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20. September 2011 00:09 Uhr

ICE rast in Auto

Bahnunglück in Nersingen: War die Technik veraltet?

Nach dem Bahnunglück bei Nersingen (Landkreis Neu-Ulm) werden auch die Sicherheitsvorkehrungen der Deutschen Bahn untersucht. War die Technik vielleicht veraltet?

Der ICE wurde schwer beschädigt. Hätte das Bahnunglück bei Nersingen in der vergangenen Woche vermieden werden können, wenn die Deutsche Bahn die Schienenübergänge mit neuester Technik gesichert hätte?
Foto: Kaya

Hätte das Bahnunglück bei Nersingen in der vergangenen Woche vermieden werden können, wenn die Deutsche Bahn die Schienenübergänge mit neuester Technik gesichert hätte? Diese Frage wirft der Bahn-Sicherheitsexperte Franz Schilberg aus Bergisch Gladbach auf.

Der Ingenieur, der schon mehrfach als Gutachter bei einschlägigen Gerichtsverfahren zur Urteilsfindung beigetragen hat, will zum jetzigen Zeitpunkt nicht kategorisch ausschließen, dass die Bahn zumindest einen gewissen Anteil an dem Vorfall hat, bei dem – wie berichtet – glücklicherweise keine Personen zu Schaden gekommen sind. Schilberg betont aber, dass er mit seinen Überlegungen weder die Schuldfrage stellen noch gar beantworten wolle. Sollten sich aber erste Vermutungen der Polizei bewahrheiten, wonach eine 77 Jahre alte Autofahrerin die rot blinkende Ampel übersehen und bei sich bereits senkenden Schranken auf den Übergang gefahren sein, treffe die Frau zumindest eine Teilschuld an dem Unglück.

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Schilberg verweist in diesem Zusammenhang jedoch auch auf den Paragrafen 11 in der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO). Demnach hätte der zuständige Fahrdienstleiter sehen müssen – entweder mit eigenen Augen oder per Videokamera –, dass zwischen den gesenkten Schranken das Auto der Frau eingesperrt war. In diesem Fall, so die weiteren Überlegungen, hätte der mit Tempo 160 aus Ulm herannahende ICE gestoppt werden müssen – falls die entsprechende Sicherheitstechnik an diesem Abschnitt der Bahnlinie Ulm-Augsburg installiert ist.

Menschliches Versagen nicht ausgeschlossen

Nach Kenntnis des Sicherheitsingenieurs erhöht sich bei eher veralteter Technik die Gefahr menschlichen Versagens.

Die Recherchen der Neu-Ulmer Polizei haben bislang zu keinen weitergehenden Erkenntnissen geführt. Nach wie vor werde „in alle Richtungen“ ermittelt, wie ein Sprecher gestern auf Nachfrage sagte. Das bedeute auch, dass auch die Sicherheitsvorkehrungen der Bahn untersucht würden.

Mitte vergangener Woche war es auf dem Bahnübergang an der Waldstraße in Nersingen zu einem spektakulären Unfall gekommen. Eine 77-Jährige wollte trotz bereits blinkenden Rotlichts (Polizeiangaben) die Gleise überqueren. Allerdings senkten sich zwischenzeitlich die „Vollschranken“, sodass die Seniorin mit ihrem Renault „Scenic“ weder vor noch zurück konnte. Passanten, die das Ganze beobachtet hatten, riefen der Seniorin zu, sie solle sofort aus ihrem Auto aussteigen und sich schleunigst in Sicherheit bringen.

Das gelang der Frau auch – keine Sekunde zu früh, denn wenige Sekunden später raste der ICE in Richtung München heran und erfasste den „Scenic“ frontal.

Das Fahrzeug wurde mitgeschleift und geriet in Brand. Wie heftig der Aufprall war, geht aus den Schilderungen eines Augenzeugen hervor, der berichtete, dass Trümmer des Renault „mindestens zwanzig Meter hoch“ in die Luft geschleudert wurden.

Die Autofahrerin erlitt einen Schock. Die Gäste im ICE überstanden den Vorfall weitestgehend unbeschadet. Bernd Kramlinger

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