Neu-Ulm Wie Rentnerin Mathilde Meis aus Ludwigsfeld geht es vielen Kassenpatienten. Die rüstige Dame ärgert sich. Schon jetzt zahlt sie beim Kauf einiger ihrer Medikamente zehn Prozent des Preises als Zusatzbeitrag. Seit gestern könnte sie noch bei weiteren Arzneien zur Kasse gebeten werden. Denn auf einen Schlag sind rund 3000 Arzneimittel nicht mehr von der Zuzahlung befreit. Genau das kann Mathilde Meis so gar nicht verstehen. Schließlich zahle sie schon genug zu. Von kathrin kratzer

Fest steht: Kassenpatienten müssen seit dem 1. September jetzt für deutlich mehr Medikamente selbst in die Tasche greifen. Darunter fallen auch etliche Antibiotika, Magen-Darm- und Kreislaufmittel. Laut Bayerischer Apothekenkammer hat sich die Zahl der Medikamente, für die Patienten nicht zuzahlen müssen, binnen Jahresfrist von etwa 10 000 auf rund 5000 halbiert. Schuld sind neue Festbeträge und Befreiungsgrenzen, die der gemeinsame Bundesausschuss aus Krankenkassen und Ärzten jetzt festlegte. (siehe Infokasten)
Apotheker bekommen den Unmut zu spüren
Auszubaden haben die neue Regelung jedoch nicht nur die Kunden. Auch die Apotheker, die die einzelnen Zuzahlungen für die gesetzlichen Krankenkassen einkassieren und an die Kassen weiterleiten müssen, jammern. Unmittelbar bekommen sie den Unmut der Kassenpatienten bei jeder Preiserhöhung mit. "Die Kunden sind immer mehr frustriert und enttäuscht", sagt Christian Gerstung, Leiter der Apotheke A 4 in Neu-Ulm. "Gegen die neuen Zuzahlungen können wir nichts machen", klagt der Apotheker. Auch wenn es eine billigere Alternative zu Medikamenten gebe, seien ihm oft die Hände gebunden. Schließlich müsse er den Kassenpatienten die Präparate verkaufen, die ihm die jeweilige Krankenkasse vorschreibt. Das seien genau die Medikamente, bei denen die Krankenkasse mit dem Hersteller im Vorfeld einen sogenannten Rabattvertrag aushandelte. Das Problem: Oft seien andere Arzneimittel um einiges günstiger, sagt Gerstung. Den Differenzbetrag zwischen billigerer Variante und festgesetztem Festbetrag für das jeweilige Präparat strichen die Krankenkassen ein.
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