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13. April 2010 05:07 Uhr

Auf dem Planetenweg nach Biberachzell

Weißenhorn "Rechne mal schnell 150 Millionen Kilometer in Lichtminuten um": Gespannt hängen die Augen der Mitschüler an Philip Brand, der sofort die Antwort parat hat, "8,3391 Lichtminuten ist die Erde von der Sonne entfernt." Nein, keine Mathematikstunde, sondern die neun Schüler des Weißenhorner Nikolaus Kopernikus Gymnasiums (NKG) sitzen in den Büroräumen der Grafikerin Ulla Widmann-Borst vom Weißenhorner Büro Borst und Partner und gestalten Tafeln für einen Planetenweg. Von René Barth

In über 60 deutschen Gemeinden ist bereits ein solcher Planetenweg zu finden. Maßstabsgetreu im Verhältnis eins zu 24 Milliarden wird auf dem besonderen Wanderweg ein verkleinertes Sonnensystem mit seinen einzelnen Planeten dargestellt.

"So kann dem Wanderer ein Gefühl gegeben werden, in welchem Verhältnis die einzelnen Planeten in unserem Sonnensystem voneinander entfernt sind", informiert Schulleiter Klaus Schneikart.

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"Nachdem 2009 das internationale Jahr der Astronomie war, haben wir uns gedacht, in einer Projektarbeit während des Physikunterrichtes einen solchen Planetenweg auch in Weißenhorn zu gestalten", erklärt Lehrerin Simone Breins. "Das motiviert die Schüler und entstaubt den Lehrplan, der die Lehre der Planeten vorschreibt, also zwei Fliegen mit einer Klappe für dieses Projekt geschlagen", lacht die Lehrerin.

30 Schüler der Klasse 10 d hatten dann die Aufgabe, dieses Projekt bis zu Ende zu planen und zu gestalten. Aufgeteilt in zehn Gruppen standen die Jugendlichen vor dem Problem, die Schilder so zu gestalten, dass sie versanden werden und den Wanderer dennoch genauestens informieren. "Ursprünglich wollten wir zum Tag der offenen Tür der Schule am 12. Juli nur handgemachte Info-Poster aufhängen, doch dann waren die Schüler so eifrig dabei, dass wir das doch mit professioneller Hilfe ordentlich machen wollten", so die Lehrerin.

Grafikerin bietet ihre Unterstützung an

Grafikerin Ulla Widmann-Borst, die mit einem Kostenvoranschlag zu diesem Projekt betraut war, kam dann eine ganz andere Eingebung. "Statt für die Schule zu produzieren, sollen doch die Schüler das unter meiner Anleitung in meinem Büro selber gestalten und fertigen", erzählt die Grafikerin. Während die Schüler jeweils in zwei Dreiergruppen die Gestaltung vom Layout bis zum richtigen Text übernahmen, kümmerte sich die Lehrerin um Sponsoren, die die Materialkosten für die Info-Tafeln übernehmen. "Es war ein hartes Stück Arbeit, aber bis auf eine Tafel konnte für jeden Planeten ein Sponsor gefunden werden", freut sich Simone Breins.

Aber auch die Schüler standen vor einer harten Aufgabe. "Dass der Umfang so enorm ist, hätten wir nicht gedacht", erzählt Dennis Grotenglas, der mit seinen Teamkameraden Simeon Aust und Robert Ott für den Merkur verantwortlich ist. Stundenlang recherchieren die Schüler dazu im Internet, dennoch, auf alles weiß auch das "world wide web" keine Antwort. "3,3 Trilliarden Tonnen sind doch nicht ein Fünftel der Erde", die Taschenrechner werden bei diesem Projekt sehr oft eingesetzt. "Schwierig ist auch, wenn man dann Maßeinheiten findet, die wir überhaupt nicht kennen", erzählen die Jungs. "Lichtminuten" und ähnliche Maßeinheiten stellt die Truppe schon vor Probleme, "wir haben aber alles gelöst, es macht einen Riesenspaß."

Robert Ott vom "Team Merkur" ist ohnehin ein "Naturwissenschaftler. "Angenommen sie stehen auf dem Merkur und beobachten ein halbes Jahr lang den Jupiter, dann können sie sehen, dass der eine wunderbare elliptische Laufbahn hat", begeistert sich der Schüler. "Ohnehin ist es spannend, wenn man weiß, das die Planeten verschiedene Jahre haben, so ist ein Merkurjahr nur 87,97 Tage lang in Erdtagen gerechnet, während das Jahr auf dem Pluto ganze 90 465 Erdtage lang ist", wissen die jungen Schüler.

Schüler überzeugen Stadträte

Auch die Stadt Weißenhorn steht voll hinter dem Projekt. Nachdem die Schüler das Projekt persönlich im Weißenhorner Stadtrat präsentiert haben, gab dieser ohne Umwege sein Einverständnis, dass auch in Weißenhorn ein solcher Planetenweg installiert wird.

Am 12. Juli soll das Sonnensystem dann offiziell seiner Bestimmung übergeben werden und Wanderer, die sich auf den Weg in Richtung Biberachzell machen, werden sicherlich viel Wissenswertes erfahren.

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