Türkheim (liwe) - Einstimmig beschlossen die Türkheimer Marktgemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung unter den Augen von rund 20 anwesenden Bürgern, eine Stellungnahme zum geplanten Heizkraftwerk der Firma Lang Papier in Ettringen. Diese wird nun an die zuständige Genehmigungsbehörde - das Landratsamt - sowie an die Vertreter des Ettringer Papierherstellers weiter geleitet.
In dem Papier fordern die Türkheimer Volksvertreter vier Punkte:
eine deutliche Reduzierung der Gesamtemissionen,
eine Verkleinerung der technischen Anlage für die Verwertung von Ersatzbrennstoffen,
die Sicherstellung, dass keine chlorhaltigen Kunststoffe wie PVC oder schwermetallbelasteter Klärschlamm verbrannt wird,
die Anwendung bestmöglicher Filtertechnik, wie sie auch für reguläre Müllverbrennungsanlagen verwendet wird.
Zur Begründung heißt es, dass der Markt Türkheim "durch die unzweifelhaft durch Wind entstehenden Emissionen" betroffen sei. "Bei durchschnittlich etwa acht Prozent Wind aus nordnordöstlicher Richtung gehen von der Jahresmenge von 590 Tonnen Schadstoffen etwa 47 Tonnen über unserem Gebiet nieder", heißt es.
Die Räte betonen zwar, dass der Markt den Bau eines Heizkraftwerkes grundsätzlich begrüße, allerdings die Größenordnung des Projekts für überdimensioniert halte.
Im Zuge einer kurzen Diskussion informierte Bürgermeister Silverius Bihler über ein Treffen mehrerer Bürgermeister aus den Landkreisen Unterallgäu, Ostallgäu und Augsburg am vergangenen Freitag in Langerringen. Aus dem Unterallgäu seien neben ihm selbst die Kollegen aus Amberg, Wiedergeltingen und Ettringen vor Ort gewesen. Man habe sich darauf geeinigt die Gemeindeoberhäupter aus Schwabmünchen, Langerringen und Hiltenfingen als Abordnung zu einem Gespräch mit der Firma Lang zu entsenden, um über das geplante Projekt und mögliche Änderungen zu diskutieren.
Die Gemeinderäte Amberg und Wiedergeltingen beschäftigen sich in der kommenden Woche mit dem Thema. Sie tagen am Montag, 11. Februar, 20 Uhr (Amberg) und am Mittwoch, 13. Februar, um 19.30 Uhr). Auch der Unterallgäuer Kreisausschuss nimmt sich des Themas an (siehe eigener Artikel).
Das tut sich in der Nachbarschaft:
Nach den Gemeinden Hiltenfingen und Langerringen ganz im Süden des Landkreises Augsburg hat sich auch der Bau- und Umweltausschuss des Augsburger Kreistages gegen eine Nutzung von sogenannten Ersatzbrennstoffen ausgesprochen.
In einem einstimmig gefassten Beschluss schloss sich der Ausschuss den Sorgen der beiden Kommunen an, die eine deutliche Zunahme des Verkehrs, zusätzliche Belastung von Luft und Boden sowie eine Gefährdung des Trinkwassers befürchten.
So legt etwa der Hiltenfinger Gemeinderat (Kreis Augsburg) als Träger öffentlicher Belange formell Widerspruch ein, "da durch dieses geplante Vorhaben das Recht der Hiltenfinger Bürgerinnen und Bürger auf Leben, körperliche Unversehrtheit (Art. 2 II GG) und Eigentum verletzt wird".
Auch in Buchloe und Lamerdingen im Kreis Ostallgäu formiert sich Widerstand gegen das Projekt der Firma. Der Buchloer Bürgermeister will den Rücken der anderen Gemeinden stärken - auch wenn die Stadt bislang keine Einwände gegen die Anlage vorgebracht hat. Zunächst wolle Buchloe das Ergebnis einer Studie der Gemeinde Ettringen abwarten, das am 18. Februar vorliegen soll, so Schweinberger.
Der Lamerdinger Gemeinderat will in seiner nächsten Sitzung einen Beschluss zur geplanten Anlage fassen.
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