Dienstag, 21. November 2017

18. November 2016 18:01 Uhr

Senden

Dreijähriger raucht Zigaretten: Jetzt ermittelt die Sendener Polizei

Eine Babysitterin soll einen dreijährigen Buben mit Glimmstängel im Mund fotografiert, ihr Partner die Bilder anschließend veröffentlicht haben. Die Ermittler sprechen von Erpressung.

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Die Sendener Polizei ermittelt derzeit im Fall eines Zigaretten rauchenden Dreijährigen. Dieser soll von der Babysitterin fotografiert worden sein. Später landeten die Bilder im Internet.
Foto: Karl-Josef Hildenbrandt/dpa

Schockierende Bilder haben jüngst die Stadt Senden erreicht: Sie zeigen ein Kleinkind, das eine Zigarette in der Hand hält – und noch schlimmer – diese raucht und nach Auskunft der Polizei „fast professionell abascht“. Ein 37-jähriger Mann hat die Bilder auf der Facebook-Seite der Stadt Senden veröffentlich. Offenbar mit einem perfiden Plan.

Die Bilder lassen wohl nicht nur Eltern oder Großeltern schaudern. Thomas Merk, Chef der Sendener Polizei, die die Ermittlungen in dem Fall übernommen hat, zeigt sich schockiert: „Es ist unvorstellbar“, sagt Merk auf Nachfrage unserer Zeitung. Einen Fall wie diesen habe er noch nie erlebt. Offenbar wurden die Bilder bereits im Oktober veröffentlicht. Die Stadt Senden habe sich dann bei der Polizei gemeldet und die Bilder weitergeben.

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Über diese konnten die Ermittler schnell rausfinden, um wen es sich handelt: Demnach ist auf den Aufnahmen ein dreijähriger Bub zu erkennen, der auf seinem Kinderbett sitzt und „die Zigarette professionell zwischen Mittel- und Zeigefinger hält“, sagt der Polizeichef. Aber woher stammen die Bilder?

Babysitterin soll Kind mit Zigaretten fotografiert haben

Offenbar haben Ermittlungen und die Auswertung der Fotos ergeben, dass eine 37-jährige Frau diese angefertigt hat. Nach Merks Auskunft war sie die Babysitterin des kleinen Bubs. „Die 23-jährige Mutter war außer Haus und hat eine Aufsichtsperson gesucht“ – und geglaubt, sie in der 37-Jährigen gefunden zu haben. Diese jedoch fotografierte den Buben und schickte die Bilder an ihren 37-jährigen Lebensgefährten, der offenbar kein Unbekannter für die Sendener Polizei ist. Wie diese mitteilt, liegen mehrere Haftbefehle „aufgrund familiärer Probleme“ gegen den Mann vor. Dieser ist allerdings in die Türkei geflüchtet und lebt seit einiger Zeit dort.

Von dort aus habe er die Bilder des rauchenden Buben genutzt, um dessen in Senden wohnhafte Mutter zu erpressen: „Er forderte einen unwesentlichen Geldbetrag“, sagt Merk auf Nachfrage. Diesen habe die Frau zweimal bezahlt, dann aber die Überweisungen eingestellt. Daraufhin hat der 37-Jährige ernst gemacht und die Bilder im Internet öffentlich gemacht.

Arzt ist entsetzt über rauchenden Dreijährigen

„Grausam und überhaupt nicht nachvollziehbar“ findet das auch Dr. Peter Czermak, Sprecher des ärztlichen Kreisverbands Mittelschwaben. Auch der Sendener hat so etwas in seiner Laufbahn als Mediziner noch nie erlebt. „Es liegt auf der Hand, dass Rauchen für ein Kind nicht gut ist“, sagt er. Dabei gehe es nicht nur um das in Zigaretten befindliche Nikotin. Auch Teer (das Rauchkondensat) und andere Reizstoffe würden dem schwachen Gewebe des Kindes schaden. Dieses sei besonders empfindlich, weil „es noch keinen Umwelteinflüssen ausgesetzt war“, so Czermak. „Daher reagieren die Schleimhäute sehr empfindlich“.

Der Zigarettenrauch könne Entzündungen beispielsweise in Lunge, Mund, Speiseröhre oder Magen der kleinen Körper hervorrufen. Auch durch Passivrauchen seien Kinder stark belastet: „Es ist Körperverletzung, wenn Eltern kleiner Kinder rauchen.“ Da helfe auch das Lüften des Raumes nicht, um den Nachwuchs vor dem schädlichen Rauch zu schützen. „Studien haben ergeben, dass allein der Rauch, der an der Kleidung haftet, schlimme Auswirkungen auf Säuglinge oder Kleinkinder haben kann“, sagt der Experte aus Senden.

Czermak warnt zudem davor, auch nur Zigaretten in der Wohnung herumliegen zu lassen: „Wenn ein Kind die beim Spielen entdeckt und eine Zigarette oder eine größere Menge Tabak verschluckt, kann das sogar tödlich enden.“ Zehn Milligramm Nikotin hätten laut Czermak den Tod des Kindes zur Folge.

Wird das Kind gesundheitliche Schäden davontragen?

Ob der dreijährige Bub in Senden gesundheitliche Schäden durch das Rauchen davon getragen hat, wird derzeit nach Auskunft der Polizei noch ermittelt. Demnach war das Kleinkind mit seiner Mutter beim Arzt und wurde dort untersucht. „Augenscheinlich fehlt dem Bub momentan nichts“, heißt es seitens der Ermittler.

Diese konzentrieren sich nun noch einmal auf die Babysitterin und die Mutter des Buben, die nach derzeitigem Kenntnisstand nichts von den Bildaufnahmen gewusst haben soll. In den nächsten Tagen werden die beiden Frauen vernommen, ehe das Ergebnis des Falls an die Staatsanwaltschaft weitergegeben wird.

Ob der zweite Drahtzieher – der 37-jährige Mann, der sich in der Türkei aufhält – befragt oder jemals zur Rechenschaft gezogen werden kann, ist derzeit fraglich. Wie Polizeichef Merk mitteilt, sei es unmöglich, den Mann zu laden. „Generell ist es schwierig, mit den türkischen Behörden zusammenzuarbeiten.“ Noch nicht abschließend geklärt sei, ob sich die 37-jährige Babysitterin „einen bitteren Spaß“ erlaubt, das Kind hindrapiert habe und die Bilder ohne Hintergedanken dem Mann geschickt hat, oder ob die beiden ein Erpresserkomplott gebildet haben.

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Ein Artikel von
Katharina Dodel

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