Samstag, 23. September 2017

28. September 2012 12:04 Uhr

Technik

Durch unbekannte Welten wandeln

Studenten haben ein System entwickelt, mit dem sich Räume virtuell erleben lassen

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Ulm Stefan Hörmann dreht den Kopf. Dicke Steinmauern umgeben ihn. Links ein Gang, rechts eine Treppe. Durch das Loch in der wuchtigen Decke fällt ein wenig Licht. Unter ihm ein Gitter, das ihn von einem kleinen Verlies im Boden trennt. Darin eine schemenhafte Gestalt. Stefan bückt sich, die Statue auf dem Boden wird größer.

Benutzer können intuitiv reagieren

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Der 28-jährige Gundremminger lacht, nimmt einen fünfeckigen Ring von seinem Kopf, die Umgebung des alten Tempels verschwindet, er steht in einem Labor der Universität Ulm. „Mit der Technik kann ich Dinge entdecken, die ich vorher gar nicht gesehen habe“, erklärt er. Fabian Weiss neben ihm ergänzt: „Sie ist ganz intuitiv. Wenn ich etwas auf dem Boden besser sehen möchte, bücke ich mich im echten Leben – so funktioniert das hier auch.“ Die Technik, von der die Rede ist, heißt Immersight – und ist die Erfindung von Stefan Hörmann, Fabian Weiss, Dominik Nuß und Simon Singler. Die vier Elektrotechnik-Studenten der Universität Ulm haben ein System geschaffen, mit dem sich beliebige Räume virtuell erleben lassen – dreidimensional und mit geringem Aufwand.

Im März begeisterte die Technik die Besucher der Hightech-Messe Cebit in Hannover, jetzt haben die vier jungen Männer das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie überzeugt: 30000 Euro erhalten sie für die Gründung eines Unternehmens und sind damit Hauptpreisträger des vom Bundesministerium ausgerichteten Gründer-Wettbewerbs. „Wir waren richtig überwältigt“, erzählt Weiss.

Das System ist für Benutzer ganz einfach. Um eine handelsübliche 3-D-Brille mit zwei kleinen Bildschirmen vor dem Sichtfeld haben die Studenten einen schwarzen, fünfeckigen Ring gelegt, der auf dem Kopf sitzt. An ihm sind weiße Kügelchen befestigt. Für das Eintauchen in eine visuelle Welt ist nur noch eine Kamera nötig: Die Studenten haben sie im Labor an die Decke gehängt. Über einen Bildschirm starten sie das System. Die Kamera erkennt die genaue Position der Kügelchen auf dem Ring – das Programm der Erfinder berechnet die Bewegung und passt das Bild, das in die Brille projiziert wird, an.

Das Praktische: Mit einer passend programmierten Schnittstelle kann jede dreidimensionale Simulation visuell erlebbar werden. „Uns sind schon so viele verschiedene Anwendungsszenarien eingefallen, vom Ingenieur, der ein Bauteil entwickelt, bis zum Architekten, der ein Haus plant“, erzählt Fabian Weiss. Zuerst einmal haben sich die vier auf Einrichtungshäuser konzentriert, wo viele Kosten durch Planungsfehler entstehen, auch weil sich Kunden Einrichtungen oft anders vorstellen. Mit Erfolg: Einige Einrichtungshäuser zeigen schon Interesse. Bisherige Systeme seien nicht intuitiv, bräuchten oft eigene Räume und würden zum Teil mehrere Tausend Euro kosten, erklärt Weiss.

Das Herzstück der Technologie steckt in der Programmierung in der Programmiersprache C++. Die Ulmer, die ihr Studium gerade abgeschlossen haben oder in der Endphase sind, stecken seit gut eineinhalb Jahren viel Zeit in das System. „Wir waren fast den ganzen Winter im Labor und haben vieles ausprobiert“, erzählt der 27-jährige Weiss von der Zeit vor der Cebit. „Der Durchbruch kam dann im Februar, wir waren eine Woche vor der Messe fertig.“ Aber auch jetzt ist noch viel zu tun, bis das Produkt fertig ist: „Anfang 2013 wollen wir auf dem Markt sein“, meint Weiss.

Unterstützung der Universität

Eine der nächsten Aufgaben neben den Vorbereitungen für eine Patentanmeldung ist die Gründung einer GmbH. 24000 Euro des Preisgeldes müssen zweckgebunden dafür eingesetzt werden. Von der Universität erhalten sie Unterstützung: durch Professor Klaus Dietmayer, der ihnen einen Raum zur Verfügung stellt, und einen Existenzgründungsberater. Für ein Jahr werden die vier in der Universität bleiben. Auch für danach gibt es schon Visionen: „Wir wollen das Unternehmen weiter ausbauen und hoffen darauf, zu wachsen und Mitarbeiter einstellen zu können“, sagt Weiss. Noch eine Vision: In wenigen Jahren könnte jeder das System der Ulmer im eigenen Wohnzimmer haben – „Wir sind überzeugt, dass die virtuelle Welt immer mehr Einzug hält.“

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