Ettringen/Mindelheim (pm) - Wenige Tage vor der zweiten Erörterungsrunde zum geplanten Heizkraftwerk der Papierfabrik Lang in Ettringen (Dienstag, 7. Juli, 9.30 Uhr Dreifachturnhalle des Maristenkollegs in Mindelheim) trifft sich der Verein "Gesundes Wertachtal" am morgigen Freitag, 3. Juli, um 18 Uhr zur inzwischen zehnten Mahnwache vor Tor 2 der Firma Lang.
Im Rahmen der Erörterung will der Verein, wie Sprecher Dr. Joachim Herbold betont, weitere Nachbesserungen durchsetzen. Nach wie vor stehe die geplante Filteranlage in der Kritik.
Herbold gibt die Richtung vor: Es werde kein langweiliges Nacharbeiten des in der ersten Erörterungswoche Ende Mai nicht geschafften Pensums sein. Dass es spannend bleibe, dafür sorgten schon die noch zur Diskussion stehenden Themen wie Anlagensicherheit, Verkehr, Abfallwirtschaft, Boden- und Gewässerschutz, Natur- und Landschaftsschutz sowie Umweltverträglichkeit.
Problem Verkehr
Besondere Aufmerksamkeit würden die Themen Verkehr und die Landwirtschaft auf sich ziehen. Bereits heute würden, so Herbold, nach Angaben der Firma Lang täglich 307 Lkw-Fahrten durch das Unternehmen verursacht. Vor allem die Bewohner von Schwabmünchen-Süd und Hiltenfingen litten schon jetzt unter dem hohen Lkw-Verkehr, vor allem nachts. Dies werde sich nach dem Ausbau der B 17 Richtung Landsberg und dem Bau des neuen Müllkraftwerks noch verschärfen. Daher hätten die betroffenen Kommunen bereits im Februar Anlieferungszeiten (z.B. Nachtfahrverbot) sowie An- und Abfahrtsrouten gefordert. Schwabmünchen werde aber auch alle Aspekte, die eine mögliche Belastung ihrer Trinkwasserreserven anbelangen, genauestens prüfen müssen.
Folgen für die Milch?
Da die Landkreise Unterallgäu und Ostallgäu die Regionen sind, in denen bayernweit die meiste Milch produziert wird, stehen laut Herbold auch viele Vertreter der Landwirtschaft dem Vorhaben der Firma Lang kritisch gegenüber: "Die Landwirte befürchten vor allem bei einem nicht ordnungsgemäßen Betrieb und bei Störfällen der Anlage die Anreicherung von in kleinsten Mengen hochgiftigen Dioxinen und Furanen sowie von Schwermetallen im Boden und in der Nahrungskette, vor allem in der Milch. Dies hat für ihre Betriebe schwerwiegende Folgen, da für Landwirte und Gärtner inzwischen auch das Produkthaftungsgesetz gilt und sie unabhängig vom Verursacher für die Unbedenklichkeit ihrer Produkte haften."
"Schon im Interesse von Landwirtschaft und Gartenbau genügt es nicht, dass - wie im Augenblick vorgesehen - die Emission von Dioxinen und Furanen (PCDD/F) nur einmal im Jahr nach Vorankündigung an drei aufeinanderfolgenden Tagen gemessen wird. Wir fordern eine kontinuierliche Langzeitbeprobung mit dem System AMESA, mit dem belgische Müllverbrennungsanlagen bereits standardmäßig ausgerüstet sind", erklärte der Sprecher des Vereins "Gesundes Wertachtal".
Die Bürgerinitiative arbeite weiter daran, darauf einzuwirken, dass der Antrag der Firma Lang entsprechend nachgebessert werde, so der Sprecher. "In diesem Sinne haben wir bereits durch Auflagen zur Überwachung der Dampfmenge erfolgreich verhindert, dass sich die Firma Lang über die beantragte Abgasmenge eine Kapazitätserhöhung von bis zu 41 000 Tonnen Abfälle pro Jahr genehmigen konnte. Auch Verbesserungen bei der Kontrolle der zum Einsatz kommenden 90 000 Tonnen Ersatzbrennstoffe haben wir erreicht. Diese sind allerdings aufgrund des großen Risikos von Kontaminationen, insbesondere bei Müll aus dem Ausland, noch vollkommen unzureichend."
Hier müsse dringend nachgearbeitet werden, vor allem da die Firma Lang nun offiziell die Zusammenarbeit mit dem Entsorgungsunternehmen B+T bestätigt habe und dieses aller Wahrscheinlichkeit nach der Betreiber der Anlage sein werde.
Forderung
Ganz konkret habe man, so Dr. Joachim Herbold, die Lebensqualität der betroffenen Bevölkerung im Blick. Daher habe der Anwalt der Bürgerinitiative eine Geruchsimmissionsprognose sowie ein Gutachten über die Bildung von Industrieschnee gefordert, die beide bislang in den Antragsunterlagen fehlen.
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