Unterelchingen Gedämpftes Licht herrscht in der "Kings Arena" in der Unterelchinger Daimlerstraße. Wo früher einmal tennisbegeisterte Freizeitsportler auf vier Plätzen sich die Filzkugeln um die Ohren droschen, zwangsläufig der ein oder andere emotionale Ausbruch lautstark widerhallte, stehen heute 32 Poolbillard-Tische, 16 Snooker-Tische - und inmitten kleinerer Tribünen sechs weitere Snooker-Tische. Zu hören ist allenfalls ein regelmäßiges, leises Klacken, ab und zu auch höflicher, unaufdringlicher Beifall.



Die Umgangssprache ist Englisch mit auffallend ausgeprägtem britischen Akzent, leise und immer höflich. Die Snooker-Welt ist nun mal fest in britischer Hand - und einige ihrer besten Spieler sind an diesem Wochenende zu Gast in Elchingen bei den "Snooker-Open". Hans Blanckaert hat sie hierher gelotst. Gemeinsam mit Stephan Caspers hat der belgische Snooker-Profi 2006 den Billard-Tempel in der Pampa eröffnet, mit viel Mut und noch mehr Idealismus. Das Turnier soll helfen, Snooker populärer zu machen. Eurosport trägt mit seinen regelmäßigen TV-Übertragungen dazu bei.
Selbst ein rosa Elefant kann nicht stören
Durchhaltevermögen bringt ihr Sport mit sich, ohne geht gar nichts. Auf dem Level der Top-Spieler muss man für ein einziges Spiel bis zu vier Stunden am Tisch stehen. Und täglich trainieren, mindestens sechs Stunden. Der Schlüssel zum Erfolg: "Du willst in die Zone kommen, diese Zone, in der alles um dich herum verschwindet, wo nur das grüne Tuch existiert und die Kugeln", beschreibt Blanckaert die Konzentrationsstärke, die Spitzenspieler erreichen. "Da könnte ein rosa Elefant am Nebentisch spielen, und du würdest ihn nicht sehen. Aber wenn du anfängst zu denken, hast du verloren."
So gehört es durchaus zu den strategischen Varianten, den Gegner zum Denken anzuregen: Extra lange nach der richtigen Stoß-Variante suchen, obwohl sie offensichtlich auf dem Tisch liegt, noch einmal um den Tisch herumlaufen, ansetzen, wieder aufrichten - die Bandbreite der kleinen Tricks, seinen Gegenüber aus dem Konzept zu bringen, ist reichhaltig. Noch einmal die Pomeranze kreiden, das kleine Lederstück an der Queue-Spitze, und noch einmal. Nuancen entscheiden, ob das Nervenkostüm hält. "Das ist wie ein Krieg, wie eine Psycho-Schlacht", beschreibt Hans Blanckaert. Wer sich am besten konzentriert, gewinnt.
In Unterelchingen gibt¿s für den Sieger 4000 Euro, insgesamt werden 20 000 Euro ausgeschüttet. Mehr gibt es in Deutschland nicht zu gewinnen. Und die Kosten für das Turnier liegen deutlich darüber. Aber Caspers und Blanckaert glauben an ihre Billard-Halle, glauben an den Erfolg eines Top-Turniers inmitten eines kleinen Industriegebietes in der Nähe des Autobahn-Kreuzes "Ulm-Elchingen".
Snooker hat sie geprägt: das ständige Wiederholen, das ständige Üben, das Hinausschieben der Grenzen. Beide haben Schicksalsschläge überstanden. "Du musst erst richtig verlieren lernen, erst richtig auf die Mütze kriegen", weiß Hans Blanckaert, "erst dann kannst du auch richtig gewinnen."
Stephan Caspers war nach einem schweren Autounfall zwei Jahre außer Gefecht, "Trümmerbrüche in Becken und Handgelenk", berichtet er. Heute ist er amtierender deutscher Vize-Meister mit der Mannschaft des PBC Ulm/Neu-Ulm. Blanckaert hatte einen eigenen Bilardclub in seinem Heimatland Belgien, verkaufte ihn an einen Freund. Die Schecks platzten, "ich stand da mit einem Auto, meinem Queue und 70 Cent in der Tasche", erzählt er. Aber er hat sich wieder hochgekämpft, unermüdlich gespielt, trainiert, Schaukämpfe geliefert - in ganz Europa. "Es geht immer weiter", sagt Blanckaert, dem Aufgeben nicht liegt. Die "Kings-Arena" zählt zu den größten Snooker-Hallen in Europa.
Sportliche Herausforderung: riesiger Tisch, kleine Kugeln
"Snooker hat Zukunft", sind beide überzeugt. Stephan Caspers war bereits an mehreren Billard-Hallen beteiligt, "am Wochenende hatten wir manchmal Wartelisten von mehr als 80 Personen." Dank der beständigen TV-Übertragungen in den Spartensendern kommt Billard auch weg vom Schmuddel-Image, dessen sich das Kino so gern bedient.
Und Snooker bietet eine echte sportliche Herausforderung, denn es verlangt eine hohes Maß an Präzision: Der Tisch ist riesig, genau 3569 Millimeter x 1778 Millimeter, die Kugeln sind deutlich kleiner als beim klassischen Poolbillard-Tisch im Nebenzimmer der Sportgaststätte. Ebenso die Löcher in den Tischecken und den langen Banden. "Als ich das erste Mal gespielt habe, haben wir eine Stunde gebraucht, bis wir endlich unsere erste Kugel versenkt hatten", erinnert sich Stephan Caspers schmunzelnd. Bei den "Snooker-Open" geht¿s schneller.
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