Donnerstag, 27. April 2017

29. November 2013 00:41 Uhr

Ausstellung

Der Führer hängt am Weihnachtsbaum

Museum der Brotkultur zeigt unter dem Titel „Aufgeputzt!“ festlichen Schmuck aus zwei Jahrhunderten – darunter auch manch ziemlich unchristliche Geschmacklosigkeit

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Ulm Wer 2012 mit dem Trend gehen wollte, schmückte seinen Christbaum mit Kugeln in Türkis oder auch Pink. 2013, so heißt es auf einschlägigen Internetseiten, steht das klassische Rot wieder hoch im Kurs, gerne kombiniert mit dekorativen Glasvögeln in allerlei Variationen. Christbaumschmuck heute ist vor allem eine Frage des ästhetischen Empfindens. Doch das war nicht immer und überall so: Das Museum der Brotkultur im Ulmer Salzstadel zeigt in seiner aktuellen Ausstellung mit Exponaten aus zwei Jahrhunderten, dass die Dekoration der festlichen Tanne oft auch ein Spiegel der jeweiligen Zeit war – und das nicht nur im Guten.

400 Exponate aus einer Ehinger Privatsammlung

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„Aufgeputzt“, so der Name der Weihnachtsschau, zeigt Exponate aus der Sammlung der Schreiner GmbH aus Ehingen-Rißtissen. Deren Gründer Walter Schreiner hat zusammen mit seiner Frau Krystyna über Jahrzehnte historischen Christbaumschmuck von der Biedermeierzeit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zusammengetragen. Aus diesem überreichen Bestand hat Kurator Matthias Mayerhofer rund 400 aussagekräftige Stücke ausgewählt.

Die Sammlung Schreiner reicht bis in die früheste Zeit der Christbaumkugel zurück. Denn bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde der immergrüne „Paradiesbaum“ vor allem mit Essbarem geschmückt. Erst parallel zur Blüte der Porzellanherstellung im Rokoko entstanden die bunten Glaskugeln, die sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Christbaumdekor durchsetzten. Deutschland entwickelte sich zum ersten Zentrum dieser Industrie. Vor allem Glaskugeln und -figuren aus dem sächsischen Lauscha und aus Glasperlen hergestellter Schmuck aus Gablonz im nordböhmischen Isergebirge wurden zum Exportschlager. Weihnachtsdekor aus diesen beiden Zentren steht auch in der Ausstellung im Mittelpunkt.

Doch neben Kugeln, Engeln und Schneemännern ist auch einiges zu sehen, was eher unweihnachtlich ist: In einer Vitrine steht abschussbereit eine „Dicke Bertha“ aus Gablonz, in einer anderen liegen ein gläserner Panzer neben einem Zeppelin und einer Hindenburg-Büste. Doch das ist nichts gegen einen Weihnachtsbaum aus den 1930er Jahren: Seine Kugeln sind geschmückt mit Hakenkreuzen und SS-Runen, knapp unter der Spitze hängt ein Konterfei Adolf Hitlers, gleich neben einer Glocke mit der Aufschrift „Von Glaube und Opfer lebt ein Volk“. Ein auch für Kurator Mayerhofer immer noch irritierendes Exponat: „Mit der weihnachtlichen Friedensbotschaft hat das natürlich nichts mehr zu tun.“ Nicht erst die Konsumgüterindustrie hat das Fest der Geburt Jesu für ihre Zwecke missbraucht.

Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 1. Dezember, um 11 Uhr. Zur Einführung spricht Alexander Schreiner, Geschäftsführer der Schreiner GmbH. „Aufgeputzt!“ läuft bis 12. Januar, geöffnet täglich 10 bis 17 Uhr.

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Ulm | Deutschland | Adolf Hitler

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