Thalfingen Wer mit dem Zug am Thalfinger Bahnhof ankommt, empfindet sich in einer unsicheren Gegend: Das alte Bahnhofsgebäude im Gründerzeit-Stil, das 1875 eröffnet wurde – erbaut im Zusammenhang mit dem Entstehen der Brenzbahn und typisch für deren Bahnhöfe – verrottet zusehends.
Dazu trugen zwar auch die Winterstürme der vergangenen Wochen bei, vor allem aber kommt der Niedergang des leer stehenden Gebäudes von Menschenhand. Pappe, mit der kaputte Fenster abgedichtet waren, zerriss neulich der Wind, sagt ein Anlieger. Die zerschlagenen Fensterscheiben aber und das Chaos im Inneren des versperrten Gebäudes werde von Jugendlichen verursacht, die sich am Bahnhof treffen und auch bereits an den Gleisen beobachtet wurden.
Im Inneren von Schalter-, Dienst- und Warteräumen stehen noch Einrichtungsgegenstände wie ein alter Schreibtisch. Die Schubladen sind herausgerissen, Papiere liegen überall, eine Decke, Müll. Manche der Fensterscheiben sind zwar mit Spanplatten unzugänglich gemacht, in anderen Fenstern aber sind nur noch Splitter der Glasscheiben. Die nach der Auflassung des Bahnhofs noch vermietete Wohnung im Dachgeschoss steht leer; sie ist, so Anwohner, in einem Zustand, der gängigen Standards nicht mehr entspricht.
„Ich bin ratlos“, sagt der Elchinger Bürgermeister Joachim Eisenkolb. Gerne sähe er ein Nutzungskonzept für den Bahnhof. „Aber ein Jugendhaus können wir dort nicht einrichten, unmittelbar an den Gleisen. Das ist zu gefährlich“, sagt er. Ähnlich verhalte es sich mit der Nutzung durch ein Café oder ein Lokal – die Unfallgefahr direkt an der Bahnlinie erscheint Eisenkolb hoch. Bliebe die Vision einer Nutzung wie in Neresheim, wo im alten Bahnhofsgebäude das Härtsfeldbahnmuseum untergebracht ist. Der Gemeinde aber fehle zur Rettung oder Sanierung des Bahnhofs praktisch alles, sagt Joachim Eisenkolb: Geld, ein passendes Konzept, das verwendbar ist, „ohne sich selbst zu belügen“, ein Betreiber und bürgerschaftliches Engagement zur Gründung eines Interessenvereins oder Fördervereins zur Sanierung des alten Bahnhofsgebäudes. Wegen der hohen Auflagen der Energieeinsparungsverordnung wage sich niemand an die Sanierung des Gebäudes heran. Formal gehe das Gebäude die Gemeinde nichts an, weil es im Eigentum einer Firma – der Patron Elke S.a.r.L. in Luxemburg, die den Bahnhof im Paket mit anderen Bahnhöfen von der Deutschen Bahn kaufte – steht. Diese Holding wird durch ein Bochumer Unternehmen vertreten. Von einer Main Asset Management Firma, die das Gebäude betreut, hat die Gemeinde Elchingen nur eine Telefonnummer, sagt Eisenkolb.
Der Service werde aber seit der Außerdienststellung des Bahnhofs immer nachlässiger.