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31. Mai 2011 00:07 Uhr

Wiederkehr

Das Wunder von Roggenburg

Bayerisches Nationalmuseum gibt Konventbild des Klosters zurück Von Manfred Deger

Der alte und der neue Konvent: Das Gründungsgemälde des Klosters von Hans Martin Kuen ist an seinen alten Platz im Kapitelsaal zurückgekehrt.
Foto: mde

Roggenburg Es ist ein Hingucker. Das war es auch im Bayerischen Nationalmuseum in München. Und das mag einer der Gründe gewesen sein, warum es sich 140 Jahre lang nicht von dem zweieinhalb mal vier Meter großen Bild des Kirchenmalers Franz Martin Kuen (1719-1771), dem Gründungsgemälde des 1768 vollendeten Prämonstratenserklosters Roggenburg, trennen wollte. „Die Rückgabe wäre fast ein Wunder, was die Museen einmal haben, verwahren sie“, meinte Neu-Ulms Kulturreferent und Museumsleiter Walter Wörtz vor Jahren während einer Führung durch das Klostermuseum Roggenburg. „Wer nicht an Wunder glaubt, wird auch keines erleben“, antwortete Pater Gilbert Kraus, der Provisor des Klosters damals nachdenklich.

Zusammen mit Pater Rainer Rommens, dem Prior des Klosters, kämpfte er jahrzehntelang um die Rückkehr des Konventgemäldes an seinen Stammplatz im Kapitelsaal des Klosters. Jetzt ist das kunsthistorische Wunder geschehen. „Wir sind einfach glücklich. Die Rückkehr des Konventbildes ist im Zuge der Gesamtsanierung einer der Höhepunkte in der Geschichte der Wiederbesiedelung des Klosters. Entgegen vieler Vermutungen ging der Rückkehr keine feindliche Rückholung voraus“, meinte Pater Rainer bei der Einweihung des fertiggestellten Kapitelsaales und löste damit bei den Gästen und bei den Konventmitgliedern augenzwinkernde Fröhlichkeit aus.

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Er dankte Dr. Renate Eikelmann, der Generaldirektorin des Bayerischen Nationalmuseums in München, für ihr Verständnis und betonte, dass sich zwischen dem Kloster und dem Nationalmuseum eine wohltuend-kulturelle Freundschaft entwickelt habe. Sein Dank galt auch Dr. Friedrich Wilhelm Rothenpieler und Dr. Peter Wanscher vom Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Ihnen vor allem verdanke das Kloster die Rückgabe des Gemäldes, so Pater Rainer. Unter den Konventmitgliedern waren auch der Abt des Prämonstratenser Klosters Windberg (zu dem das Priorat Roggenburg gehört) und Abt Thomas Handgrätinger, der Generalabt des Prämonstratenser Ordens aus Rom zu entdecken. Das Gewicht des Ereignisses unterstrichen auch Landrat Erich Josef Geßner, der Vorsitzende des Vereines der Freunde des Klosters Roggenburg, und Staatsministerin Dr. Beate Merk mit ihrer Anwesenheit.

Kapitelsaal wurde zum Stall degradiert

Bei der Säkularisation 1803 hatte der letzte Reichsprälat des Klosters Roggenburg, Thaddäus Aigler, das Gründungs- und Konventbild des Klosters zusammen mit der gesamten Äbtegalerie und den in Teilen noch vorhandenen Thesenbildern der Prämonstratenser ersteigert. Abt Aigler bestimmte in seinem Testament die Armenkasse Roggenburg zum Eigentümer und verlangte, „dass diese Bilder auf ewige Zeiten zusammenbleiben sollen“. Das von Franz Martin Kuen 1768 geschaffene Konventbild hing (wie jetzt wieder) an der Rückwand des Kapitelsaales. Dieser war nach Auflösung des Klosters zum Pferde- und Schweinestall degradiert worden, sodass das Bild seinen angestammten Platz verlor. Der Nachfolger des letzten Prämonstratenser-Pfarrers Ludolf Weiler gab das Bild zur geeigneten Aufbewahrung 1881 in staatliche Obhut.

Auf dem Kuen-Gemälde hat sich der gesamte erste Konvent des neuen, barocken Klosters zur Verehrung seiner Schutzheiligen Augustinus, Norbert, Maria und Johannes dem Täufer versammelt. Die 40 Chorherren gruppieren sich in einer Reihe vor den Heiligen. Kuen hat jedes Konventmitglied individuell porträtiert. An der Spitze kniet der Abt und bringt den Kirchenpatronen die vollendete Klosteranlage dar. Jeder Chorherr ist mit einem Buchstaben bezeichnet. Die mit dem Wappen des Abtes gekrönte Muscheltafel am rechten Bildrand nennt das Alter aller Dargestellten. Engel tragen die beiden Monstranzen, die vornehmsten Heiligtümer des Stiftes. Beide sind im Klostermuseum und in der Klosterkirche zu bewundern. Die lateinische Inschrift im linken oberen Bildbereich wendet sich mit der Bitte an die Kirchenpatrone: „Unter diesem Patrozinium möge das neue Haus von Roggenburg erblühen“. Mit der Rückgabe des Konventbildes blüht es in altem Glanz.

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