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15. Juni 2011 08:08 Uhr

Hoffnungsträger aus dem Allgäu

Vor ihrem Urlaub: Nationalspieler Holger Badstuber und Mario Götze im Interview

Nationalspieler Holger Badstuber und Mario Götze haben eine teilweise turbulente Saison hinter sich. Im Doppelinterview mit unserer Zeitung ziehen sie Bilanz. Von Bernd Schmelzer

Mario Goetze / Holger Badstuber neu Doppel-Interview
Foto: Bernd Schmelzer

Es ist die Geschichte von zwei Allgäuern, die auszogen, um Deutschland zu erobern. Holger Badstuber und Mario Götze, 22 bzw. 19 Jahre alt. Der Oberschwabe und der Ostallgäuer haben sich nicht nur in ihren Vereinen Bayern München und Borussia Dortmund einen guten Namen gemacht. Sie zählen auch in der Nationalmannschaft zu den Hoffnungsträgern für die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Ihre lange und teilweise auch turbulente Saison bilanzieren sie im Doppelinterview mit unserer Zeitung, das unser Mitarbeiter Bernd Schmelzer nach dem Spiel in Aserbaidschan führte.

Während die meisten Ihrer Kollegen schon im Urlaub sind, haben Sie noch Überstunden mit der Nationalmannschaft eingelegt. Sind Sie froh, es nun auch geschafft zu haben?

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Badstuber: Na klar, nach so einer langen Saison, bin ich schon froh, dass es jetzt vorbei ist. Ich freue mich auf den Urlaub, die Entspannung, da kann ich noch mal alles Revue passieren lassen, was so alles passiert ist. Und gerade bei uns, beim FC Bayern, ist ja viel passiert.

Götze: Dadurch, dass es ja mein erstes Jahr war, und dazu auch noch ein sehr intensives und ich mich ja auch erst auf alles einstellen musste, habe ich mir den Urlaub sicher wohl verdient.

Im Zuge der letzten EM-Qualifikationsspiele gab es vor dem 3:1 in Aserbaidschan ja diesen sportlich wichtigen 2:1-Erfolg über Österreich. Für alle Deutschen, besonders für die Bayern, ist so ein Duell immer besonders brisant. Wie geht es da den Spielern aus der jungen Generation? M u s s man Österreich einfach schlagen?

Badstuber: Na ja, man hat natürlich viele Geschichten von früher mitbekommen. Und jeder weiß, dass eine gewisse Rivalität herrscht. Aber: Sooo wichtig ist ein Sieg aus Prestigegründen jetzt nicht mehr. Ein kleines Highlight aus sportlicher Sicht war der Sieg in Wien auf alle Fälle.

Also: Es ist nicht mehr so wie früher ...

Götze: Nein, dadurch, dass wir vieles nicht mehr am eigenen Leib erfahren haben, empfinden wir das anders als die ältere Generation.

Wie ist das eigentlich mit der Nationalhymne. Sind Sie textsicher?

Badstuber: (lacht) Klar, wir sind alle textsicher.

Also auch richtige Sänger? Oder eher nur Lippenbeweger?

Badstuber: Der größte Teil der Mannschaft singt mit.

Götze: Ich auch. (wischt sich den Schweiß von der Stirn) Entschuldigung, ich schwitze noch nach, komme gerade aus der Sauna.

Kein Problem. Viele sagen, Mario Götze ist einer der komplettesten Fußballer in Deutschland. Ist das auch unter Kollegen die einhellige Meinung?

Badstuber: (antwortet sofort) Wenn ich mir in München einen wünschen könnte, dann wäre es der Mario. Er ist einfach super-variabel einsetzbar, ein frecher junger Spieler. Er besitzt eine Qualität, die nicht jeder hat und er wird noch einige Schritte weiter machen, noch besser werden.

Herr Götze, wie sehen Sie sich selber? Es gibt so viele Superlative. Sind Sie eher gemäßigter in der eigenen Einschätzung?

Götze: Es war doch erst mein erstes Jahr. Ich muss noch so viel lernen. Ich habe noch so viel vor. Jetzt heißt es doch das Ganze zu bestätigen, was im vergangenen Jahr abgelaufen ist. Und dann sieht man weiter.

