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13. März 2010 07:05 Uhr

Bartók grüßt Dracula

Ulm Mein Gott, was man in einem Konzert alles unterbringen kann, wenn man balkanesische Musiker von der Leine lässt. Da tobt der Bär, ein ganzes Dorf ist trunken von der Rolle, der große Komponist Béla Bartók kommt zur Party in neuem musikalischen Gewand und lässt Graf Dracula grüßen. Augen zu und durch hieß es fürs Publikum im Stadthaus, das mit einem musikalischen Bilderrausch konfrontiert wurde, den das Sextett des rumänischen Holzbläsers Nicolas Simion entfachte. Von Peter Michael

Bartók grüßt Dracula
Foto: ALFA

Die Musiker aus Rumänien, Ungarn, Tschechien, Polen und Bulgarien hingen wie verhext an den Lippen des Transsylvaners Nicolas Simion, der in seiner musikalischen Karriere dort steht, wo die anderen noch hin wollen: ganz oben. Der in Köln lebende Saxofonist und Klarinettist wird als der John Coltraine des Balkans bezeichnet und ist in der globalen Ruhmeshalle des Jazz eine feste Größe. Mit seinem neuesten Projekt "Transsylvanian Jazz" kehrt er zurück zu seinen rumänischen Wurzeln und schürft aus dem ganzen Reichtum seiner heimatlichen Volksmusik kompositorische Glanzstücke der nicht gerade unkomplizierten, aber fesselnden Art.

Dazu bedarf es Musiker der Extraklasse, die dem Jazz-Genie Simion ein wenig die Stirn bieten können.

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Und hier hat der Meister "the best of" Osteuropas um sich geschart: Zoltan Lantos beispielsweise, den Teufelsgeiger aus Budapest, der mithilfe der Elektronik neue Klangwelten aus seinem Instrument zaubert oder den Applaus-Star des Abends, Jura Wajda, der wie ein Derwisch über die Saiten des Cimbalons klöppelte und bewies, dass auch ein orientalisches Instrument improvisationsfähig ist. Sein Duo mit dem Bassisten Gjakonovsky gehörte zu den Leckerbissen des reichhaltigen Balkanmenüs an diesem Abend im Stadthaus.

Der ungewöhnlichste Musiker aber war der Akkordeonist Martin Lubenov, der zeitweilig auf der Bühne wie bestellt und nicht abgeholt wirkte. Dass der Jazz aber nicht zu kurz kam, dafür sorgte Nicolas Simion, der mit seinem Spiel auf Saxofon und Klarinette Tradition und Moderne in perfekter Manier miteinander verbindet.

Tanzmusik aus dem Banat oder Kompositionen von Béla Bartók zu verjazzen kann keiner so wie er. Der Applaus für diese ungewöhnliche Band war für Ulmer Verhältnisse frenetisch - und zurecht verdient.

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