Das Regionalbüro der katholischen Arbeitnehmerbewegung Iller-Donau zieht nach Weißenhorn. Und hat alle Abteilungen unter einem Dach. Von Jens Carsten

Von Jens Carsten
Weißenhorn Sie greifen Arbeitern in der Region nun von der Fuggerstadt aus unter die Arme: Das Regionalsekretariat der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) Iller-Donau ist zu Jahresbeginn von Vöhringen nach Weißenhorn umgezogen. Gemeinsam mit der christlichen Arbeiterjugend (CAJ) und der Betriebsseelsorge der Diözese Augsburg haben sich die Helfer im zweiten Stock des ehemaligen Schwesternwohnheims bei der Stiftungsklink in der Günzburger Straße 45 einquartiert. Stiftungsdirektor Konrad Hunger hatte die Etage zuvor nach den Bedürfnissen der drei Dienststellen umbauen lassen: Vier geräumige Büros mit gemüptlichen Teppichböden und reichlich Platz für Kopiergeräte und Computerserver reihen sich in einem Gang aneinander, dazu gibt es zwei Konferenzzimmer und eine Kaffeeküche.
Drei Abteilungen unter einem Dach – Wolfgang Milde-Lang, der Regionalsekretär der KAB, ist die Freude über den neuen Standort förmlich anzusehen: „Wir erfüllen den Anspruch der Kirche, Ressourcen gemeinsam zu nutzen: Hier sitzen alle in einem Boot.“
In ihrem neuen Stützpunkt im zweiten Stock wollen die fünf hauptamtlichen Mitarbeiter die Arbeitswelt fest im Blick behalten. Ihr erklärtes Ziel: Der Kampf für soziale Gerechtigkeit. „Die katholische Soziallehre spricht sich eindeutig für die Arbeit aus – wenn ich arbeite, muss ich auch davon leben können“, sagt Betriebsseelsorgerin Martina Berndt-Hoffmann. Doch so einfach sei es für viele Arbeitnehmer eben nicht – auch nicht in der wirtschaftlich starken Region um Neu-Ulm. „Es gibt viele Leiharbeiter, die nur wenig verdienen“, erläutert Thomas Hoffmann, ebenfalls Betriebsseelsorger. Für die beiden gibt es reichlich Arbeit: Ihr Zuständigkeitsbereich erstreckt sich über die Landkreise Günzburg und Neu-Ulm bis nach Feuchtwangen im mittelfränkischen Landkreis Ansbach, der nördlichen Grenze des Bistums Augsburg. Tausenden Arbeiter in Hunderten Firmen wollen bei Bedarf versorgt werden. Zwar können die beiden auf ein Netzwerk von Ehrenamtlichen und KAB-Ortsverbänden zurück greifen, doch wenn es für die Arbeiter Ernst wird – etwa weil ein Unternehmen einen Standort dicht machen will – sind die Hoffmanns gefragt. Jüngstes Beispiel: Die Schließungen der Drogeriemarktkette Schlecker. „Wir informieren uns vor Ort und bieten Gespräche an“, sagt Martina Berndt-Hoffmann. „Vielen Betriebsräten tut es gut, wenn sie mal mit jemandem reden können, der sie nicht gleich bedrängt“, weiß die Beraterin. Ein „Dauerbrenner“ bleibe die Arbeit an Sonntagen, gerade in Handelszentren wie Senden und Neu-Ulm.
Der ehrenamtliche KAB-Präses Ulrich Hoffmann, Bruder des Betriebsseelsorgers und damit wie er sagt „Teil einer glücklichen KAB-Familie“, bringt den Ansatz der Arbeitnehmerbewegung auf den Punkt: „Wir wehren uns gegen die Verzweckung von Beschäftigten, der Mensch muss Mensch bleiben können.“ Stichwort: Burnout-Syndrom, also emotionale Erschöpfung. „Man sollte diese Krankheit nicht nur behandeln, sondern auch die Umstände ändern, damit sie gar nicht erst auftritt.“
Das berufliche Ausbrennen ist heute bereits für viele Jugendliche ein Thema, sagt Larissa Neff, die Leiterin der regionalen CAJ: „Das ist ein Problem.“ Deshalb will der Verband Schülern eine starke Schulter bieten, etwa durch kostenlose Trainingseinheiten für die Quali-Prüfung. Ein zweites Anliegen: Das Image von Mittelschülern aufbessern. Dazu hat die CAJ eine Kampagne ins Leben gerufen. Ein Plakat zeigt eine Friseurin, die Aufschrift lautet: „Wer macht Dich schön? Das Mädchen von der Hauptschule.“
Das Weißenhorner Regionalbüro soll ein Treffpunkt für Jugendliche und Hilfesuchende werden. Geht es nach den Mitarbeitern, dann stehen ihre Türen jedem offen, sagt Regionalsekretär Milde-Lang: „Es ist meistens jemand da.“ Und falls nicht: „Einfach anrufen.“
Kontakt: Das Regionalbüro ist von Montag bis Donnerstag von 9 bis 12Uhr geöffnet oder nach Vereinbarung unter Telefon (07309)9290310.
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