Mittwoch, 22. Mai 2013

25. April 2012 09:58 Uhr

Festival Neue Musik Ulm

Die Stoppuhr läuft im Stadthaus mit

Für die Neuausgabe des dreitägigen Festivals Neue Musik am Wochenende im Stadthaus hat sich der künstlerische Leiter Jürgen Grözinger in der Hommage an die amerikanische Komponisten-Schlüsselfigur des 20. Jahrhunderts John Cage etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Neben einer Auftragskomposition für präpariertes Klavier des türkischen Komponisten Ali N. Askin im Geiste von Cage am Freitag winkt ein Preview der Inszenierung des Theaters Ulm seiner Cage-Musiktheater-Premiere (14. Juni im Großen Haus). Eine weitere Kooperation mit dem Stadthaus ergibt sich zum dritten Mal in der konzertanten Multiplikation mit den Kulturmachern von Schloss Großlaupheim, wo bereits am Donnerstag ein Mix aus den Ulmer Freitags- und Sonntagskonzerten (inklusive Askins Uraufführung) über die Bühne geht.

Von Roland Mayer

Ulm Der 49000-Euro-Gesamtetat des Festivals ist Stadthausleiterin Karla Nieraad zufolge nur mithilfe von Sponsoren zu stemmen: Die Kunststiftung Baden-Württemberg ist ebenso daran beteiligt wie etwa die Fördertöpfe der Kammerakademie Neuss am Rhein. Und der Förderkreis ermöglichte sieben von Jürgen Grözinger betreute Workshops an Gymnasien. Unter den 140 Schülern waren auch Musiktalente aus dem Ulmer Humboldt-Gymnasium. Dem Festivalleiter zufolge spannt die Cage-Hommage sowohl einen Bogen vom Start der Neuen Musik 1996 (wo Cage-Kompositionen bereits im Rampenlicht standen) als auch durch sämtliche Schaffensperioden des US-amerikanischen Tonschöpfers, der mit seinen Zufallsoperationen und Zeitklammern auch die (im Grunde unfassbare) Stille komponierte.

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So wird das Stadthaus ab Freitag drei Tage lang zum Cageraum. Die Auftragsarbeit Askins („Never Can Say Goodby“) erklingt im Finale des Freitagskonzerts (20 Uhr) nach seiner Uraufführung tags zuvor im Schloss Großlaupheim (20 Uhr) als konzertantes Stück für präpariertes Klavier, 17 Streicher und drei Schlagzeuger. Das etwa 35-minütige Werk ist 2012 auf Wunsch des Stadthausteams entstanden. Die Auftragsarbeit des als Sohn türkischer Einwanderer in München geborenen Ali N. Askin ist eine Eigenkreation von Cages „Sonatas and Interludes“ (die zuvor erklingen). Den Solopart übernimmt mit dem griechischen Pianisten Antonis Anissegos ein ausgesprochener Spezialist zeitgenössischer Musik. Das European Music Project wird durch ein umfangreiches Streicherensemble der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein erweitert.

Im Zentrum des um 20 Uhr startenden Samstagskonzerts stellt sich Ulms Opernchef Matthias Kaiser vor dem Theaterpreview „Europera 4“ einem Publikumsgespräch. Bei dieser „Inszenierung des Zufalls“, bei dem die Stoppuhr mitlaufen wird, pendeln die Sänger (Edith Lorans und Thomasz Kaluzny) zwischen „Freiheit und Verantwortung“. Der Ulmer „Pro Arte“-Stipendiat „miu“ wird das Festival mit Performances flankieren. Und auch im Abschlusskonzert am Sonntag, wo Cages Pflanzenklänge „Branches“ ertönen, kann eine Sporenausstellung im Saalfoyer besichtigt werden: John Cage war ein leidenschaftlicher Pilzfreund.

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