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14. März 2010 19:20 Uhr

Verdächtig häufige Toilettenbesuche

Bad Wörishofen Die Szenerie mutet filmreif an: Immer wieder steht ein älterer Herr von seiner Schachpartie auf, verlässt den Kursaal in Bad Wörishofen und verschwindet auf die Toilette. Irgendwann fällt diese Prozedur den Organisatoren des 26. Internationalen Schachfestivals auf. Sie folgen bei der nächsten vermeintlichen Pinkelpause dem Spieler auf die Toilette. Und siehe da, der Verdacht, dass es sich um mehr als einen regelmäßigen Harndrang handelte, bestätigt sich: Der Seniorenspieler geht in eine Kabine, zieht sein Handy aus der Tasche und überprüft dank eines digitalen Schachprogramms die eben getätigten Spielzüge - in der Hoffnung, das Programm spuckt die Züge für den Sieg aus. Sein Pech: Er wird dabei von einem Verantwortlichen von der Nachbarkabine aus beobachtet.

Was dann geschah, schilderte Hauptschiedsrichter Christian Krause: "Als er sich wieder auf seinen Platz begeben hatte, bin ich zu ihm und habe ihn nach seinem Handy gefragt." Der Spieler aus Halle/Saale zog es aus der Tasche und übergab es Krause. Weil das Handy noch angeschaltet war, verstieß er ohnehin schon gegen ein ehernes Schachgesetz, das keine elektronischen Geräte an den Tischen erlaubt. "Die Partie war damit schon einmal verloren", sagte Krause. Als er das Mobiltelefon genauer unter die Lupe nehmen und das Schachprogramm inspizieren wollte, riss es ihm der Beschuldigte aus der Hand und rannte aus dem Kurhaus. Das Turnier war damit für den Spieler, dessen Name den Organisatoren bekannt ist, beendet. Ein weiteres Mal wird er wohl kaum in Bad Wörishofen antreten dürfen. "Der wird beim nächsten Turnier sicher nicht mehr zugelassen", sagte Turnierorganisator Jürgen Wempe.

Neu ist diese Masche nicht, doch kurioserweise wurde in Bad Wörishofen ein Spieler ertappt, der am Seniorenturnier und nicht in der offenen Klasse teilgenommen hatte. Denn nur da geht es um Preisgelder. "Es war wohl der überzogene Ehrgeiz, der diesen Herrn zum elektronischen Doping getrieben hat", vermutete Krause.

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Ansonsten hatte der Hauptschiedsrichter in den zehn Tagen auf Bayerns zweitgrößtem Schachturnier wenig strittige Szenen zu schlichten. Vielmehr konnte er sich wie auch Wempe auf den diesjährigen Star des Turniers konzentrieren. Der erst 13-jährige Illya Nyzhnyk aus der Ukraine war angetreten, um sich in Bad Wörishofen den Titel des Großmeisters zu sichern. Damit wäre er einer der jüngsten Schachspieler aller Zeiten, die diesen Titel tragen dürfen (siehe Info).

Doch damit wurde es am Ende nichts. Gegen den von der Elo-Zahl eigentlich schwächer eingeschätzten Arno Zude aus Hofheim (Hessen) unterlag Nyzhnyk und musste so alle Titelträume begraben. "Ich habe die Partie danach noch einmal durchgespielt, konnte aber bislang noch keinen Fehler finden, der zu seiner Niederlage geführt haben soll", sagte Wempe gestern. Christian Krause ist sich jedoch sicher, dass Nyzhnyk in der Partie überzogen hat: "Er wollte seinen Gegner überrennen und ging zu hohes Risiko ein." Dennoch waren sich die beiden sicher, dass der 13-Jährige die erfolgreiche Tradition ukrainischer Schachspieler fortsetzen wird. "Er ist ein Beispiel für die sehr gute professionelle Nachwuchsarbeit, die dort geleistet wird", sagte Krause.

Statt eines rekordverdächtigen ukrainischen Jungspundes strich in Bad Wörishofen ein älterer Ukrainer die Siegprämie in Höhe von 1500 Euro ein. Vladimir Malaniuk aus Kiew gewann das Turnier mit 7,5 Punkten vor Krasimir Rusev (Bulgarien/7,0 Punkte) und Vladimir Burmakin (Russland/7,0). Illya Nyzhnyk belegte am Ende mit 6,0 Punkten den 14. Platz.

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