Super-Mario, Jahrhundert-Talent – gibt´s noch einen Superlativ?

Badstuber: Schwer. Aber er weiß genau, wie er damit umzugehen hat. Er bleibt auf dem Boden. Das ist auch das Wichtigste in dem Alter. Ich hatte vergangenes Jahr eine ähnliche Situation, Titel gewonnen, in die Nationalmannschaft gekommen, praktisch von null auf hundert geschossen. Da darf man nicht abheben.

(Mario Götze steht mittlerweile und fächert sich mit dem Trikot trocken, er schwitzt und schwitzt ...)

Götze: Wir haben ein Wechselbad gemacht, dann kurz eingecremt und hierher. Alter, ist das heiß ...

Badstuber: Kalt-warmes Wechselbad.

Sie haben ja beide eine Allgäuer Vergangenheit. Über den Weg gelaufen sind Sie sich aber nie?

Götze: Nein, ich habe in Ronsberg ja nur etwa vier Jahre verbracht. Danach sind wir nach Dortmund umgezogen.

Wie ist denn der Kontakt ins Allgäu?

Götze: Mittlerweile bin ich nur noch über Weihnachten bei meinen Großeltern in Ronsberg. Und da treffen wir uns dann mit der ganzen Familie.

Badstuber: Ich bin natürlich häufiger dort. Das Allgäu ist ja von München aus nicht so weit weg. Ne gute Stunde, alles Autobahn, da ist man schnell mal in der Heimat. Und deshalb bin ich auch in unregelmäßigen Abständen in Rot an der Rot und Memmingen anzutreffen.

Mit 18 Jahren Deutscher Meister, da können andere noch nicht einmal Auto fahren. Wie schnell ging das denn?

Götze: Wahnsinnig schnell. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet. Mein Hauptziel für diese Saison war eigentlich, gesund zu bleiben und irgendwie in die Mannschaft zu kommen. Vielleicht mal ein paar Spiele machen. Ich glaube, es war so, wie es letztlich gekommen ist, auch vom Trainer nicht geplant. Aber durch diverse Verletzungen hat sich diese Situation so für mich ergeben, dass ich mich wahnsinnig darüber freuen kann. Unbeschreiblich das Ganze.

Und dann über den Borsig-Platz, rund 500 000 Menschen, Sie oben auf dem Wagen, wie groß fühlt man sich in so einem Moment?

Götze: Das war etwas Einmaliges, gerade in dieser Stadt und gerade mit diesen Fans. Mit so einer Saison hat doch niemand gerechnet. Umso schöner war es am Ende. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, dann da oben auf dem Wagen zu stehen und den Titel zu feiern.

Ist es leichter Fußball zu spielen, wenn man erfolgreich ist?

Badstuber: Klar. Das Selbstvertrauen ist groß, es klappt einiges, was sonst nicht klappen würde. Ja, es stimmt, in einer erfolgreichen Mannschaft tut sich der Einzelne leichter.

Was tut man eigentlich gegen die Heiserkeit am nächsten Tag nach langen Feierlichkeiten?

Badstuber: Feiern gehört dazu. Wer feiert, der hat es sich vorher auch verdient. Und dann darf man auch mal, ja, die Sau rauslassen! Aber am nächsten Tag sollte man seinen Mann stehen ... – auch mit heiserer Stimme!

Wird man in Dortmund zum Feierbiest?

Götze: Dadurch, dass wir schon zwei Wochen vor Saisonende als Meister feststanden, war es zwischendurch schon relativ anstrengend.

Sie wurden in dieser Saison von zwei völlig unterschiedlichen Trainer-Typen gecoacht. Der strenge, überkorrekte van Gaal auf der einen Seite. Nehmen Sie da auch etwas mit als Mensch, hat Sie das geprägt?

Badstuber: Auf jeden Fall. Trotz allem, was passiert ist, ist van Gaal einer der größten Trainer. Vergangene Saison hatten wir ja auch riesigen Erfolg mit ihm. Das darf man nicht vergessen. Ich nehme da schon einiges mit und das ist für meine Entwicklung sicher sehr gut.

Ist Jürgen Klopp auf der anderen Seite wirklich der Kumpel-Typ, wie er im Fernsehen wirkt. Oder doch ganz anders?

