Samstag, 16. Dezember 2017

13. Oktober 2017 07:00 Uhr

Neu-Ulm/Ulm

Damit Erinnerungen nicht verschwinden

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt weitere Stolpersteine, die auf Holocaust-Opfer in Ulm und Neu-Ulm aufmerksam machen sollen. Das sind ihre Schicksale.

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Der Kölner Künstler Gunter Demnig säubert Stolpersteine, die er gerade verlegt hat.
Foto: Andreas Brücken

Zum dritten Mal kniet Gunter Demnig vor dem Haus in der Schützenstraße 38 auf dem Bürgersteig. Zum dritten Mal verlegt der Kölner Künstler Stolpersteine in Neu-Ulm. Zum dritten Mal erinnern sie an in der NS-Zeit verfolgte Juden, die in diesem Haus lebten.

Den ganzen Donnerstag ist Demnig in Neu-Ulm und Ulm unterwegs, um 32 Stolpersteine an zwölf Orten in den beiden Städten zu verlegen. Über die 96 mal 96 Millimeter große Oberfläche der Betonquader sind Bleche gebogen, auf denen Namen von Menschen graviert sind, die von den Nazis verfolgt wurden.

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Die Spendengelder für die Stolpersteine-Initiative gehen zurück

In Neu-Ulm ersetzt Demnig zum dritten Mal Pflastersteine durch Stolpersteine, in Ulm geschieht das zum fünften Mal. Doch in beiden Städten geht die Spendenbereitschaft für das Projekt zurück: 120 Euro fallen für einen Stolperstein an. In Neu-Ulm sprang die Hydraulikfirma Stiefel auf Bitten der an der Initative beteiligten Inge-Aicher-Scholl-Realschule für zwei Steine ein. In Ulm drängt die SPD-Fraktion im Gemeinderat Oberbürgermeister Gunter Czisch, die Initiative vehementer zu unterstützen.

An diese Opfer erinnern die Stolpersteine in Neu-Ulm und Ulm:

  • Alice und Ludwig Stoß, Augsburger Straße 45, Neu-Ulm

Die verwitwete Jüdin Pauline Elisabetha Stoß, genannt Alice, heiratete 1933 den anerkannten Neu-Ulmer Chirurgen Ludwig Stoß. Die beiden wollten vor der Hetze nach Großbritannien fliehen, scheiterten aber. Zurück in der Heimat unterstützten Neu-Ulmer Würdenträger das Ehepaar. Ludwig soll zu führenden Nazis gesagt haben: „Wenn meiner Frau auch nur das geringste passiert, werde ich keinen mehr von euch operieren“. Nach dem Luftbombardement im März 1945 kamen Alice und Ludwig Stoß im Wullenstetter Gasthaus Krone unter, später versteckte sich Alice aus Angst vor den Nationalsozialisten in einer Mühle in Attenhofen. Nach dem Krieg übernahm Ludwig die Leitung der Chirurgischen Klinik in Ulm. Die Ehe der beiden wurde 1954 geschieden. Alice starb im November 1979, ihr Grab auf dem Ulmer Friedhof besteht noch heute.

  • Pauline und Arthur Strauß, Insel 2, Neu-Ulm

Das jüdische Ehepaar Pauline Landauer und Arthur Strauß heiratete im November 1902 in Mergentheim und zog kurz darauf nach Neu-Ulm. Im März 1919 kaufte Arthur das Bürgerrecht für 60 Reichsmark und das Paar zog in das Haus Insel 4 (heute: Insel 2). Als das Entmietungsgesetz der Nationalsozialisten in Kraft trat, musste das Ehepaar die Wohnung räumen und ins sogenannte Judenhaus in der Hindenburgstraße 34 ziehen. Im Juli 1939 erhielten die beiden eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für einen Reisepass, ein Jahr später reisten sie mit dem Schiff von der portugiesischen Hauptstadt Lissabon nach New York. Auf einer Registrierkarte ist die erste Adresse der beiden im Bundesstaat New York verzeichnet, 1941 wird dem Ehepaar die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Danach verlieren sich die Spuren.

In einem Haus in der Neu-Ulmer Schützenstraße lebten mehrere verfolgte Juden

  • Paula und Emil Neumann, Schützenstraße 38, Neu-Ulm

Auch das Ehepaar Paula und Emil Neumann musste zwangsweise ins sogenannte Judenhaus in der Hindenburgstraße 34 ziehen. Das Ehepaar hatte zunächst in Ulm gewohnt, wo Emil als Kaufmann arbeitete. Im Jahr 1910 zogen die beiden mit ihren drei Kindern nach Neu-Ulm. Siegfried, der einzige Sohn, wanderte 1937 nach Brasilien aus, die jüngste Tochter Ilse verließ Deutschland zwei Jahre später in Richtung USA. Cilli, die älteste Tochter wanderte ebenfalls im Jahr 1939 in die Vereinigten Staaten aus. Weitere zwei Jahre später flüchteten Paula und Emil Neumann zu ihrem Sohn Siegfried nach Brasilien, wo sie bis zu ihrem Tod lebten.

  • Cilli und Paul Schulmann, Schützenstraße 38, Neu-Ulm

Cilli Schulmann kam im Oktober 1910 als älteste Tochter von Emil und Paula Neumann in Ulm zur Welt. Mit ihrem Mann Paul, den sie 1935 heiratete, lebte sie nach der Hochzeit zunächst bei ihren Eltern in der Schützenstraße 38. Auch das Ehepaar Schulmann musste Ende April zwangsweise ins sogenannte Judenhaus ziehen. Bereits davor war Paul Schulmann verhaftet worden: Von November 1938 bis Januar 1939 war er im Konzentrationslager Dachau interniert. Als die Einreisegenehmigung für die USA eintraf, wurde Paul entlassen. Am 22. November verließen Cilli und Paul Deutschland in Richtung USA. Dort lebten die beiden beim Ehemann einer Cousine Pauls. Als die Schulmanns US-Bürger wurden, änderten sie ihren Nachnamen in Schulman, Cilli auch ihren Vornamen in Celia. Ruth Feigenbaum, eine von zwei Töchtern der beiden, berichtet, dass Celia im Jahr 1991 ihre Geburtsstadt Ulm besucht habe und gastfreundlich empfangen worden sei. Celia Schulman starb 2011 mit fast 101 Jahren.

In Ulm wurden 24 neue Stolpersteine verlegt

  • Johann, Josef und Barbara Seibold, Kapellengasse 25, Ulm
  • Konrad Seibold senior und Konrad Seibold junior, Uhrenmachergasse 23, Ulm
  • Albrecht Vogt, Heimstättenstraße 29, Ulm,
  • Rosa, Siegfried, Elly und Maja Kluger, Hasslerstraße 42, Ulm
  • Heinrich, Eda, Suse und Lottie Barth, Ensingerstraße 21, Ulm
  • Julius und Dora Barth, König-Wilhelm-Straße 35, Ulm
  • Erich, August, Margarethe und Luise Nathan, Heimstraße 29, Ulm
  • Else Ehekircher, Wengengasse 18, Ulm
  • Bela Pauline, Max und Resi Weglein, Hans-und-Sophie-Scholl-Platz 2, Ulm
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