Der Maristenorden steckt in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Die Missbrauchsfälle im Umfeld des Internats in Mindelheim haben die Gemeinschaft schwer erschüttert. Als vor zweieinhalb Jahren von heute auf morgen der damalige Leiter des Internats abgezogen wurde, weil er rechtskräftig wegen Missbrauchs eines Jugendlichen verurteilt wurde, belog einer der Fratres die Öffentlichkeit über die wahren Gründe. Er sagte damals gegenüber der Mindelheimer Zeitung, "mein Eindruck ist, dass der Provinzial schon längere Zeit mit dem Gedanken gespielt hat, einen so fähigen Mann wie Frater G. an noch verantwortungsvollerer Stelle einzusetzen".
Den Umstand, die Öffentlichkeit belogen zu haben, hat der neue Provinzial der Maristen, Brendan Geary, inzwischen als Fehler bedauert. Das war ein wichtiger Schritt, die Dinge wieder ins Lot zu bekommen.
Leider verwischt sich dieser gute Eindruck jetzt wieder. Ausgerechnet der Internatsleiter Albert Schuster muss jetzt seinen Hut nehmen. Schuster wird von allen Seiten versichert, einen guten Job gemacht zu haben. Im Oktober 2009 war er gekommen und hat sich mit viel Herzblut an seine Aufgabe gemacht, Kindern und Jugendlichen im Internat ein gutes Zuhause zu bieten.
Jetzt muss er gehen. Die Maristen wollten selbst Verantwortung übernehmen, Schusters Familie sei in diesen unsicheren Zeiten kein Umzug nach Mindelheim zuzumuten. Das klingt nach großer Fürsorglichkeit.
Positiv ist, dass die Maristen den Personalwechsel offen kommunizieren. Das war 2008 noch anders, als der Vertrag von Dr. Stefan Hannen nicht verlängert wurde.
Die Begründungen, die nun gegeben werden, sind allenfalls auf einer oberflächlichen Ebene nachvollziehbar. Mehr aber auch nicht. Wer argumentiert, man müsse den erfolgreichen Leiter einer Einrichtung auswechseln, weil die Einrichtung finanziell nicht gut dasteht, sendet das Signal aus: Mit dem Internat geht es dem Ende zu. Zugleich versichert Nachfolger Bruder Michael Schmalzl, wie wichtig Internate für Kinder und Jugendliche sein können. Das passt nicht zusammen.
Hat vielleicht etwas anderes eine Rolle gespielt? Als im Februar die Berichterstattung über Missbrauch am Maristeninternat in den Printmedien und im Fernsehen losging, stand vor allem Albert Schuster Rede und Antwort. Die offene Art hat nicht allen Maristenbrüdern gefallen. Jetzt wird Schuster eben fallen gelassen.
Die Entscheidung des Internatsrates, sich von Schuster zu trennen, hätte der Provinzial nicht durchwinken dürfen. Der Glaubwürdigkeit der Maristen hat das neuerlichen Schaden zugefügt.
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