Ulm Familien mit schwer kranken Kindern sollen beim oft schwierigen Übergang vom Klinikaufenthalt ins häusliche Leben von Lotsen unterstützt werden. Das haben die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin und die AOK Ulm-Biberach gestern in einem Vertrag zur sozialmedizinischen Nachsorge vereinbart.
Das früh geborene oder schwer kranke Kind ist nach langem Aufenthalt in der Klinik endlich zu Hause. Waren wochenlang Ärzte, Pflegekräfte oder auch Psychologen rund um die Uhr für Kind und Eltern da, ist die Familie nun bei allen pflegerischen, pädagogischen, psychologischen und finanziellen Fragen auf sich allein gestellt.
"Diese Belastung direkt nach einem Klinikaufenthalt ist für viele Familien enorm und kann das gesamte familiäre Umfeld ins Wanken bringen", erklärte Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und Dekan der Medizinischen Fakultät. "Unser Team aus Kinderärzten und -pflegekräften, Sozialpädagogen und Psychologen bereitet mit den Eltern schon während des Klinikaufenthaltes ihres Kindes die Rückkehr nach Hause vor. Als Lotsen helfen sie auch nach dem Klinikaufenthalt bei der Organisation und Bewältigung des Alltags, der Förderung des Kindes und halten Kontakt zu Hausärzten und Sozialeinrichtungen."
Diese Unterstützung zu leisten, ist Ziel der Vereinbarung zwischen dem Universitätsklinikum Ulm und der AOK Ulm-Biberach. "Bei schwerstkranken Kindern und Jugendlichen erweist sich der Übergang von einem Krankenhausaufenthalt in die ambulante Versorgung oft als sehr schwierig. Die Eltern benötigen professionelle Unterstützung. Hier kann die sozialmedizinische Nachsorge als Hilfe zur Selbsthilfe unterstützend wirken", so Dr. Sabine Schwenk, Geschäftsführerin der AOK Ulm-Biberach. Die Kasse, die in der Region etwa die Hälfte aller Versicherten betreut, ist mit der Vereinbarung Vorreiter. Der Vertrag läuft zunächst bis Ende 2011. Die Uniklinik hofft, dass weitere Kassen dem Beispiel der AOK folgen.
Bisher unterstützten die Förderkreise für tumor- und leukämiekranke Kinder und für intensivpflegebedürftige Kinder die Familien sehr kranker Kinder nach Möglichkeit. Nun kann die gemeinsame Hilfe umfassender erfolgen. "Mit unserem Projekt schließen wir eine Versorgungslücke, denn nach unseren Schätzungen gibt es jährlich bei etwa 170 bis 250 Kindern aus der Region, die an unserer Klinik behandelt werden, einen erhöhten Bedarf an dieser Unterstützung. Wir wollen sie kontinuierlich ausbauen", sagte Rainer Schoppik, der Kaufmännische Direktor des Universitätsklinikums. (mru)
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