Freitag, 24. Oktober 2014

29. Mai 2009 04:38 Uhr

Buben als Opfer von Vergewaltigungen

Neu-Ulm (mick) - Wenn sexueller Missbrauch öffentlich thematisiert wird, beherrschen oft Zerrbilder und Vorurteile die Diskussion. Die Täter sind in der Regel männlich, die Opfer sind Mädchen oder Frauen, so das gängige Bild. Doch auch Jungen bleiben von sexuellen Übergriffen nicht verschont. Durch eine noch höhere Stigmatisierung und Tabuisierung finden sie dann selten den Mut, sich an helfende Stellen zu wenden. Die Folge ist eine dramatische Dunkelziffer des Bundeskriminalamtes (BKA), nach der jeder fünfte bis zehnte Junge in Deutschland betroffen sein könnte.

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Nun hat sich im Neu-Ulmer Landratsamt der "Runde Tisch gegen häusliche Gewalt" zu einem Workshop getroffen, um Vertreter von verschiedenen sozialen Einrichtungen, Polizei und Justiz aus der Region für dieses Thema zu sensibilisieren. Der Arbeitskreis unter der Leitung der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Renate Kögel, holte sich dazu zwei Experten von der Münchener Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle für männliche Opfer sexueller Gewalt (kibs) ins Haus.

"Jungen kommen selten von sich aus in die Beratung", weiß Sozialpädagoge Stefan Port aus Erfahrung. Der kibs-Mitarbeiter lehnt jedoch den Vergleich ab, ob es Mädchen oder Jungen in solch einer Situation schlechter geht. Wie seine Kollegin Ulrike Tümmler-Wanger möchte er bei den Teilnehmern mit eingefahrenen Denkmustern aufräumen. Dazu diente im Landratsamt eine "Sensibilisierungsübung", die überraschende Erkenntnisse zu Tage förderte.

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Aufgabe war es, in Gruppenarbeit verschiedene Alltagsbeispiele einer Skala von Eins bis Zehn zuzuordnen, wobei Zehn für die schwerste Form sexueller Gewalt steht. Waren sich die Teilnehmer bei eindeutigen Übergriffen noch relativ einig, stufte die eine Gruppe beispielsweise den "Klaps auf den Po" eines Mädchens deutlich höher und damit schlimmer ein, als die andere Gruppe bei Jungs. Doch kann sich ein Junge dadurch nicht genauso sexuell angegriffen und beleidigt fühlen, wie ein Mädchen? Zustimmung machte sich breit. Was aber, wenn ein Sechsjähriger beim Schulausflug Angst vor dem Gewitter hat und die Lehrerin ihn deshalb zum Übernachten in ihr Zimmer holt. Was harmlos klingt und oft auch ist, lässt sich nach den Erfahrungen von Stefan Port als ganz typisches Tätermuster finden. Ab wann sexuelle Gewalt überhaupt beginnt, empfinde jeder Mensch anders, betont der Sozialpädagoge.

Viel zu selten werden sexuell motivierte Verbrechen angezeigt und späte Aussagen von Betroffenen reichen vor Gericht häufig nicht mehr für eine Verurteilung der Täter aus, glauben die kibs-Mitarbeiter. "Nicht immer lässt sich das, was die Leute anzeigen, auch objektiv mit einer begangenen Straftat in Einklang bringen" gibt ein anwesender Polizist zu bedenken. Was stimmt nun? "Beides", so der Tenor.

Gut 25 Prozent der Opfer in Deutschland sind männlich. Das geht aus der polizeilichen Kriminalstatistik 2007 hervor. Dreimal mehr gefährdet sind dabei behinderte Kinder. "Auf die Region Neu-Ulm lassen sich aber keine Zahlen herunter brechen", so die Gleichstellungsbeauftragte Renate Kögel.

Was die Teilnehmer des Workshops gewonnen haben, ist auch die Einsicht, dass dieses sensible Thema noch wesentlich mehr thematisiert werden muss.

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