Montag, 26. Juni 2017

22. August 2013 00:32 Uhr

Musik

Coolness-Cocktail mit Gänsehaut-Garantie

Hellmut Hattlers jüngstes Album „The Kite“ überwindet alle Stilschranken. Ergebnis von drei Jahren Arbeit

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Neu-Ulm Nach über 40 Jahren Musikerkarriere muss Hellmut Hattler niemandem mehr etwas beweisen. Bei seinem neuen Album „The Kite“ („der Drache“) verzichtet der Ausnahmebassist deshalb auf virtuose Effekthascherei und setzt ganz auf das Mannschaftsspiel, stets nach der alten Musikerweisheit: Weniger ist mehr. Mit „The Kite“ hat er ein vielseitiges Werk geschaffen, das es in sich hat. In zwölf Stücken, an denen Hattlers langjähriger Kreativpartner Peter Musebrink kompositorisch einen großen Anteil hat, will der 61-Jährige alle Stilgrenzen hinter sich lassen, Jazz, Soul, Techno, Pop, House und Funk verschmelzen – ein Gebräu aus Melancholie und Coolness.

Zum Auftakt gibt es im Titelstück Sitar-Klänge und chromatischen Gänsehautgesang von Sängerin Fola Dada im harmonischen Moll, dessen dissonanter Tritonus in der Barockmusik zum Ausdruck von Leiden und Tod verwendet wurde. Hattlers Bass schnarrt mechanisch im Hintergrund, elektronische Samples peppen die knapp vierminütige Geisterbeschwörung auf. Gleich wird die erfrischend transparente Produktion des Albums deutlich, auch hier wurde nur Hand angelegt, wo es unbedingt sein muss. Das zweite Stück „Wider“ ist eines der besten von „The Kite“. Nach verträumtem Beginn spitzt sich das musikalische Zwiegespräch zwischen Hattler und Joo Kraus, der bei vier Songs als Gastmusiker dabei ist, fast unbemerkt zu. Im Midtempo gehalten, ist das Stück ausgesprochen raffiniert dramatisiert und in einer ruhigen Zwischenpassage wird deutlich, wie wertvoll der Beitrag von Hattlers Tab-Two-Kollege Kraus ist.

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Schwermut und wohlgeformte Clubsounds

Das Intro und die schwermütige Grundstimmung des folgenden „Sliding in Slomo“ erinnert an Radiohead. Mit „Ballhaus Rubeau“ geht es funky weiter und Hattler gibt zum ersten Mal richtig Gas. Obwohl hier Sebastian Studnitzky statt Joo Kraus Trompete spielt, erscheint das Instrumental stark Tab-Two geprägt. Zunächst wirken die wilden Synthie-Einschübe übertrieben, doch dann fließt alles zum wohlgeformten Clubsound zusammen.

Mit „C 64“ haben Hattler und Musebrink nicht etwa eine Reminiszenz an den Heimcomputer der 1980er-Jahre geschaffen, sondern die Maschine wird zum Symbol der Existenz des 21. Jahrhunderts, die von Ausweg- und Sinnlosigkeit geprägt ist, verloren und armselig in einem altmodischen C-64-Spiel, wie Hattler textet. „Fine Days“ wird manchen Hörer erschrecken. Nur wer Pop liebt, kann mit dieser etwas glatt geratenen Zeitreise in die 1980er-Jahre etwas anfangen. Dafür kommt „Nirvana Club“ wieder hip und groovig daher, „Patient (Like The Water)“ ist soulig und hat einen wunderbar melodiösen Schluss. Wieder hat Joo Kraus dabei die richtigen Ideen.

Beim „Moola Bulla Jive“ wirkt Kraan-Schlagzeuger Jan Fride Wolbrandt mit, der bei dem Titel für Beats und Sounds zuständig ist. Hattler zaubert detailversessen ein markantes Riff über die Beat-Maschine. Nachdem bei „Tag 2“ noch mal Joo Kraus seinen Auftritt hat, gelingt Hattler und seinen Mitstreitern mit „Vibecontrol“ der ganz große Wurf. Die Arrangements sind derart perfekt geraten, dass man sich wünscht, die knapp sechsminütige Vision von Reisen und Meer würde niemals enden. Eine Verschnaufpause hat Hattler aber nicht vorgesehen – „The Kite Returns“, der Drache kehrt noch einmal für anderthalb Minuten zurück, bevor die „Naivety Suite“ mit ihrem unvermittelten Schluss den eben noch schwelgenden Hörer verzückt und voller Fragen zurücklässt.

Wieder neue Klangwelten ergründet

Bei „The Kite“ setzte Hattler wieder auf ein bewährtes Team: Jürgen Schlachter und Oli Rubow an Drums und Beatmaschinen, Sängerin Fola Dada und Torsten de Winkel an der Gitarre, dazu einige Gastmusiker. Drei Jahre reifte das siebte Hattler-Album, das sicher zu den besten des 61-Jährigen gehört. Der in Senden lebende gebürtige Ulmer, der mittlerweile zu den Urgesteinen der deutschen Jazzrock-Szene gehört, ergründet unermüdlich immer neue Klangwelten. Bei jeder Veröffentlichung wird der Bassist, der sich bei Kraan in den 1970er-Jahren mit spektakulären Soloeinlagen und unkonventionellem Plektrum-Spiel einen Namen gemacht hat, noch abgebrühter. An Abschied ist auch nach über vier Jahrzehnten nicht zu denken, was er mit „The Kite“ eindrucksvoll beweist.

Erschienen ist „The Kite“ bei 36Music/Broken Silence.

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