Götze: Er hat seine zwei Seiten. Wenn es gut läuft und alle das umsetzen, was er von uns verlangt, dann ist er ein richtig guter Kumpel und man kann mit ihm offen über alles reden. Aber er kann auch sehr ernst und streng sein. Das ist eine gute Mischung für einen Trainer.

Wäre es eigentlich wünschenswert für einen jungen Spieler einen jungen Trainer zu haben? Weil der vielleicht auch deren Sprache spricht?

Götze: (schwitzt jetzt nicht mehr) Nicht unbedingt. Auch ein erfahrener Trainer hat seine Vorteile. Für mich muss ein Trainer nicht unbedingt jung sein. Er muss eine gewisse Erfahrung mitbringen, wie er mit seinen Spielern umgehen sollte, das ist das Entscheidende.

Könnte das für Sie ein Anreiz sein, mal einen jungen Trainer zu haben? Bis jetzt haben Sie ja eher die Ü 60 kennengelernt ...

Badstuber: (lacht) Na, ich habe ja auch noch Klinsmann mitbekommen ... Jetzt bin ich erst einmal froh, dass wir mit Jupp Heynckes (66, die Red.) jemanden bekommen, der für Bayern genau der Richtige ist.

Und dann gibt es ja noch die Nationalmannschaft und Joachim Löw. Da werden die Reizpunkte wieder anders gesetzt. Ist es auch das, was den Fußball so interessant macht? Das permanent Neue?

Badstuber: Klar. Die Nationalmannschaft ist natürlich immer etwas Besonderes. Man kommt ja nicht so häufig im Jahr zusammen. Und in den wenigen Tagen kann man sich darauf einstellen, hart arbeiten zu müssen und die Spiele gewinnen zu müssen und dabei immer eine sehr gute Zeit im Team zu haben. Seit der WM haben wir natürlich eine noch höhere Verpflichtung den Fans gegenüber als vorher. Die Ansprüche sind gestiegen und da müssen wir immer wieder unsere Leistungen bestätigen.

Ist es eigentlich heute leichter Nationalspieler zu werden als früher? Aus Sicht eines jungen Spielers.

Götze: Schwer zu beurteilen: Das hängt von so vielen Faktoren ab. Vom Trainer, von der Philosophie, von den Spielern, die nachrücken.

Bitte spontan antworten. Was fällt Ihnen ein zu: Super-Mario?

Götze und Badstuber: (gleichzeitig) Das Spiel.

Nintendo?

Götze und Badstuber: Genau.

Hätte ja auch Mario Gomez sein können ...

Badstuber: Ach so, natürlich, der auch.

Götze: Klar.

Badstuber: Ich glaube, das hört er zur Zeit recht oft.

Fritten rot-weiss? (So heißen in Dortmund Pommes mit Ketchup und Mayo)

Götze: Pommes.

Badstuber: Fritten rot-weiss?

Götze: Pommes.

Badstuber: Schmeckt gut.

Welches ist der schönste Platz in Deutschland? (erwartet wurden: Borsig-Platz oder Marienplatz)

Götze: Allgäu.

Badstuber: Gar nicht so einfach. (überlegt) Es ist immer dort, wo man sich gerade am wohlsten fühlt.

Götze: Dann Dortmund.

Frauenfußball!

Badstuber: Ähh. Ja. Da ist jetzt ein Hype wegen der WM in Deutschland. Frauenfußball ist attraktiv geworden.

Götze: Ich hab’s früher eigentlich nie angeschaut. Mittlerweile ist es aber so, dass man schon das eine oder andere Spiel sieht. Das Champions League Finale beispielsweise. Frauenfußball kommt, glaube ich, langsam ins Rollen.

Und jetzt ab in den Urlaub.

Badstuber: Es ist eine lange, schwierige Saison gewesen, ich bin froh, wenn ich abschalten kann. Mal nicht an Fußball denken, das ist ganz wichtig. Und einfach mal nur das machen, worauf ich gerade Lust habe. Seele baumeln lassen, die Sonne und das Meer genießen.

Sie auch? Meer, Sonne, Strand? Handy aus?

Götze: Handy aus nicht unbedingt, aber es wird deutlich weniger telefoniert als sonst.

Vielen Dank für das Gespräch und einen erholsamen Urlaub!

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