Höhlen faszinieren: Sie waren Wohnstätten der Eiszeitmenschen. In Höhlen entstand der erste Ausdruck von Kunst und Kultur. Die frühesten figürlichen Darstellungen, die Archäologen bisher entdeckten, wurden vor etwa 30000 Jahren in den Höhlen um Ulm geschaffen. Für geologisch Interessierte sind die Höhlen der Region als Reisen durch die Erdgeschichte spannend. Während der Sommerferien stellt die NUZ ihren Lesern Höhlen der Region als Ausflugsorte vor.
Laichingen Es erinnert an Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“: Wohl ist sich der Besucher der Laichinger Tiefenhöhle sicher, dass er kein solches Abenteuer beginnen wird, wie Verne es sich 1864 vorstellte, doch welche geheimnisvolle Welt ihn in Deutschlands tiefster begehbarer Schauhöhle erwartet, kann der Höhlentourist nicht wirklich erahnen. Sinnvoll ist, vor dem Gang durch die Schachthöhle die vielen Informationen des auch für Kinder geeigneten „Museums für Höhlenkunde“ auf sich wirken zu lassen, das ein Teil des Höhlenrasthauses ist.
Gamaschen liegen in einem Korb vor der Treppe. Diese Gamaschen befestigt der Höhlenbesucher zum Schutz seiner Kleidung um den unteren Teil seiner Hosenbeine, damit sie Höhlenlehm, Nässe und Felsen am Weg heil überstehen. Derart ausgestattet kann er sich an den Abstieg wagen.
Eigentlich begann die Geschichte der Laichinger Tiefenhöhle mit einer großen Enttäuschung. Johann Georg Mack war Sandgräber und hatte eine Familie mit neun Kindern zu ernähren. Als ihm im Herbst 1892 über Nacht ein großer, aufgeschütteter Sandhaufen abhandenkam, war er ziemlich verärgert. Weil Mack Diebe witterte, bewachte er in der folgenden Nacht einen Sandhaufen, den er erneut aufgeschüttet hatte – und musste feststellen, dass der Sand vom Erdboden verschluckt wurde. Hier musste eine Höhle sein! Einer von Macks Söhnen war der erste Mensch, der an einem Seil in die Laichinger Tiefenhöhle hinabgelassen wurde.
Heute hat es der Höhlenbesucher leichter – obwohl er gutes Schuhwerk und Trittsicherheit braucht, denn in die Große Halle geht es über drei steile Eisentreppen hinunter, die ziemlich rutschig sein können. Die Mitte dieser Großen Halle ist abgesperrt, denn zäher Höhlenlehm könnte den Besuchern Schuhe und Strümpfe ausziehen. Vorsichtiges Gehen über die Treppenstufen ist angesagt. Zu sehen aber gibt es in den Schächten der Höhle viel. Sie vermittelt einen Einblick in ein versteinertes Riff des Jurameeres. Zwar sind über den Führungsweg nur etwa 320 Meter der gut 1200 Meter langen Höhle zu begehen, deren Verbindung mit dem Blautopf mit Farbversuchen nachgewiesen wurde. Auf diesem Weg aber geht es 55 Meter hinunter in den Bauch der Erde, und etwas beklemmend wirkt der Gedanke an die ungeheuren Erdmassen über dem eigenen Ich durchaus. Die Luft hier unten atmet sich schwerer. Der 100-Meter-Schacht, in den der Besucher blicken kann, hat seinen Namen allerdings nicht ganz zu Recht. Forscher hatten gehofft, hier etwa so tief zu kommen, der Schacht reicht aber nur bis in 80 Meter Tiefe.
Jules Vernes fiktiver Professor Otto Lidenbrok gelangt auf seiner Reise an das Ufer eines unterirdischen Meeres, ans Tageslicht kommt er aber erst wieder durch einen Ausbruch des Stromboli. Der Besucher der Laichinger Tiefenhöhle hat es einfacher: Ihn führen viele Treppen direkt hinauf ans Tageslicht beim Grillplatz.