Es menschelt und witzelt in Morton Feldmanns „Männergesprächen“
Neu-Ulm Männerfreundschaften, Männerbünde, Männergespräche – Frau vermutet vieles darüber, aber genaues weiß man nicht. Darum hat das Augus-Theater für die Männerwelt „als Spiegel“ und für die Damenwelt als „Blick durchs Schlüsselloch“ Morten Feldmanns Dialogkomödie „Männergespräche“ aufs Programm gesetzt. Drei befreundete Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, unterhalten sich. Es geht, und das ist keine Überraschung, in der fröhlichen Komödie um Frauen.
Jakob Holler (Torsten Ibach) ist Künstler, doch befindet er sich in einer Schaffenskrise; sein Freund und Galerist Malte (Richard Aigner) fürchtet, in den falschen Mann investiert zu haben. Beide machen sich Sorgen um den Dritten im Bunde, den Schriftsteller Sebastian (Manuel Renken), der zum dritten Mal erfolglos versuchte, mit einem Stipendium seine stockende Karriere anzukurbeln. Immerhin wird seine Freundin Melanie Programmchefin in einem großen amerikanischen Verlag; sie ist bereit, ihn nach New York mitzunehmen und seine Bücher zu veröffentlichen. Alles, was er dafür tun muss, ist, seine Wohnung aufgeben, die Vollzeitbetreuung ihres psychotischen Katers (von Sebastian nur „Charles Manson“ genannt) übernehmen und Melanies Kinderwunsch erfüllen. Dann würde sie ihn eventuell auch heiraten. Das ist fair, findet Melanie; auch Sebastian erscheint das Arrangement annehmbar – bis er erfährt, wie seine Freunde Malte und Jakob darüber denken.
Geschlechterkampf auf den Kopf gestellt
Wenn die Frauen den Spieß des „Geschlechterkampfes“ umdrehen, halten echte Männer Kriegsrat. Feldmann adaptierte den „Girl Talk“ für die Männerwelt und lässt seine drei Originale viel Zeit mit der wechselseitigen Seelenschau verbringen. Sie besorgen sich umeinander mit einer Ausführlichkeit, die auch manche Männeraugenbraue erstaunt in die Höhe schnellen ließ; auch so manche (Ehe-)Frau dürfte im Anschluss an die Premiere ihren Mann gefragt haben: „Unterhaltet ihr euch wirklich so miteinander?“
Regisseur Heinz Koch zeigt die chaotische Welt des Männertrios voller fröhlicher und harmloser Verbalscharmützel. Wirklich ernst ist kein Problem und die Frau an Sebastians Seite ist gar nicht dominant; Sebastian will sich nur nicht entscheiden.
Galerist Malte ist ein echter Macho
Am überzeugendsten ist die Figur des sympathischen Künstlerchaoten Jakob gelungen. Dank der lebendigen und sehr wahrhaftig wirkenden Darstellung von Torsten Ibach erscheint dieser lebensuntüchtige Bohemien lebensnah und sympathisch. Sebastian, von Manuel Renken mit stets angedeutetem Lächeln als zwischen Heiterkeit und Nervenzusammenbruch stehendes Nervenbündel porträtiert, ist ein willkommener Gegenpol. Galerist Malte ist da schon fast Staffage; seine übellaunigen Machosprüche („Ehe und Fairness haben nix miteinander zu tun!“) werden leider ebenso wenig erklärt wie sein übersteigertes Interesse an Sebastian. So gerinnt dieser Galerist zu einem Abziehbild, auf das die Handlung fast verzichten könnte. Der fröhlich-harmlose Schlagabtausch unter Männern fördert erwartungsgemäß keine neuen Erkenntnisse über die Spezies Mann zutage. Wer ohne das auskommt, kann sich bei den Männergesprächen gut amüsieren.
Männergespräche im Augus-Theater in der Silcherstraße wieder am 20., 21. und 27. April. Beginn jeweils 20 Uhr. Kartenreservierung: 0731/553412
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