Samstag, 23. September 2017

27. August 2016 09:02 Uhr

Fußball

Wie eine Kappe ein Fan-Herz gewann

Die Bundesliga startet in ihre 54. Saison. Für Unterallgäuer, die nicht den Bayern oder dem FCA die Daumen drücken, beginnt damit wieder eine Zeit der klassischen Fernbeziehung. Von Axel Schmidt und Stephan Schöttl

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Die Bayern haben gestern vorgelegt, am Samstag und Sonntag zieht der Rest nach: Die 54. Bundesligasaison beginnt – und damit für viele Fans wieder das Daumendrücken für ihre Lieblingsmannschaft. Doch nicht immer ist es der Verein vor der Haustüre, der Fanherzen höher schlagen lässt. Im Gegenteil: Es gibt zahlreiche Fernbeziehungen. Wir stellen zwei von ihnen vor:

Borussia Mönchengladbach Bei Karl „Charly“ Ritter aus Kirchheim begann alles mit einer schlichten Mütze: „Mein Vater, ein Ur-Bayern-Fan nahm mich früher oft mit ins Olympiastadion. Einmal kaufte er mir eine Bayernmütze“, erinnert sich der 47-Jährige. Doch da er dem damals kleinen Karl nicht zutraute, die Mütze auch nach dem Spiel noch aufzuhaben, nahm er sie an sich – und verlor sie selbst. „Eine Woche später besuchten wir Verwandtschaft in Mönchengladbach und in der Fußgängerzone liefen wir an einen Stand hin, der ebenfalls Fanmützen verkaufte. Nur eben die von Mönchengladbach“, sagt Ritter. Er bekam eine – und war fortan von den „Fohlen“ begeistert.

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Die Mütze hat er heute noch, seine Leidenschaft für die Fohlen ist ungebrochen. Doch es sollten über 30 Jahre vergehen, ehe Ritter einen eigenen Gladbach-Fanclub gründete. „Die Idee kam uns, als wir im Fasching 2013 zum Europa-League-Spiel gegen Lazio Rom nach Gladbach fuhren“, sagt Ritter. Doch es brauchte fast ein Jahr, ehe die Idee in die Tat umgesetzt wurde. Per Aufruf in der Mindelheimer Zeitung suchte Ritter Gleichgesinnte aus dem Unterallgäu – und sah sich beim ersten Treffen im Kirchheimer Sportheim 25 Fans gegenüber. Heute zählt der Fohlenfanclub Unterallgäu 66 Mitglieder. Die begleiten ihre Mannschaft, wo es nur geht, wenn auch oft nur in Grüppchen – was der Kartenvergabe des beliebten Bundesligisten geschuldet ist.

Beinahe traditionell fährt man jedoch zum letzten Saisonheimspiel in den Borussia-Park nach Mönchengladbach. Rein sportlich erwartet Ritter von „seinen“ Fohlen in dieser Saison einen einstelligen Tabellenplatz, „mit Richtung Europa League“. Wichtig sei eh nur eines: „Dass wir am Ende vor den Kölnern stehen!“

Hamburger SV Den Weg aus dem Allgäu nach Hamburg kennt Rainer Wassermann mittlerweile bestens. Jede Autobahnraststätte könnte er auf den etwa 750 Kilometern entlang der A7 wohl fehlerfrei aufzählen. Vier- bis fünf Mal pro Saison fährt der 59-Jährige mit seinen Bekannten von den HSV-Freunden Memmingen in den hohen Norden, um dem Fußball-Bundesligisten im Stadion die Daumen zu drücken. Dazu kommen Touren zu den Auswärtsspielen der Hamburger im Süden Deutschlands. Eintrittskarten für die Partie beim SC Freiburg am vierten Spieltag der Saison liegen bereits auf dem Wohnzimmertisch. Aber warum ausgerechnet der krisengebeutelte HSV? „Als HSV-Fan wird man geboren“, meint Wassermann lachend. Ganz so einfach ist es freilich nicht.

Auch bei dem Memminger begann die blau-weiße Fußballliebe mit einem Schwärmen für Hamburgs Mittelstürmer Uwe Seeler in den 1960er Jahren, so richtig intensiv wurde die klassische Fernbeziehung in den erfolgreichsten Jahren des Hamburger SV. Damals Mitte der 1970er Jahre, als der Verein mehrfach Deutscher Meister und Pokalsieger wurde. Als der HSV 1977 sogar den Europapokal der Pokalsieger gewann, war Wassermann beim Finale in Amsterdam live dabei. „Die Eintrittskarte habe ich immer noch. Das ist eine tolle Erinnerung an einen der erfolgreichsten Abende der Vereinsgeschichte“, erzählt er. Bei einer Auswärtsfahrt vor gut 20 Jahren lernte Rainer Wassermann zwei weitere Fans aus dem Allgäu kennen – und gründete mit ihnen zusammen wenig später einen offiziellen Fanclub. Seitdem sind sie gemeinsam unterwegs, auch quer durch Europa, wie im Jahr 2010. Da fieberten Wassermann und Co. dem Europapokal-Finale in Hamburg entgegen, begleiteten die Mannschaft zu allen Auswärtsspielen nach Fulham, Eindhoven, Anderlecht und Lüttich. Sogar Finaltickets hatten die Fans schon. Aber der HSV vergeigte das Halbfinale und schied aus.

Es war einer dieser bitteren Momente im Leben eines HSV-Fans, von denen es in den vergangenen Jahren so viele gab. Interne Querelen, sportliche Talfahrt, Beinahe-Abstieg. „Die Zeiten, in denen ich meine riesige Balkonflagge oft hissen konnte, sind definitiv vorbei“, meint Rainer Wassermann. Läuft er mit einem seiner vielen HSV-Trikots durch die Stadt, ernte er mittlerweile überwiegend mitleidige Blicke der Passanten „und ab und zu auch einen dummen Spruch“.

Es ist vor allem die lange Tradition des Vereins, die das Feuer in den Fan-Herzen am Brennen hält. Die Bundesliga-Uhr, auf der die Zugehörigkeit des HSV zur höchsten deutschen Spielklasse dokumentiert wird, tickt auch auf Wassermanns Handy. Er blickt darauf und sagt: „53 Jahre, zwei Tage, 17 Stunden, 48 Minuten und drei Sekunden.“ Zumindest ein weiteres Jahr kommt in der neuen Spielzeit dazu.

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