Dienstag, 26. September 2017

11. Januar 2012 23:00 Uhr

Verwaltung

Dem Finanzamt gehen die „Spürnasen“ aus

Weniger Kontrollen in Betrieben, weil Behörde rund 25 Mitarbeiter fehlen

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Neu-Ulm Dem Neu-Ulmer Finanzamt fehlen aktuell etwa 25 Mitarbeiter. Dadurch finden Steuerprüfungen in Betrieben immer seltener statt. Wie Behördenchef Stefan Ruess gestern im Gespräch mit unserer Zeitung sagte, zieht sich der Personalmangel quer durch alle Fachabteilungen und Besoldungsgruppen.

Da die Bearbeitung der „normalen“ Steuererklärungen von Arbeitnehmern Vorrang habe und an Fristen gebunden sei, könne das Amt immer weniger Mitarbeiter im Außendienst einsetzen. Die Zahl der Betriebsprüfungen – die häufig zu zusätzlichen Steuereinnahmen führen – gehe deshalb zurück. „Ein Stück weit“ sieht Ruess dadurch auch die allgemeine Steuergerechtigkeit in Gefahr. Denn jede Betriebsprüfung habe auch einen gewissen vorbeugenden Charakter, was Steuerdelikte betrifft. Keineswegs wolle er Unternehmern generell die Absicht unterstellen, das Finanzamt zu betrügen. Oft sei auch schlicht Unkenntnis die Ursache für steuerliche Ungereimtheiten. Doch solche Ungereimtheiten kommen eben meist erst bei einer Steuerprüfung ans Tageslicht.

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Durch die Mitarbeiterknappheit bei den Finanzämtern aber werden gerade kleinere und mittlere Betriebe mitunter viele Jahre lang nicht geprüft. „Der Steuermoral ist das natürlich nicht gerade förderlich“, sagt Ruess. Schuld am Personalmangel sei die zögerliche Einstellungspraxis der Staatsregierung. In den vergangenen Jahren sei so wenig Nachwuchs rekrutiert worden, dass nicht einmal die altersbedingten Abgänge aufgefangen werden könnten.

Die Einführung der elektronischen Steuererklärung (ELSTER, siehe Infokasten) habe letztlich nicht dazu geführt, dass die Arbeitsbelastung auf den Finanzämtern weniger werde. „Auch die elektronischen Angaben müssen immer noch von einem Menschen geprüft werden“, sagt Ruess.

Zudem komme es immer wieder vor, dass hoch qualifizierte Steuerexperten den Staatsdienst verlassen, um ihre Kenntnisse in der freien Wirtschaft zu versilbern – etwa bei Steuerkanzleien. Denn was die Besoldung der Finanzbeamten betrifft, so Ruess, habe es in den vergangenen Jahren etliche Nullrunden und Einschnitte gegeben. Dies mache sich nun auch bei der Suche nach Nachwuchs bemerkbar.

Dem Finanzamt fehlt der Nachwuchs

Eine Laufbahn als Finanzbeamter, die einst für einen sicheren Arbeitsplatz mit gutem Auskommen stand, sei für die qualifizierten Bewerber längst nicht mehr so attraktiv. Gerade in einer wirtschaftlich starken Region wie Ulm/Neu-Ulm stehe die Behörde in starker Konkurrenz um die geeigneten Schulabgänger. So verwundere es nicht, dass im Neu-Ulmer Finanzamt häufig Lehrlinge aus strukturschwachen Regionen Bayerns ihren Dienst antreten. „Wir stehen hier vor gewaltigen Herausforderungen“, sagt Ruess. Seine Behörde, die 235 Mitarbeiter zählt, sei deshalb schon seit Jahren dabei, gezielt an Schulen oder bei Bewerbungstagen um Nachwuchs zu werben. Diese Strategie sei auch erfolgreich, sagt Ruess, doch entscheidend sei, dass der Freistaat künftig genügend Planstellen schaffe. Selbst wenn das Finanzamt derzeit schwach besetzt sei, sollten diejenigen Bürger, deren Gewissen in steuerlichen Dingen nicht ganz rein ist, sich nicht in Sicherheit wiegen. Amtschef Stefan Ruess: „Die nächste Prüfung kommt bestimmt. Mit ihrer großen Erfahrung machen unsere Mitarbeiter viele Engpässe wett.“

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Stefan Ruess | Neu-Ulm | Ulm

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