Landkreis (kai/kr) - Im Landkreis Günzburg läuft sie bereits, im Kreis Neu-Ulm wird derzeit überlegt, sie zu starten: die Aktion "Gelbe Karte" der Führerscheinstelle.

Die Mitarbeiter des Günzburger Landratsamts zeigen seit einiger Zeit potenziellen Führerscheinbewerbern die Gelbe Karte, wenn die Befürchtung besteht, dass diese "charakterlich nicht geeignet" sind, ein Auto oder Motorrad zu steuern. Charakterschwächen im Sinne des Gesetzes sind, wenn der Jugendliche durch besonders aggressives Verhalten auffällt oder offenbar Probleme mir Alkohol und/oder Drogen hat - selbst außerhalb des Straßenverkehrs.
Erfahren die Sachbearbeiter im Günzburger Landratsamt davon - etwa von der Polizei - zeigen sie dem Fahrschüler in spe besagte Gelbe Karte: In einem Schreiben wird dem Jugendlichen unmissverständlich verklickert, dass es möglicherweise vorerst nichts wird mit seinem Führerschein, sollte er weiter negativ auftreten. Den "Lappen" werde er dann nur bekommen, wenn seine Eignung bei einemmedizinisch-
psychologischen Gutachten (MPU oder volkstümlich"Idiotentest") nachgewiesen werden kann. Wer bereits einen Führerschein hat, muss bei Bekanntwerden der oben erwähnten "Charakterschwächen" mit Sicherheit ebenfalls mit Post aus dem Landratsamt rechnen - selbst wenn er nicht im Rausch am Steuer gesessen ist.
Das Landratsamt Günzburg hofft, mit diesen Gelben Karten den betroffenen Jugendlichen den Ernst der Lage deutlich zu machen - bevor sozusagen das Kind in den Brunnen gefallen ist, frei nach dem Motto: Wenn das mit dem Saufen nicht aufhört, steht der Führerschein in den Sternen.
Bereits jetzt haben die Führerscheinstellen die Möglichkeit, Jugendliche schon vor der ersten Fahrstunde zur MPU zu schicken. Aber erst, wenn ein Gericht tätig war.
Wird ein noch führerscheinloser Zeitgenosse beispielsweise wegen Drogenmissbrauchs vom Richter verurteilt, kann er zum Idiotentest gebeten werden. Jürgen Koch, Leiter der Führerscheinstelle im Landratsamt Neu-Ulm: "Wir schauen uns jeden Fall genau an." Er und seine Mitarbeiter scheuen sich aber nicht, auffällige Burschen und Mädchen zur MPU zu schicken. Falle das Ergebnis für den Begutachteten negativ aus, kann er sich vorerst die Fahrprüfung abschminken. In die Fahrschule darf er erst, wenn eine weitere MPU positiv für ihn ausgeht. Falls nicht, wartet er bis zum St. Nimmerleinstag auf den Lappen.
Nach Angaben von Jürgen Koch, werde derzeit im Neu-Ulmer Landratsamt geprüft, es in Sache Gelber Karte den Kollegen auf Günzburg gleichzutun.
Im Nachbarlandkreis sind sowohl Landratsamt als auch Polizei überzeugt, dass die Warnschüsse der Führerscheinstelle ihre Wirkung nicht verfehlen. Sie seien eine zusätzliche Möglichkeit, nachhaltig auf junge Menschen "einzuwirken". Wie es in einer Erklärung heißt: "Der Führerschein ist den meisten Jugendlichen heilig. Der Verlust des Scheins und die damit verbundene Einschränkung der Mobilität tun richtig weh."
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren