Ettringen Die neuen Antragsunterlagen für das geplante Heizkraftwerk von Lang Papier in Ettringen liegen zurzeit in den Gemeinden aus. Ein Jahr hat es gedauert, sie zu überarbeiten und kritische Punkte auszuräumen. Die Anlage wird rund 125 Millionen Euro kosten und ein wichtiger Beitrag zur Standortsicherung sein.

Newsletter an 5000 Haushalte verteilt
Wie Werkleiter Dr. Thomas Krauthauf bei einer Pressekonferenz mitteilte, habe die Firma nach reiflicher Überlegung beschlossen, keine weitere öffentliche Info-Veranstaltung mehr abzuhalten, da man die Bürger bereits umfassend informiert habe. Im Januar wurden an 5000 Haushalte Informationsblätter verteilt, in denen alles zum aktuellen Stand des Projekts nachzulesen ist.
Nach wie vor gibt es eine Telefon-Hotline für jedermann (08249/ 8022722), die bisher allerdings wenig genutzt wurde. Ausführlich informiert die Firma ebenso im Internet (www.energie-fuer-lang-papier.de).
Krauthauf und Projektleiter Martin Heinrich legten bei der Pressekonferenz nochmals kurz dar, was sich gegenüber dem alten Antrag geändert hat.
Wie berichtet, wird die Feuerungswärmeleistung des Reststoffkessels von 80 auf 55 Megawatt reduziert. Dies sei aufgrund neuer technischer Erkenntnisse möglich: Es habe sich herausgestellt, dass eine stationäre Wirbelschichtfeuerung beim vorgesehenen Brennstoffmix ebenso einsetzbar sei wie die ursprünglich geplante zirkulierende Wirbelschichtfeuerung; erstere entspreche außerdem auch besser den Bedürfnissen des Ettringer Werks.
Die Verkleinerung des Baus mache einen neuen Standort möglich; es müsse nun nicht, wie ursprünglich geplant, auf dem Gelände der alten Deponie gebaut werden. Was die Befürchtungen der Bevölkerung hinsichtlich der Altlasten dieser Deponie angeht, sagte Heinrich: "Die Deponie ist rekultiviert, oben abgedichtet und mit Ringbrunnen versehen, die regelmäßig kontrolliert werden. Die Messergebnisse sind unbedenklich. Für die Deponie gibt es einen rechtsgültigen Bescheid, von ihr ist nichts zu befürchten."
Zum Schlagwort Müllverbrennung sagte Krauthauf, verbrannt würden Reststoffe aus Sortieranlagen, die im Rahmen eine Qualitätssicherung sowohl intern als auch von den Aufsichtsbehörden ständig streng geprüft würden. Die benötigten Mengen habe sich die Firma zum Großteil bereits gesichert; sie sollen aus Hessen kommen, der Rest voraussichtlich aus Bayern. Von Mülltourismus könne keine Rede sein, schon allein durch die Transportkosten regle sich dieses Problem von selbst.
Das neue Kraftwerk wird für die Firma laut Krauthauf eine erhebliche Kostenersparnis bedeuten. So fällt zum Beispiel bei der Wärmeerzeugung auch jede Menge Strom an; jetzt deckt die Firma ihren Bedarf zu zehn Prozent selbst, danach zu 50 Prozent.
Die Anlage sei auch vom Standpunkt des Umweltschutzes aus sinnvoll: "Durch den Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung sparen wir in erheblichem Umfang Primärenergie ein."
Durch die Überarbeitung der Planunterlagen, so Krauthauf, werde der Zeitplan für das Projekt nun sehr knapp. Für den Erörterungstermin rechnet das Unternehmen mit rund drei Tagen Dauer. Danach könnte es zwei bis drei Monate bis zur Genehmigung des vorzeitigen Baubeginns dauern.
Mit einer Ablehnung durch die Behörden rechnet Lang Papier nicht, denn "wir halten alle gesetzlichen Auflagen genauestens ein."
Firma ist im Gespräch mit der Bürgerinitiative
Was die Bürgerproteste betrifft, so versicherte Krauthauf, man sei mit dem Verein "Gesundes Wertachtal" in Kontakt und für Anregungen und Kritik offen. Er verstehe, dass es Fragen und Ängste gebe. Die Firma versuche, so gut wie möglich Sicherheit zu schaffen.
Mit Bedauern sehe er allerdings unqualifizierte Argumente wie jenes, dass durch das Heizkraftwerk die Grundstücks- und Immobilienpreise sinken würden: "Da wird etwas herbeigeredet, was mit der Anlage nichts zu tun hat." Sauer stößt ihm auch auf, wenn das Kraftwerk als Müllverbrennung bezeichnet wird.
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