Donnerstag, 29. Juni 2017

26. Oktober 2008 05:55 Uhr

Drogenhilfe schlägt Alarm: Methadonpraxen droht das Aus

Ulm (mick) - Ein positives Fazit für die Drogenhilfe Ulm/Alb-Donau aus dem vergangenen Jahr haben Vorsitzender Ulrich Berron und Leiter Frank Riethdorf bei der Mitgliederversammlung gezogen. "Generell ist unsere Finanzlage sehr gut. Da gibt es keinerlei Schwierigkeiten", so Riethdorf. Das Jahr 2007 konnte die Drogenhilfe mit einem Plus von 265 Euro abschließen. Besonders die gerichtlichen Bußgelder in Höhe von 53 000 Euro, die die Drogenhilfe eingenommen hat, schlagen positiv zu Buche. Für das Jahr 2008 rechnen die Verantwortlichen mit 323 370 Euro Einnahmen. Außerdem stünde dieses Jahr unter dem Zeichen der Kooperation mit anderen Einrichtungen, wie der Leiter weiter erklärte.

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Denn ab dem kommenden Jahr erhalten nur noch Einrichtungen Geld vom Land Baden-Württemberg, die in ein kommunales Suchthilfenetzwerk eingeflochten sind. Dort stehe ein Vertragsabschluss unmittelbar bevor. Außerdem werde die Arbeit der Drogenhilfe nun anhand von Leistungskennzahlen bewertet, die für höhere Zuschüsse durch die Stadt entscheidend sind. "Wir befinden uns in Verhandlungen mit der Stadt", erklärte Riethdorf. Das Problem sei jedoch, dass die Arbeit der Drogenhilfe schwer zu bewerten ist, so der Leiter.

Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde der Vorsitzende Ulrich Berron ohne Gegenstimme wiedergewählt. Auch seine Stellvertreter, Marion Garni und Dr. Robert Jungwirth, wurden in ihren Ämter bestätigt.

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Sorgen bereitet der Organisation allerdings das Thema Drogensubstitution. Substitution bedeutet, dass Drogenabhängige neben psychologischer Hilfe auch legale Ersatzstoffe wie beispielsweise Methadon erhalten, um aus dem Kreislauf von Prostitution und Beschaffungskriminalität heraus zu kommen. Substituierenden Ärzten in den alten Bundesländern droht nun ein Wegfall von 20 Prozent ihres Honorars, wie der Ulmer Psychiater Dr. Franz Josef Bentele erklärte. Grund ist, dass ab 1. Januar 2009 alle Ärzte in Deutschland gleich bezahlt werden sollen. Tritt dieser Fall ein, ist Benteles´ Substitutionspraxis nicht mehr rentabel und muss schließen. "Dann stehen am 1. Januar 120 Leute mit körperlichen Entzugserscheinungen da", so der Kommentar von Frank Riethdorf. Bentele erklärte, dass er sich bereits schriftlich an verschiedene Stellen gewandt hat, um über Lösungen des Problems zu diskutieren. Da viele seiner Patienten aus dem Landkreis und der Stadt Neu-Ulm stammten, habe er auch Vertreter der Politik in Neu-Ulm angeschrieben. Er kritisierte aufs Schärfste, dass er darauf keine Antwort erhalten habe. "Neu-Ulm muss in die Pflicht genommen werden. Die fühlen sich überhaupt nicht in der Verantwortung", tadelte Bentele. Riethdorf verwies auf die Folgen, die der Wegfall der Substitution nach sich ziehen werde. Bereits in den ersten Wochen sei mit vielen Toten zu rechnen, ist sich der Leiter sicher. Die Abhängigen würden wieder auf Heroin zurückgreifen, dass sie aber nach der langen Abstinenz nicht mehr vertragen. Außerdem glaubt er, dass die Zahl der Straftaten stark zunehmen wird.

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