festmeter, die Hemmerle und sein Vater geschlagen haben, werden nun vom Sägewerk abgeholt, trotz des gesunkenen Holzpreises. Schließlich ist Markus Hemmerle nicht dafür verantwortlich, dass es dem Käfer in seinem Wald gut geht.

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Ein Artikel von
Melanie Lippl

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